8. September 2016

Bildung: Regierung hat viel versprochen, fast alles gebrochen!

2016-09-08T12:26:36+02:0008.09.16, 11:12 |Kategorien: Bildung|Tags: , , |

hammerschmidWir erinnern uns: Mit großem Getöse ist die Regierung unter Werner Faymann und Michael Spindelegger 2013 angetreten und hat zusammen mit Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek als einen Schwerpunkt eine Bildungsreform angekündigt. Inzwischen sind fast drei Jahre vergangen, die genannten Hauptakteure und die Hauptaketeurin sind Geschichte und von der im Regierungsprogramm angekündigten Bildungsreform ist wenig zu sehen: Von den 23 Maßnahmen sind zwei überwiegend, neun teilweise und 12 nicht umgesetzt.

Am 17. November verkündeten Ex-Ministerin Heinisch-Hosek und Staatssekretär Mahrer euphorisch die Einigung auf die Eckpunkte der Bildungsreform. Wenig später begannen die Verhandlungen wieder von vorne, beschlossen wurden zu Sommerbeginn von den 22 Maßnahmen mit Hängen und Würgen gerade einmal fünf.

Mit Bundeskanzler Christian Kern sollte ein „New Deal“ kommen: „Ich will in einem Land leben, in dem alle Kinder dieselben Chancen haben, unabhängig davon, wo sie wohnen und wer ihre Eltern sind.“ Neo-Bildungsministerin Sonja Hammerschmid zitierte Kern gleich mehrfach und fügte an: „Ich komme aus der Wissenschaft, Sie haben es vielleicht vernommen, ich handle gerne faktenbasiert, indikatoren- und kennzahlenbasiert als Grundlage für die Weiterentwicklung des Systems, und das will ich auch in der Folge tun: Ich möchte evidenzbasierte Bildungspolitik betreiben.“ 

Die evidenzbasierten Empfehlungen liegen auf dem Tisch: Die OECD empfiehlt Österreich u.a. eine Reform der Schulverwaltung, eine gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen und einen Ausbau der verschränkten Ganztagsschule. Im Nationalen Bildungsbericht ist zu lesen: „Verringerung institutionell induzierter Segregation: Unter dem Anspruch der optimalen Forderung und Förderung aller Schüler/innen sollten ungünstige Zusammensetzungen von Schülerinnen und Schülern aufgrund von Selektionen vermieden und Bildungswege für alle Schüler/innen möglichst lange offen gehalten werden.“ Der Rechnungshof schreibt: „Der RH, das WIFO, das IHS und das KDZ erachten eine grundlegende Reform der Organisations- und Verwaltungsstrukturen des österreichischen Schulwesens als erforderlich. Aufgaben-, Ausgaben- und Finanzierungsverantwortung sowie interne Kontrolle der Schulgebarung in einer Hand.“

Ministerin Hammerschmid betonte noch im Mai in einer Presseaussendung und auch in Interviews, die Wichtigkeit, Brennpunktschulen mit mehr Ressourcen nach einem „Chancenindex“ auszustatten. Kanzler Kern sekundierte ihr am SPÖ-Parteitag im Juni: „Wir haben ein Konzept ausgearbeitet und beschlussreif, wo es darum geht, dass Schulen mit Kindern aus sozial schwierigen Verhältnissen mit mehr Mitteln ausgestattet werden.“

Und was ist nun davon geblieben? „Themen wie Gemeinsame Schule oder Verwaltungsreform stehen auf ihrer Prioritätenliste dagegen ganz weit unten.“ (Kurier 4.9.2016) Der „Chancenindex“ findet gleich gar keine Erwähnung mehr. So aber stelle ich mir weder den Weg zu einem gerechteren Schulsystem, in dem alle Kinder die gleichen Chancen haben vor, noch sehe ich die Umsetzung von zentralen Empfehlungen aus einer faktenbasierten Bildungspolitik. Nach nur 100 Tagen im Amt so umzufallen, ist vermutlich bisher auch nur wenigen gelungen.

