11. September 2026

Sachsen-Anhalt und die FPÖ

2026-09-10T12:43:40+02:0011.09.26, 8:27 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , |

Die Parteien der extremen Rechten sind seit Jahren auf einem Siegeszug durch Europa. Unter dem Titel „Blaues Wunder?“ bin ich in den Vorarlberger Nachrichten auf die Unterschiede zwischen diesen Parteien und die möglichen Auswirkungen des AfD-Wahlsieges in Sachsen-Anhalt auf Österreich eingegangen:

Das kleine deutsche Bundesland Sachsen-Anhalt erlebte bei den Wahlen am Sonntag fast ein „blaues Wunder“: Die rechtsextreme AfD scheiterte nur knapp an der absoluten Mehrheit, obwohl sie sogar den meisten anderen europäischen Rechtsparteien zu radikal ist. In Italien haben sich die Neofaschisten von Giorgia Meloni ebenso klar und deutlich von der deutsche Rechtsaußen-Truppe distanziert wie Marine Le Pen und ihr Rassemblement National in Frankreich. Von beiden Parteichefinnen gab es daher auch keine Glückwünsche zum Wahlerfolg.

Die Partei von Le Pen saß im Europaparlament zwar jahrelang mit der AfD in einer Fraktion, vor zwei Jahren riss ihr aber der Geduldsfaden: Die damals bekannt gewordenen „Remigrations-Pläne“ mit menschenverachtenden und autoritären Forderungen bei einem Geheimtreffen mit Martin Sellner von der Identitären Bewegung in Potsdam und die Äußerungen des damaligen AfD-Spitzenkandidaten Maximilian Krah zur SS hatten das Fass zum Überlaufen gebracht: Die AfD-Abgeordneten wurden aus der gemeinsamen Rechtsfraktion ausgeschlossen – gegen die Stimmen der FPÖ.

Die Putin-Nähe der AfD war schon zuvor umstritten, ebenso die Haltung zur EU und Austrittspläne aus dem Euro. Dass es etliche weitere problematische Punkte gibt wie ein vorgestriges Frauenbild, völkisches Staatsverständnis, Missachtung der Rechte von Minderheiten, Wissenschaftsfeindlichkeit usw., sei hier nur am Rande erwähnt.

Herbert Kickl hat im Gegensatz zu Meloni und Le Pen keine Berührungsängste. Es gibt sogar eine enge thematische Verbindung, strategische Kooperation und personellen Austausch mit der deutschen Schwesterpartei. Die AfD-Spitze aus Sachsen-Anhalt besuchte kurz vor der Wahl die FPÖ und holte sich in Salzburg Tipps für den Umgang mit Machtstrukturen. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund postete ein Selfie: „FPÖ und AfD Seite an Seite“. Die Wiener FPÖ schickte eine Delegationen nach Berlin, um die Kooperation zu vertiefen.

Die deutschen Extremisten schauen neidvoll auf ihre österreichische Schwesterpartei, stellt diese doch einen Landeshauptmann, sitzt in fünf Bundesländern in der Regierung und verpasste das Amt des Regierungschefs auf Bundesebene trotz großer Kompromissbereitschaft der ÖVP schließlich nur, weil Kickl alle Schlüsselministerien beanspruchte und die EU-Skepsis der Blauen denn doch zu weit ging.

Kickl hat das Wahlergebnis vom Sonntag als „demokratische Sternstunde“ bezeichnet. Die extremistische „Identitäre Bewegung“ verharmlost er als „NGO von rechts“, was angesichts der personellen Verflechtungen zur FPÖ konsequent erscheint. FPÖ-Kandidat Norbert Hofer hat bei seinem Antreten zur Bundespräsidentenwahl einst prophezeit: „Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist!“ Ein „blaues Wunder“ blieb uns damals auf Bundesebene erspart. Heute?

