18. Oktober 2009

Disziplin in der Schule – ein heißes Thema!

2009-10-18T10:36:00+02:0018.10.09, 10:36 |Kategorien: Bildung|

In den letzten Tagen habe ich eine Vielzahl von Mails bekommen. Anlass war meine Stellungnahme zu den Förderungen der Fraktion Christlicher Gewerkschafter nach mehr Sanktionsmöglichkeiten: „Kein Zurück zur Rohrstaberl-Pädagogik“.

Einige Überlegungen zum Thema: Natürlich muss eine Lehrperson auch Sanktionsmöglichkeiten haben. Das bestreitet niemand. Wenn aber die Probleme an den Schule zunehmen (und das ist aus vielen Reaktionen zu spüren), dann muss auch nach den Ursachen gefragt und nach Lösungen gesucht werden, die nicht (nur) in Sanktionen bestehen können. In anderen Ländern hat man bspw. mit verstärkter Schulsozialarbeit, Schulpsychologie etc. einigen Druck aus dem System Schule herausgenommen.

Natürlich gehören auch Sanktionen zu jedem Erziehungsprozess. Ich verstehe den Frust viele LererInnen, die sich sich mit den Problemen alleingelassen fühlen. Meist befürworten sie zwar die von uns vorgebrachten Vorschläge, halten sie aber für „Zukunftsmusik“ und wollen ihre konkreten und akuten Probleme gelöst wissen. Aber wie? Auch die Herren von der Christlichen Gewerkschaft vermeiden den Hinweis, was sie konkret verlangen (die „gsunde Watschn“? Nachsitzen? …). In Österreich ist die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung von Erziehungszielen verboten. Gesetzliche Grundlage bildet das Jugendwohlfahrtsgesetz.

Was also kann kurzfristig getan werden? Zum einen gibt es die gesetzlich vorgesehenen Erziehungsmittel (das „Nachholen versäumter Pflichten“, die – zugegeben oft unwirksame – Verhaltensnote, die Vorladung der Erziehungsberechtigten, die Versetzen in die Parallelklasse …). Zum anderen gibt es für Problemfälle Vorschläge wie das „timeout“ – „ProblemschülerInnen“ verlassen für eine kurze oder längere Zeit ihre Klasse und haben die Möglichkeit zur Besinnung und Neuorientierung. In diese Richtung werden wir alle nachdenken müssen.

14. Oktober 2009

Kindergarten-Schlamassel

2009-10-14T23:58:00+02:0014.10.09, 23:58 |Kategorien: Bildung|

Kindergarten-PädagogInnen und Eltern wehren sich gegen die seit Jahrzehnten vorhandene Geringschätzung eines der wichtigsten Berufe. Am Samstag kommt es in Wien daher zu einer Demonstration. Forderung: Verbesserung der Situation in den Kindergärten:

Ich habe heute Abend vier Stunden an einer sehr spannenden Veranstaltung teilgenommen – dem „1. Österreichischen Kindergartengipfel“. Toll, was meine Kollegin Daniela Musiol da organisiert hat. Ich möchte nur einen Aspekt herausgreifen: Den Kindergarten als Bildungseinrichtung haben wir nämlich im Bildungsprogramm besonders betont.

Wenn es stimmt, dass die entscheidenden Grundlagen für die Lernfähigkeit eines Menschen im frühen Kindesalter gelegt werden, dann hat das bestehende Bildungssystem einen kapitalen Konstruktionsfehler. Denn „unten“ – also in Kindergärten und Volksschulen – befinden sich die kürzest ausgebildeten, sozial am wenigsten angesehenen und schlechtest bezahlten Pädagoginnen und Pädagogen. Je weiter wir hingegen hinaufkommen – also in jene Bereiche, in denen bereits eine Selektion der Schülerinnen und Schüler zugunsten der angeblich mehr Begabten und meist auch sozial Wohlhabenderen stattgefunden hat –, desto besser ausgebildet, sozial angesehener, besser bezahlt und – kein Zufall – männlicher wird das Personal.