Heute habe ich zusammen mit Eva Glawischnig die Versprechungen der Regierung in einer Pressekonferenz eingemahnt.

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25. August 2016

Mein Rat an Erwin Enzinger: Den Mund halten!

2016-08-26T07:07:53+02:0025.08.16, 16:29 |Kategorien: Bildung, Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , , |

kronenzeitung_flachgauDass Kinder bewusst zur Hetze missbraucht werden, dass auch auf sie gnadenlos dumpfer Rassismus und abscheulichste verbale Gewalt herunterprasseln, mussten wir in der letzten Zeit immer öfter zur Kenntnis nehmen. In Diskussion steht nun eine Volksschule im Flachgau, die Integrationsarbeit im allerbesten Sinn geleistet hat: Um die Kinder spielerisch mit Kultur und Sprache des neuen Mitschülers aus Syrien vertraut zu machen, ergriffen die Lehrerinnen die Chance und luden den musizierenden Vater des syrischen Buben aus der Taferlklasse ein, der mit den Kindern ein arabisches Lied und einen Tanz einstudierte. Dazu gab’s noch ein paar Schnupperlektionen in arabischen Schriftzeichen. Und wer schreit? Der Salzburger FPÖ-Gemeinderat Erwin Enzinger, und die Kronen Zeitung macht sich zu dessen Sprachrohr.

„Statt dem beliebten ‚Alle Vöglein sind schon da’ trällerte der Kinderchor ‚Tik tik ya em slaiman’ – und das mitten in Österreich.“ (Kronen Zeitung)

Die an der Skandalisierung Beteiligten übten sich auch noch in der Beurteilung, was dem kindlichen Spracherwerb angeblich zuträglich ist und was nicht: „’Bei kleinen Kindern, die noch nicht einmal richtig unsere Sprache beherrschen, ist es vollkommen übertrieben, ihnen schon die arabische Sprache beibringen zu wollen’, sagt Enzinger gegenüber der ‚Krone’ kritisch.“ Nun, die Fachwelt beurteilt das deutlich anders als Herr Enzinger. Aber was zählen schon ExpertInnen, wenn wir die FPÖ und die Kronen Zeitung haben? Sibylle Hamann hat darauf die richtige Antwort gefunden. Ihr gebührt mein Dank für ihren wunderbaren Kommentar.

enzinger_posting

Erwin Enzingers „Expertise“ liegt eher nicht in der Beherrschung seiner Muttersprache – geschenkt! Aber sie könnte an anderen Dingen festgemacht werden: Im letzten Herbst fiel er auf, weil er auf Facebook das Foto eines Sturmgewehrs mit dem lapidaren Text „Mein Samstagseinkauf. Sicher ist Sicher“ gepostet hatte. Was er mit der Waffe vorhat, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass er keinerlei Berührungsängste mit Rechtsextremen und Neonazis zu haben scheint. Denn zwei Monate nach dem Kauf des Sturmgewehrs posierte Enzinger bei einer einschlägigen Kundgebung auf dem Wiener Deserteursdenkmal. Da, in brauner Gesellschaft, gegen die es Anzeigen wegen Verstöße gegen das Verbotsgesetz hagelte, fühlt er sich sichtlich wohl. Mein Rat an Enzinger: Seinen Mund sollte er wenigstens in pädagogischen Angelegenheiten besser nicht mehr aufmachen!

© Twitter @rechtsdrall

© Twitter @rechtsdrall

 

P.S.: An „Jedermann“ aus der Salzburger Kronen Zeitung: Dass die sowjetische Armee „völlig sinnlos“ für die Befreiung Wiens vom Nationalsozialismus im Jahr 1945 gekämpft hat, ist auch eine durchaus bemerkenswerte Formulierung.