18. Januar 2024

Unwort „Remigration“

2024-01-18T08:55:50+01:0018.01.24, 8:53 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , |

In Deutschland wird über ein Verbot der AfD diskutiert. In Österreich diskutiert man darüber, in welcher Konstellation die FPÖ ab Herbst in der Regierung sein wird. Es ist Zeit aufzuwachen und dem rechtsextremen und rassistischen Treiben Einhalt zu gebieten. Dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten. Hier zum Nachlesen:

Letzte Woche hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei einem Festakt das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) gewürdigt und in Bezug auf die NS-Vergangenheit gemeint: „Es darf gerade jetzt nicht sein, dass wir einen bequemen Schlussstrich ziehen.“

Am selben Tag wurde ein Geheimtreffen hochrangiger AfD-Politiker, Neonazis und finanzstarker Unternehmer bekannt, bei dem es in Berlin um „Remigration“ ging. Aus Österreich angereist war unter anderem auch Martin Sellner, Chef der mit der FPÖ über mehrere Wege verbandelten rechtsextremen „Identitären“. Kernforderung in Berlin: die Vertreibung von Millionen (!) von Menschen aus Deutschland und Österreich.

„Masterplan“

Auch FPÖ-Obmann Herbert Kickl operiert mit solchen haarsträubenden Forderungen und dem Begriff „Remigration“, mit dem nicht nur er, sondern Neonazis, Neofaschisten und rechtsextreme Parteien in ganz Europa seit Jahren das gesellschaftliche Klima vergiften.

„Remigration“ meint die „Rückgängigmachung“ von Migration und somit die massenhafte Deportation von Menschen – Kickl nennt sie menschenverachtend „nicht wertvolle Elemente“, darunter solche mit österreichischer Staatsbürgerschaft. Ohne Gewalt wird das nicht gehen. Es stünde außerdem eklatant im Widerspruch zu unserer geltenden Verfassung.

FPÖ und Identitäre

Auf der Plattform „Stoppt die Rechten“ sowie der Homepage des DÖW gibt es fundierte Hinweise auf die engen Verbindungen zwischen FPÖ, ihrer Schwesterpartei AfD und den Identitären. FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz begrüßte bei einer FPÖ-Kundgebung die Identitären („Hier seid ihr willkommen!“): „Wir werden diese Bundesregierung mit sprichwörtlichen nassen Fetzen aus dem Parlament treiben.“ Aus dem Parlament wohlgemerkt, nicht nur aus der Regierung.

Auch sein Kompagnon Christian Hafenecker schwadroniert von einem angeblichen „Bevölkerungsaustausch“ und bekundet offen Sympathie für die Positionen der Identitären. Er habe „nicht den geringsten Grund, sich von völlig legitimen und aus unserer Sicht auch politisch unterstützenswerten Forderungen zu distanzieren“.

Folgerichtig unterstützte die Freiheitliche Jugend eine „Remigrations-Tour“ der Identitären in Oberösterreich, der Obmann der Jung-Blauen sprach sogar von einem „Schulterschluss“. Der frühere Parteichef Norbert Hofer bezeichnete die Identitären und deren Forderungen zurecht als „Wahnsinn“, Kickl hingegen spricht von der in Österreich offiziell als rechtsextrem eingestuften Truppe als „unterstützenswertem Projekt“.

In Deutschland wurde „Remigration“ von einer Jury zum „Unwort des Jahres“ gewählt. Es sei ein „rechter Kampfbegriff“ und eine „beschönigende Tarnvokabel“. In Österreich wird dieses Unwort von der in aktuellen Umfragen stärksten Partei verwendet.

Es wird Zeit, wieder an der Artikel 9 des Staatsvertrags zu erinnern. Demnach verpflichtet sich unser Staat, „alle nazistische Tätigkeit in Österreich zu verhindern“.

