7. September 2009

Totalversagen des Schulsystems?

2009-09-07T08:24:00+02:0007.09.09, 8:24 |Kategorien: Bildung|

Im „Profil“ findet sich diese Woche eine Generalabrechnung mit unserem Schulsystem: „Warum die Schule alles falsch macht: Eine Abrechnung mit dem Schulsystem“. Viele darin geäußerten Kritikpunkte sind richtig, wir müssen aber aufpassen, dass wir das Kind nicht mit dem Bad ausschütten. „Sinnloser Drill, klägliche Pädagogik, verstaubtes Wissen, hilflose Lehrer: Die Hauptleistung der Schule besteht darin, Kindern den letzten Rest Wissensdurst gründlich auszutreiben. Neue Studien belegen das Totalversagen des Systems eindrucksvoll.“ Natürlich braucht es neue Ideen, natürlich ist unser System veraltet, sozial ungerecht und für viele demotivierend. Es gibt aber unzählig viele LehrerInnen, die mit großem Engagement schon ein wenig von der „Schule von morgen“ verwirklichen.

Schön wäre es, wenn die Medien über diese positiven Beispiele auch (!) berichten würden, um Wege zur schülergerechten Schule aufzuzeigen. Nur ein paar Tipps: Reinhard Kahls überragender Film „Treibhäuser der Zukunft“ zeigt, wie die neue Schule ausschauen und gelingen kann. Er hat in Östereich viel Aufmerksamkeit gefunden und einiges in Bewegung gebracht.

Viele tolle Beispiele gibt es auch beim Europäischen Netzwerk Innovativer Schulen (ENIS). Derzeit gibt es 24 zertifizierten ENIS Schulen in Östereich, in einem Jahr sollen es 100 Vorzeigeschulen sein.

In unserem Schulsystem läuft vieles falsch, aber so wie im Profil-Artikel auf alle Beteiligten dreinzuhauen und von einem Totalversagen zu sprechen, ist nicht jener konstruktive Weg, der Begeisterung schafft und die LehrerInnen für den Umbau des Systems gewinnt.

3. September 2009

Spannende Bildungsdiskussion auf standard.at

2009-09-03T08:24:00+02:0003.09.09, 8:24 |Kategorien: Bildung|

Das nennt man journalistische Verkürzung. Der „Standard.at“ hat mir gestern die Möglichkeit gegeben, in einem längeren Interview meine bildungspolitischen Vorstellungen zu präsentieren: „Diktatur von ein paar Gewerkschaftsvertretern!“

Daraufhin gab es viele Postings und eine heftige spannende Diskussion. Etwa über den Satz: „Ich halte die Klassenschülerhöchstzahl von 25 etwa in bestimmten Oberstufenklassen für durchaus überschreitbar.“ Das hat zu heftigen Reaktionen geführt – weil viele den Satz nicht genau gelesen haben oder nicht genau lesen wollten.

Natürlich bin ich nicht für eine Erhöhung der Klassenschülerhöchstzahl und auch den guten alten Frontalunterricht möchte ich nicht generell wieder einführen. Aber: Speziell in einem modularen System an der Oberstufe ist der Frontalunterricht EINE Unterrichtsform, die durchaus AUCH ihre Berechtigung hat. In einer Zeit, in der Jugendliche in Film, Fernsehen etc. mit Reizen überflutet werden, ist Zuhören zudem eine wichtige Fähigkeit, die wir in der Schule AUCH vermitteln müssen. Das sollte nicht unterschätzt werden. Dabei geht es nicht um die Vermittlung von Herrschaftsgeschichte etc., sondern um den Versuch, ein „Bild“ von Geschichte oder schlicht Fakten zu vermitteln, auch unterschiedliche Sichtweisen zu referieren etc.

Und zur Klassenschülerhöchstzahl: Eine Überschreitung kann ich mir ausschließlich in der Sekundarstufe II bei einem Modulsystem für bestimmte Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt Wissensvermittlung vorstellen. Das funktioniert in Finnland bestens und auch aus Holland habe ich sehr positive Berichte bekommen: Als EINE Möglichkeit funktioniert es in der Oberstufe und ist eine Vorbereitung für die Uni.

17. August 2009

Landeshauptleute betreiben Provinzialisierung des Schulsystems

2009-08-17T10:50:00+02:0017.08.09, 10:50 |Kategorien: Bildung|

Im „Kurier“ gibt heute Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl als Vorsitzender der Landeshauptleute-Konferenz ein bemerkenswertes Statement. Er wendet sich gegen den Plan seiner Parteikollegin Claudia Schmied und möchte, dass „alle Bildungskompetenzen in einer Bildungsdirektion des Landes zusammengeführt werden“ und „die Schule in die Obhut der Länder“ kommt.

Das wäre gleichbedeutend mit einer weiteren Provinzialisierung des Schulsystems und somit eine gefährliche Drohung für den Bildungsstandort Österreich. Statt für die dringend notwendige gemeinsame Schule der 6- bis 14-Jährigen nach finnischem Vorbild kämpfen jetzt anscheinend auch SPÖ-Landeshauptleute nur noch um eine Ausdehnung ihres Machtbereichs im Schulwesen. Auf der Strecke bleiben die Kinder und unser Schulsystem. Ein kleines Land wie Österreich kann sich nicht neun verschiedene Schulsysteme leisten.

Mein Vorschlag: Wir benötigen zur Qualitätssicherung unbedingt zentral vorgegebene und überprüfbare Standards, sodass Abschlusszeugnisse österreichweit vergleichbar werde. Gleichzeitig braucht es mehr Schulautonomie, damit Schulen selbst auf die unterschiedlichen Herausforderungen – etwa durch Kinder mit Migrationshintergrund – reagieren könne. An den Schulen kennt man die Probleme nämlich am besten. Zur Qualitätssicherung muss aber die externe Evaluierungen von Schulen und Lehrkräften sichergestellt werden.

Eine solche Reform und die gemeinsame Schule der 6- bis 14-Jährigen sind aus Gründen der Gerechtigkeit ebenso notwendig wie aus volkswirtschaftlichen Gründen, denn derzeit bleiben bei uns viel zu viele Begabungen unentdeckt.

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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