Die Ressourcenpyramide des Bildungssystems bildet damit passgenau die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse nach: Wer schon hat, dem wird noch einmal kräftig gegeben. Gleichzeitig jedoch verschüttet ein solches System die Potenziale, die es eigentlich eröffnen müsste – nicht nur jene der Schülerinnen und Schüler, sondern genauso die der Pädagoginnen und Pädagogen. Denn unten, also in Volksschulen und Kindergärten, befinden sich fast nur noch Frauen, weil sich die Männer solche Jobs erst gar nicht mehr antun wollen. Damit reproduziert das Bildungssystem schon an seinem Eingang ein einseitiges Verständnis von Geschlechterrollen, das es zu überwinden gilt. Daraus folgt: Wir wollen diese Pyramide abtragen und ein neues Ressourcensystem aufbauen:

Es ist nicht einzusehen, weshalb die pädagogischen Kräfte am Eingang des Bildungssystems – also in Kindergärten und Volksschulen –, wo die Weichen für die Lernentwicklung eines Menschen gestellt werden, weniger gut ausgebildet und geringer bezahlt werden sollen als Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien. Und an den Hauptschulen ist der Unterschied schon deswegen nicht aufrechtzuerhalten, weil bereits im jetzigen System die erste Leistungsgruppe laut Gesetz ein Bildungsangebot, das der gymnasialen Unterstufe entspricht, bereitzustellen hätte. Wie will man da die Unterschiede in der Ausbildung und Bezahlung der Lehrkräfte der beiden Schultypen rechtfertigen?

Vielfach herrscht noch die naive Annahme, die Arbeit in Kindergärten und Volksschulen verlaufe auf einer pädagogischen Schmalspur, sodass man sie deshalb ruhig schlechter bezahlen könne. Wer so denkt, hat den gesellschaftlichen Wandel der letzten Jahrzehnte nicht verstanden. Denn durch die heterogenen Herkunftsmilieus der Kinder und durch die wachsenden Anforderungen an deren soziale, sprachliche und mathematische Kompetenzen sind heute Kindergarten- und Volksschulpädagoginnen um nichts weniger gefordert als Lehrerinnen und Lehrer an höheren Schulen.

Eine gleichwertige universitäre Ausbildung für alle Pädagoginnen und Pädagogen vom Kindergarten bis zu den höheren Schulen ist deshalb unumgänglich. Sie darf allerdings nicht Uniformierung und praxisferne Akademisierung bedeuten – sie kann auch in Modulen erfolgen, die den unterschiedlichen Praxisanforderungen entsprechen. Dazu bedarf es einer Reorganisation der universitären Ausbildung von Pädagoginnen und Pädagogen, die der sozialen und kulturellen Komplexität des Lebens in Kindergärten, Grund- und Sekundarschulen gerecht wird.

12. Oktober 2009

ÖVP jetzt für Ganztagsschulen?

2009-10-12T14:20:00+02:0012.10.09, 14:20 |Kategorien: Bildung|

Gibt es Licht am Ende des schwarzen Bildungstunnels? Bewegt sich am Ende die ÖVP? Kurze Zeit konnte man es glauben. ÖAAB-Chef Michael Spindelegger ließ verlauten, 120.000 vorgesehenen ganztägigen Schulplätze seien zuwenig. Vor allem in den Städten sei der Bedarf weit höher. Recht hat er. ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger machte aber umgehend klar, dass sich Beton halt doch nicht bewegen kann. Er widerspricht Spindelegger und meint zum Thema schlicht „Njet“!

Was spricht für ganztägige Schulformen? Zum einen zeigen alle internationalen Tests, dass Länder mit ganztägigen Schulformen deutlich bessere Ergebnisse haben als wir. Ganztagsschulen nehmen auf Interessen und Voraussetzungen des einzelnen Kindes Rücksicht, erziehen zur Selbstständigkeit erzieht und vermitteln Freude am Lernen und an Leistung. Wie? Sie geben Kinder vor allem Zeit. Zeit zur Entwicklung. Zeit, individuelle Neigungen zu entdecken. „Hausübungen“ werden in der Schule erledigt.

Dazu braucht es ein umfangreiches Angebot an zusätzlichen Aktivitäten, neue Unterrichtsformen, individuelle Förderung, kreative Freizeitgestaltung. Der Vorteil für Eltern, SchülerInnen und LehrerInnen: Für Eltern (vor allem Frauen) verbessert sich die Vereinbarkeit von Schule und Beruf, für Eltern, Kinder und LehrerInnen ist die Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit klar.

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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