Kuschen vor Trump, China und Putin?
Die Antwort auf die Frage in der Ăberschrift impliziert ein eindeutiges Nein! Doch dazu braucht es ein – im Gegensatz zu jetzt – starkes und geeintes Europa. LĂ€nder, die nicht mitmachen wollen, bleiben dann halt auĂen vor. Nur Deutschland und Frankreich mĂŒssen zwingend mit dabei sein. Dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel âDie Zeit drĂ€ngt!â
Zum Jahresbeginn eine zentrale Frage: Wie lange noch lĂ€sst sich Europa von den USA und China am Nasenring durch die Manege ziehen? Bislang hat man den Eindruck, dass alle Provokationen, RegelverstöĂe und sonstigen UnsĂ€glichkeiten wie Trumps erratische Zollpolitik von der EU in Demut und UnterwĂŒrfigkeit hingenommen werden.
Die USA belegen inzwischen sechs Richter und drei StaatsanwĂ€lte des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag mit Sanktionen, weil ihnen deren Urteile und Anklagen nicht passen. Sogar der ehemalige EU-Kommissar Thierry Breton sowie viele weitere Persönlichkeiten werden sanktioniert. Ihr Vergehen: Sie verlangen von den mĂ€chtigen US-Konzernen MaĂnahmen gegen Hass im Internet.
Isolde Charim beschreibt im âFalterâ am Beispiel des französischen Richters Nicolas Guillou, was das bedeutet. Guillou bekam nicht nur ein Einreiseverbot in die USA, die Trump-hörigen Internet-Giganten haben auch sein soziales Leben massiv eingeschrĂ€nkt â so kann er etwa kein Onlinebanking mehr durchfĂŒhren.
Die zögerliche Ursula von der Leyen und ihre Kommission schĂŒtzen unseren digitalen Raum ebenso wenig wie sie gegen chinesische Konzerne wie Temu, AliExpress oder Shein vorgehen. Die gefĂ€hrden mit giftigen Chemikalien die Gesundheit ihrer Kundschaft und unserer Umwelt â zudem mit Steuertricks auch unseren Kleinhandel und unsere Industrie.
Europa muss selbstbewusster auftreten und sich neu ordnen. Einerseits brauchen wir digitale SouverĂ€nitĂ€t, denn ohne sie ist inzwischen kein Rechtsstaat mehr möglich. Andererseits muss unsere Wirtschaft vor der Schmutzkonkurrenz aus Fernost geschĂŒtzt werden.
Derzeit verhindern entsprechende MaĂnahmen allerdings nicht nur die eigene Zögerlichkeit, sondern auch interner Widerstand. Trump- und Putin-Fans lĂ€hmen die EU innenpolitisch â man denke an Ungarn und die Slowakei oder weitere Getreue wie den Rassemblement National in Frankreich, die AfD oder die FPĂ.
Die Wahlen in diesem Jahr werden wegweisend sein. Im April geht es in Ungarn darum, ob es dem konservativen OppositionsfĂŒhrer PĂ©ter Magyar gelingt, sein Land wieder zu einem pro-europĂ€ischen Bollwerk zu machen. In Deutschland stehen in vielen BundeslĂ€ndern ebenfalls Wahlen an: Werden sie zu einem Triumphzug fĂŒr die EU-Feinde?
Die Bedrohungen durch China, Russland und inzwischen auch den USA sind in den letzten Jahren und Monaten allzu offenkundig geworden. Die Zukunft des âAlten Kontinentsâ darf mittelfristig aber nicht von Wahlen in einzelnen MitgliedslĂ€ndern oder gar nur deutschen BundeslĂ€ndern abhĂ€ngig sein. Es braucht eine Weiterentwicklung der EU.
Vor allem Deutschland und Frankreich sind gefordert, die alte Idee eines âKerneuropaâ mit jenen EU-Staaten wiederzubeleben, die dazu bereit sind. Nur so kann aus dem politischen Zwerg und wirtschaftlichen Riesen Europa ein demokratischer Gegenentwurf zu den jetzigen drei WeltmĂ€chten China, USA und Russland werden. Die Zeit drĂ€ngt!
