28. April 2009

Vorarlberger Bildungsforscher ausgezeichnet!

2009-04-28T08:16:00+02:0028.04.09, 8:16 |Kategorien: Bildung|

Es gibt auch positive Beipiele für Stiftungen. Da ist nicht die Vermögensmaximierung, sondern ein gesellschaftlicher Fortschritt der Stiftungszweck: Die Köck Privatstiftung ist so ein Beispiel. Sie unterstützt seit mehr als 10 Jahren Projekte im Bereich der Schulreform und der kindgemäßen Pädagogik. Prämiert werden Arbeiten, die das Wissen über kindgemäße Pädagogik wesentlich erweitern und bereichern bzw. die Effektivität reformpädagogischer Konzepte im Vergleich zur Regelschule evaluieren.

Gestern wurden im Unterrichtsministerium die drei Wissenschaftspreise für kindgemäße Pädagogik vergeben und von BM Claudia Schmied überreicht. Was mich natürlich besonders gefreut hat: Der 1. Preis ging an Dr. Christian Bertsch, einen aus Rankweil stammenden Lehrer. Er unterrichtet in der Rahlgasse und hat eine Dissertation zum Thema „Forschend-begründendes Lernen im naturwissenschaftlichen Unterricht geschrieben“. Das ist ja – wie wir spätestens seit PISA wissen – ein Bereich, in dem wir in Österreich sehr viel Nachholbedarf haben, weil gerade im naturwissenschaftlichen Unterricht (zu) viel auf die Vermittlung von reproduzierbarem Faktenwissen geschaut wird.

Herzliche Gratulation!

25. April 2009

Religion oder Ethik in der Schule?

2009-04-25T15:01:00+02:0025.04.09, 15:01 |Kategorien: Bildung|

In Berlin sind morgen 2,4 Millionen Menschen aufgerufen, darüber zu entscheiden. Soll Religion als Wahlpflichtfach eingeführt werden oder soll es beim gemeinsamen Ethikunterricht für alle bleiben? Der konfessionelle Religionsunterricht wäre in diesem Fall als freiwilliges Zusatzangebot vorgesehen. Die Auseinandersetzung um diese Frage wurde erbittert geführt.

Interessant erscheint mir, dass es keineswegs klare Fronten gab: hier die Religiösen, da die Atheisten und Agnostiker. Der Berliner Pfarrer Stephan Frielinghaus beispielsweise meinte zurecht, er wolle nicht, dass MigrantInnen nur aus der Sicht des Islam etwas über Homosexualität erfahren. Und katholische Kinder sollten nicht nur im katholischen Religionsunterricht etwas über Abtreibungen hören. Doch dann verstummte der Geistliche ganz plötzlich – wie der „Spiegel“ berichtet offenbar auf Druck von oben.

Der Pfarrer trat dafür ein, dass Ethik als Pflichtfach für alle SchülerInnen verbindlich bleibt und Religion als freiwilliges Zusatzangebot vorgesehen ist. Er liegt damit genau auf der Linie, die ich auch vertrete.

Und um gleich ein Argument zu entkräften: Nein, es wird keine arbeitslosen ReligionslehrerInnen geben. Denn zum einen brauchen wir sie nach wie vor für den konfessionellen Religionsunterricht, zum anderen unterrichten viele von ihnen ihr Fach heute schon ohne ideologische oder religiöse Scheuklappen im Sinne eines modernen „Religions- und Ethikunterrichts“. Sie können natürlich problemlos auch das neue Fach unterrichten.

Der konfessionelle Religionsunterricht ist heute an vielen Schulen nur mehr schwer zu organisieren, weil SchülerInnen sehr unterschiedlichen Konfessionen angehören und es sehr hohe Abmeldezahlen gibt. In Wien beispielsweise gehört nicht einmal mehr die Hälfte der Bevölkerung der katholischen Kirche an, Menschen ohne Bekenntnis sind bereits die zweitstärkste Gruppe. Der Staat hat auch bei uns Handlungsbedarf.

Die Zielsetzungen des Ethikunterrichts sind klar definiert: „Der Ethikunterricht orientiert sich an den aus der Aufklärung hervorgegangenen Grund- und Menschenrechten, auf denen auch die österreichische Bundesverfassung und unser Bildungswesen basieren. Er ist daher weder wertneutral noch wertrelativistisch, ohne aber einer bestimmten Weltanschauung verpflichtet zu sein. Er versteht sich nicht als Kompensationsfach für gesellschaftliche Probleme und Defizite, sondern unterstützt Schülerinnen und Schüler, in Fragen von Weltanschauungen, Werten und Normen zu differenzierten Beurteilungen und Handlungsmodellen zu gelangen.“

21. April 2009

Der Berg kreißte und eine Maus ward geboren!

2009-04-21T14:52:00+02:0021.04.09, 14:52 |Kategorien: Bildung|

Mäßige Vorstellung der Regierung heute im Parlament. Ministerin Claudia Schmied verteidigte brav den von Faymann und Pröll aufgezwungenen „Kompromiss“ mit der Gewerkschaft, der LehrerInnen viel abverlangt und nichts Zukunftsweisendes beinhaltet: Von Ansätzen einer Bildungsreform ist weit und breit nichts zu erkennen.

Schulden werden von einem Topf in den anderen verschoben, zum x-ten Mal wird ein neues LehrerInnen-Dienstrecht versprochen. In den vergangenen Wochen hat die Ministerin durch die Geldbeschaffungsaktion viel Porzellan zerschlagen und die LehrerInnen demotiviert.

Nur um es in Erinnerung zu rufen: Es geht um unsere Kinder!

Es bräuchte in dieser Situation Visionen für eine zukunftsorientierte Bildungspolitik. Wir brauchen eine Schule, die Neugierde weckt, Fragen stellt und nicht vorgekaute Antworten abprüft, einen Ort der Auseinandersetzung, an dem Fehlermachen Chance zum Lernen, Kinder je nach Begabung individuell gefördert und diese genügend Zeit zur Entwicklung haben, an dem sie (auch) im Team lernen, an dem man sie nicht schon im Alter von zehn Jahren in angeblich Begabte und weniger Begabte sortiert und ihnen ein falsches Elitedenken vermittelt wird.

Und was haben wir?

Viel Druck schon auf VolksschülerInnen und ein Jahr für Jahr massiveres Nachhilfeunwesen. Getan wird wenig dagegen: Nur 20 der SchülerInnen mit Leseschwächen werden durch LesespezialistInnen unterstützt, im europäische Durchschnitt sind es mit 44 mehr als doppelt soviel. In fast 50 der Klassen mit RisikoschülerInnen gibt es überhaupt keine zusätzliche Förderung. Kinder aus begüterten Familien tauchen da dank der finanziellen Möglichkeiten ihrer Eltern durch – die anderen sehen durch die Finger.

Schule ist eine Organisation, in der gut ausgebildete ExpertInnen in einer dummen Organisation arbeiten, hieß es heute von Seiten einer Expertin, die Schule ist ungerecht und ineffizient, bringt schlechte Ergebnisse und frustriert alle Beteiligten – Kinder, LehrerInnen und Eltern.

Das ist das Problem – und über dieses zentrale Problem wurde heute im Parlament viel zuwenig diskutiert. Das Resümee nach fast zwei Monaten sogenannter Bildungsdiskussion: Der Berg kreißte und eine Maus ward geboren!

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

Hier erfahren sie mehr…

Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


Zur Seite des Parlaments…

Downloads