Cartoon von Mario Lars

Cartoon von Mario Lars

Antisemitische und rassistische Ausfälle sind leider auf der Tagesordnung. Und nein: Israelkritik gehört nicht dazu, Israels Politik muss kritisiert werden. Und nein: Kritik am Vorgehen und Verhalten fundamentalistischer Moslems gehört auch nicht dazu. Darauf muss die Gesellschaft reagieren. Fremdenhass und Antisemitismus aber dürfen in unserer Gesellschaft nicht akzeptiert werden. Dazu mein Kommentar unter dem Titel „Beklemmendes Theaterstück“ in den Vorarlberger Nachrichten:

Das derzeit im Vorarlberger Landestheater gespielte Stück „Leopoldstadt“ des kürzlich verstorbenen Dramatikers Tom Stoppard ist beklemmend aktuell. Die Weihnachtsfeier einer assimilierten jüdischen Familie im Jahr 1899 und die folgenden Episoden schildern den anwachsenden „rassischen“ Antisemitismus mit der furchtbaren Konsequenz im Holocaust.

Ein brandaktuelles Thema! Immerhin sind extrem rechte Parteien im Aufwind und völkisch argumentierende Nationalisten populär. Sie stellen ihren Antisemitismus allerdings zumeist nicht offen zur Schau. Man sucht sogar Kontakt mit Israels Regierung. Für ein Treffen mit Regierungsvertretern und radikalen Siedlern in Straßburg reiste sogar Herbert Kickl eigens an. Vergessen sind offenkundig seine antisemitischen Witze als Redenschreiber für Jörg Haider.

Heute hat man einen gemeinsamen Feind: den Islam. Und die Ausgrenzungsfantasien beziehen sich auf die Zugewanderten. Dazu passt der rassistische Eklat eines Tiroler ÖVP-Politikers auf dem Münchner Oktoberfest am Wochenende. Einem dunkelhäutigen Influencer beschied er, dieser sei „hier nicht daheim“, weil hier nur Deutsche leben würden und die seien nun mal weiß.

Gegen seine Hautfarbe kann man schlecht etwas unternehmen. Bei Rassisten allerdings wäre auch das erfolglos, denn Jüdinnen und Juden hat man im 19. Jahrhundert beschieden, dass sie nie „Deutsche“ sein können, auch wenn sie sich – wie im Stück „Leopoldstadt“ – taufen ließen („Die Religion ist einerlei, …“). Und heute? Gelten Dunkelhäutige nur dann als Deutsche oder Österreicher, wenn sie die Fußballnationalmannschaft verstärken?

Wir dürfen nicht die extrem Rechten definieren lassen, wer zu Nation oder Volk gehört. Die Zugehörigkeit zu einem Volk ist staatsbürgerlich zu definieren, nicht völkisch. Die rassistische Vorstellung der „ethnischen Reinheit“ eines Volkes war nie Realität, Migration hat es immer gegeben.

Martin Sellner, „Chef-Ideologe“ der Identitären und Verbindungsmann zur FPÖ, fordert Massendeportationen „Fremder“ – sogar dann, wenn sie die Staatsbürgerschaft besitzen. Die FPÖ-Nationalratsabgeordnete und Verfassungssprecherin Susanne Fürst hatte heuer trotzdem kein Problem damit, im Mai gemeinsam mit Martin Sellner bei einem „Remigrationsgipfel“ aufzutreten.

In den Feuilletons deutscher Zeitschriften liest man besorgte Analysen, wonach die AfD wegen ihrer völkischen Agitation sogar innerhalb der europäischen Rechtsaußen-Parteien abgelehnt werde. Nicht von der FPÖ: Herbert Kickl sprach nach dem AfD-Wahlsieg von einem „demokratischen Machtwort“ und einem Zeichen, dass sich die Menschen „Land und Heimat zurückholen“. Zurückholen?

Man muss der ehemaligen Direktorin des Landestheaters Stephanie Gräve dankbar sein, dass sie ein derart aktuelles Stück wie „Leopoldstadt“ im Sommer am Ende ihrer Amtszeit noch auf den Spielplan gesetzt hat. Ob es im Theater allerdings die richtigen Leute sehen werden?