25. November 2009

„Entscheidungsgesellschaft“ und gemeinsame Schule!

2009-11-25T13:26:00+01:0025.11.09, 13:26 |Kategorien: Bildung|

Am vergangenen Sonntag hat der Klagenfurter Mathematiker und Philosoph Rudolf Fischer auf dem Zukunftskongress der Grünen einen spannenden Vortrag gehalten. Es ging um die „Entscheidungsgesellschaft“.

Fischer hatte gleich eine gute Nachricht parat: Entscheiden kann gelernt werden. Indem man es tut – und das möglichst gemeinsam. Unser gegenwärtiges Bildungssystem nimmt den Menschen Entscheidungen allerdings weitgehend ab. Es gibt ein paar Verzweigungsentscheidungen, sonst wird man an der Hand geführt, von einer Wichtigkeit zur nächsten. Die wichtigsten Entscheidungen im Bildungsprozess betreffen die Gestaltung desselben. Hier sind die Mitwirkungsmöglichkeiten der Lernenden nach Alter unterschiedlich – von Kindergartenkindern kann man nicht so viel Gestaltungsverantwortung erwarten wie von Studenten. Die Möglichkeiten sind aber weit größer, als derzeit realisiert wird.

Der Ort, an dem die Heranwachsenden verpflichtend mit Fremdheit konfrontiert werden, ist die Schule, eventuell bereits der Kindergarten. Heutzutage erfolgt diese Konfrontation in einem Ausmaß, wie das seit Einführung der Schulpflicht noch nie der Fall war. Schule und Kindergarten stellen Übungsfelder für den Übergang von Fremdheit zu Nähe dar. Fischer hat auf einen wesentlichen Umstand hingewiesen: „Es kann dabei auch zu Überforderungen kommen, daher ist behutsam vorzugehen. Niemandem, der sich gegen diese Überforderungen wehrt, sollte man deswegen vorschnell einen Vorwurf machen, z. B. den der Fremdenfeindlichkeit.“ Dem kann ich nur zustimmen, denn zu Empathie kann niemand gezwungen werden. Jede(r) hat ihre/seine Empathie-Grenze. Es geht darum, Verständnis zu schaffen.

Fischer hat auch gesagt, dass dies ein (!!) Grund sei, warum er für eine gemeinsame Schule der Schulpflichtigen ist: In dieser Schule kann (!) eine Integrationsleistung erbracht werden: „Vielfach werden der Gedanke der schulischen Integration und der Gedanke der Begabungs- und Begabtenförderung bzw. Elitenbildung gegeneinander ausgespielt. Ich habe eine durchaus positive Einstellung zur Vorstellung, dass Eliten gebraucht werden. Allerdings: Eliten, die durch Absonderung erzeugt bzw. gefördert werden müssen, die sich möglicherweise dann dadurch auszeichnen, dass sie nur miteinander können, aber nicht mit anderen – ich nenne sie in Analogie zu Fach-Idioten Elite-Idioten – brauchen wir weniger dringend als Kommunikations- und Verantwortungseliten, die mit anderen gemeinsam etwas zustande bringen.“

24. November 2009

Personalvertretungswahlen im öffentlichen Dienst

2009-11-24T10:47:00+01:0024.11.09, 10:47 |Kategorien: Bildung|

Am Mittwoch und Donnerstag finden die Personalvertretungswahlen für den Öffentlichen Dienst statt. Insbesondere bei den LehrerInnen sind in einigen Bereichen spannende Ergebnisse zu erwarten. Gelingt es der schwarzen Mehrheitsfraktion, die vorhandene Unsicherheit für ihre Zwecke zu nutzen oder werden jene Kräfte gestärkt, die zukunftsweisende Konzepte präsentieren und für die das strikte „Nein“ für alle Reformvorschläge kein erstrebenswerter Zustand ist?