19. August 2016

Schulspinde: Eltern werden zur Kasse gebeten

2016-08-19T08:35:55+02:0019.08.16, 8:35 |Kategorien: Bildung|Tags: , , |

UPECOAls ehemaliger Direktor eines großen Gymnasiums weiß ich das: Die Anschaffung von Schulspinden schlägt ein ordentliches Loch ins Schulbudget. Nie jedoch wäre ich auf die Idee gekommen, eine Anschaffung auf Kosten der SchülerInnen bzw. deren Eltern zu tätigen. Schulmobiliar ist vom Schulerhalter zu stellen. Punkt!

Umso überraschter war ich, als ich von einem sehr eigenartigen Geschäftsmodell erfahren habe: Die österreichische Firma UPECO vermietet Schulspinde – dagegen ist auf den ersten Blick nichts einzuwenden. Allerdings erhält die Schule nichts dafür, obwohl die Firma die Spinde dann an die SchülerInnen – wohl gewinnbringend – vermietet. Vertragspartner der SchülerInnen (bzw. von deren Erziehungsberechtigten) ist somit auch nicht die Schule, sondern die Firma UPECO.

Ich habe nun genauer recherchiert und bin aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen: SchülerInnen oder deren Eltern melden sich auf der Website von UPECO an. Informationen über die Höhe der Miete gibt es erst im Laufe des Anmeldevorgangs. Warum, habe ich erst bei meiner Scheinanmeldung begriffen, denn die Preise sind schulweise unterschiedlich. Eine Erklärung dafür gibt es nicht. Zudem erfolgt die Online-Anmeldung ohne vorhergehenden Hinweis über Umleitung auf eine externe Seite: „www.schließfächer.de“ ist eine Website der Firma Mietra, die laut Impressum im Eigentum der Fa. „Schließfachanlagen Gerold Trautner e.K., Am Riff 1a, DE – 04651 Bad Lausick“ steht und dasselbe Geschäftsmodell für Deutschland betreibt. Hier sind dann die Daten der SchülerInnen (und der Erziehungsberechtigten) samt Angabe von Klasse, Adresse und Kontonummer zu hinterlegen. Geschäftsbedingungen oder ein Hinweis auf die Datenschutzrichtlinien sucht man auf der Website der Firma UPECO vergeblich. (Die Miete für die Spinde ist in Deutschland übrigens deutlich billiger als in Österreich.)

Ich habe nun eine Anfrage an die Unterrichtsministerin gerichtet und der Kurier hat ebendort nachgefragt. Die Antworten aus dem Ministerium sind bemerkenswert:

„Laut der Sprecherin der Bildungsministerin Sonja Hammerschmied wusste man bisher nichts von den Mietverträgen mit Fremdfirmen – im Gegenteil: Eigentlich gibt es ein Budget, das den Schulen für Mobiliar wie Spinde zur Verfügung steht. Wohin das dafür vorgesehene Geld stattdessen fließt, ist unklar. Nun will das Ministerium schnell reagieren: ‚Wir werden das Thema jetzt gemeinsam mit den zuständigen Landesschulräten klären’, sagt die Sprecherin von Hammerschmied. Juristen seien bereits eingeschaltet, um die rechtliche Lage zu klären. Dies sei aber schwierig, da das Ministerium bei Pflichtschulen nicht der Schulerhalter sei und es deshalb je nach Bundesland unterschiedliche Regelungen gibt.“

Wie bitte? Ein Geschäftsmodell, das es offensichtlich seit Jahren an inzwischen sehr vielen Schulstandorten gibt, das, wie ich rausgefunden habe, vom Wiener Stadtschulrat explizit empfohlen wurde, ist im Bildungsministerium nicht bekannt? Die Eltern werden für Schulmobiliar zur Kasse gebeten, ohne dass das Ministerium davon Kenntnis hat, obwohl sich dagegen bereits vor zwei Jahren zumindest in Wien eine Elterninitiative (siehe Foto!) gebildet hat? Und das Ministerium weiß nicht, wohin das für Schulmobiliar vorgesehene Geld tatsächlich fließt?

Erklärungsbedarf ist gegeben, auf die Antworten bin ich nun gespannt. Eines ist für mich klar: Am Ende hat zu stehen, dass die Spinde für alle SchülerInnen kostenlos sein müssen!

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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