10. Juli 2023

„Kriminelle Aktionen“

2023-07-10T11:10:26+02:0010.07.23, 11:08 |Kategorien: Klima und Umwelt|Tags: , , , |

Wer ist da wirklich „kriminell“? Jene, die in gewaltfreien Protesten gegen die Untätigkeit vieler Verantwortlicher in Sachen Klimaschutz protestieren? Oder jene, die in verantwortungsloser Weise diese Proteste kriminalisieren wollen und sie sogar mit mörderischem Terrorismus in Verbindung bringen? In den Vorarlberger Nachrichten habe ich unter dem Titel „Kriminelle Aktionen“ einen Kommentar dazu verfasst. Hier zum Nachlesen:

Das war eine Aufregung am letzten Mittwoch! Klimaaktivistinnen und -aktivisten protestierten vor dem Landhaus gegen die Untätigkeit der Verantwortlichen in Sachen Klimaschutz – verbotenerweise während einer Landtagssitzung. Noch größer ist jeweils die Aufregung, wenn die „Heilige Kuh“ durch die Proteste im Stau steckt – das Auto. Da kommt es dann teilweise nicht nur zu Verbalinjurien, sondern auch zu physischen Attacken aufgehetzter „Normalbürger“.

Dabei sind Proteste notwendig: Seit 1990 ist der Ausstoß von Treibhausgasen im Verkehrssektor nicht nur nicht gesunken, sondern sogar deutlich angestiegen: um rund 57 Prozent. Auch der Bodenverbrauch ist dramatisch: Seit Jahrzehnten werden laut „Bodenreport 2013“ pro Minute (!) 120 m2 verbaut. Dass angesichts solcher Fakten insbesondere junge Menschen an der Ignoranz vieler Erwachsener und vor allem der politisch Verantwortlichen verzweifeln, ist mehr als nur nachvollziehbar.

Verleumdung statt Fakten

Unverantwortlich ist es, wenn Fakten schlicht geleugnet oder kleingeredet werden und man Protestierende gleichzeitig verunglimpft. In Österreich macht das – nicht nur, aber vor allem – die FPÖ. Für sie ist der menschengemachte Klimawandel ein Schwindel und gewaltlosen Proteste dagegen werden zu angeblich „kriminellen Aktionen“. Zuletzt wieder zu hören letzte Woche von FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker im Interview mit Armin Wolf in der ZiB2. Die „Klimakleber“ werden bei ihm flugs zu „Terroristen“: „Ich habe diesen Begriff ganz bewusst gewählt.“

Weiß er nicht, dass Terroristen Gewalt anwenden und morden? Er weiß es, sät aber bewusst Angst vor den Protestierenden und schafft ein Feindbild. Er weiß auch, in welch kritischer Situation wir angesichts der Klimakrise bereits sind. Dass die Fluchtbewegung aus Afrika und anderen Gegenden neben den Kriegen wegen der Unbewohnbarkeit immer größerer Gebiete dieser Welt eine Hauptursache ist. Aber Hafenecker spricht von „natürlichen Wetter- und Klimaphänomenen“ und lukriert politisches Kleingeld statt Probleme anzugehen.

Wissenschaftsfeindlichkeit

Ähnlich wie er argumentiert in Deutschland die Schwesterpartei der FPÖ. Die AfD stellte im Bundestag eine parlamentarische Anfrage und bezog sich dabei offensichtlich auf ihre eigenen Stammtischparolen: Viele Wissenschaftler widersprächen der Behauptung, der Klimawandel sei menschengemacht.

Nun gibt es im deutschen Bundestag – im Gegensatz zum österreichischen Parlament – einen bestens ausgebauten wissenschaftlichen Dienst, der Fragen von allen Fraktionen ausführlich beantwortet. In der Antwort an die AfD wurde auf eine Meta-Studie verwiesen: Unter den 69.406 Verfassern wissenschaftlicher Artikel gab es nur vier, die der These vom menschengemachten Klimawandel widersprechen. Anders ausgedrückt: 0,0058 Prozent.

Am Mittwoch führten die Proteste vor dem Landhaus übrigens zu elf Festnahmen. Es trifft halt nicht immer die Richtigen.

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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