Schon jetzt sind viele PädagogInnen am Ende ihrer Kräfte, weiterzumachen wie bisher ist daher verantwortungslos. Zudem kommen auf Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen und Schulstufen in den nächsten zehn Jahre große Änderungen zu. Der allgemeine Trend zu mehr ganztägig geführten Schulen bedeutet eine wesentliche Änderung für das Berufsbild. Der künftig notwendige individualisierte Unterricht in stark heterogenen Klassen braucht entsprechende Vorbereitung. In großen Klassen ohne Unterstützung durch BegleitlehrerInnen ist diese Herausforderung nicht zu meistern.

Die Modularisierung in höheren Schulen bedarf einer neuen Art der Arbeits- und Jahresplanung. Kurse müssen semesterweise geplant werden. LehrerInnen werden zu Coaches, die SchülerInnen bei der Zusammenstellung ihrer individuellen Lernpläne zur Seite stehen.

Insgesamt steigen die Anforderungen an die Schulen gewaltig. Die Zusammensetzung der SchülerInnenpopulation ist im steten Fluss, immer mehr Erziehungsaufgaben werden in die Schule verlagert. Schulen müssen daher zu attraktiven Lebensräumen für SchülerInnen und LehrerInnen ausgebaut werden. Was brauchen wir noch, damit die LehrerInnen diese Herausforderungen gewachsen sind?

• Ein Dienstrecht, welches die vielfältigen Aufgaben der LehrerInnen berücksichtigt

• ein Besoldungsrecht, welches bereits BerufseinsteigerInnen ein faires Gehalt zugesteht

• schulische Infrastruktur, die einen vollwertigen Arbeitsplatz in der Schule ermöglicht

• Unterstützung durch SozialarbeiterInnen, PsychologInnen, ErziehrInnen, TrainerInnen etc.

• Zeit für die Vorbereitung und Abwicklung von Teamunterricht, Projekten und Jahresplanung

• Fortbildungsmöglichkeiten, um beruflich flexibel zu sein und eigene Kompetenzen auszuweiten

• Forschung an Schulen, um pädagogische Arbeit effizient weiter entwickeln zu können

• eine Ausbildung, die den Wechsel und Weiterqualifizierung in andere pädagogische Berufe unter Anrechnung bereits abgeschlossener Ausbildungsmodule ermöglicht

23. November 2009

„Feuer am Dach“ der Kindergärten!

2009-11-23T12:11:00+01:0023.11.09, 12:11 |Kategorien: Bildung|

An ihrer Entschlossenheit zum Kampf ließen die KindergartenpädagogInnen keinen Zweifel aufkommen. Am Samstag haben sie zum zweiten Mal innert kurzer Zeit die Ringstraße gefüllt und ihre Forderungen mit der gebotenen Deutlichkeit formuliert: Es braucht deutlich bessere Rahmenbedingungen, etwa bundeseinheitliche Rahmenbedingungen, besserer Bezahlung der PädagogInnen und kleineren Gruppen mit mehr Personal.

Auf den Transparenten waren Parolen wie „Bildung fängt viel früher an, jetzt ist der Kindergarten dran“ und „Wir haben keine 25 Hände“ zu lesen. Ich habe das natürlich – wie viele KollegInnen im Parlamentsklub – unterstützt. Qualität im Kindergarten läuft derzeit über Selbstausbeutung der PädagogInnen oder das Einkommen der Eltern, die sich teure Privatkindergärten leisten können. Auch die Postleitzahl und die Weltanschauung der BürgermeisterInnen spielt eine Rolle, wenn es um den Standard in den Kindergärten geht.

Wir wollen österreichweit einheitliche Standards festschreiben, leider haben die Regierungsparteien letzte Woche im Parlament unserem Fristsetzungsantrag für ein Bundesrahmengesetz in der Kinderbetreuung abgelehnt. Da müssen wir uns auf einen langen Kampf vorbereiten!

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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