5. Oktober 2016

Schulsystem: „Wer nicht mitkommt, fliegt eben raus“

2016-10-08T09:34:58+02:0005.10.16, 9:17 |Kategorien: Bildung, Gesellschaft, Integration|Tags: |

Bildung_Kind_ChancengerechtigkeitWas bleibt einer aufgeschlossenen, intelligenten und sprachgewaltigen Frau in Erinnerung, wenn sie ihre Erfahrungen mit dem österreichischen Schulsystem zusammenfasst? Wenig Positives. „Die Erkenntnis, was so ein Bildungssystem wirklich leistet: eine Gesellschaft formen, indem sie den Menschen ihre Plätze zuteilt. Und zwar institutionalisiert und diskriminierend.“

Ich spreche von der  Schrifstellerin Stefanie Sargnagel, die ihre Schulerfahrungen in einem kurzen, aber berührenden Essay auf den Punkt gebracht hat: „Wer nicht mitkommt, fliegt eben raus“

Sie schildert in beeindruckenden Worten ihre Kindheit und Schulzeit in Wien, das Leben in einem Wiener Altbau, den Kontakt mit der gleichaltrigen Nachbarin Hülya und die folgenden Erfahrungen mit Diskriminierung im Schulsystem.

Sargnagels Text und individuelle Erfahrung wird bestätigt durch die Forschung. In Sachen Bildungsmobilität (gemeint sind die Aufstiegschancen von Kindern) liegt Österreich weit hinten: Nur 17 Prozent der Mädchen (18% der Buben) beispielsweise erlangen einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern, in Finnland sind es 58 Prozent (Buben 36%), im OECD-Durchschnitt 44 bzw. 34 Prozent. Das betrifft alle Kinder, jene mit Migrationshintergrund haben es doppelt schwer.

Was mir noch wichtig ist: Ich weiß aus eigener Lehrererfahrung, wie chancenlos man/frau in der Schule auch bei großem Engagement ist, um diesem Trend und der Kraft des Faktischen entgegenzuwirken. Wir haben in unserem Bildungssystem nämlich durch die viel zu frühe Trennung der Kinder ein Strukturproblem.

26. September 2016

Kindergarten: Es braucht mehr Plätze und mehr Qualität!

2016-09-23T10:13:24+02:0026.09.16, 9:38 |Kategorien: Bildung, Gesellschaft|Tags: |

Bildung_Kind.jpgAlljährlich zeigt uns die Statistik Austria in Zahlen, welche Folgen der Föderalismus für Krippen und Kindergärten in Österreich hat. Kurz gesagt: jedes Bundesland macht, was es für richtig hält. Ob das im Interesse der Kinder, PädagogInnen und Eltern ist, bezweifle ich stark. Wie viele Krippenplätze es gibt, wie lange täglich geöffnet ist, und wie viele Kinder in einer Gruppe sind, entscheidet letztlich die Postleitzahl.

Aktuell haben österreichweit 25,5% der unter 3-Jährigen einen Krippenplatz. Wer Tageseltern hinzuzählt, kommt auf 27,4%. Das heißt: nicht einmal jedes dritte Kind hat aktuell einen Betreuungs- oder Bildungsplatz. Einige Bundesländer haben ihr Angebot für unter 3-Jährige in den letzten Jahren massiv ausgeweitet (Bsp.: Wien 45,1%, Burgenland 30,5%). In anderen Bundesländern ist es für Eltern nach wie vor ein Glücksfall, wenn sie einen Krippenplatz für ihr Kind finden (Bsp.: Steiermark 13,4%, Oberösterreich 14,5%). Hier zudem die Kindertagesheimstatistik 2015/2016.

Für berufstätige Eltern sind Öffnungszeiten und Schließtage ein leidiges Thema. Ein Kindergarten hat in Österreich im Jahr 2015/2016 im Durchschnitt 32 Betriebstage pro Jahr geschlossen. Im Westen ist die Situation noch schlimmer: Tirol hat 44 Schließtage, in meinem Heimatbundesland Vorarlberg sind es noch immer 41 Schließtage (immerhin mit positiver Tendenz, denn im Vorjahr waren es noch 54). Ein/e ArbeitnehmerIn hat aber nur 25 Tage Urlaub pro Jahr. Eine Familie in Tirol kann die vielen Schließtage nicht einmal überwinden, wenn es die Urlaubstage abwechselnd aufbraucht.

Der Handlungsauftrag für die Regierung ist daher klar:

  • Der Ausbau von Krippen und Kindergärten muss zügig vorangetrieben werden. Der Bund muss Länder und Gemeinden auch in den nächsten Jahren finanziell dabei unterstützen.
  • Langfristig brauchen wir einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ab dem 1. Geburtstag. Ich fordere Ministerin Karmasin dazu auf, einen Stufenplan zur Umsetzung vorzulegen. Denn ein Rechtsanspruch kann nicht von heute auf morgen eingeführt werden.
  • Wir brauchen mehr Plätze, aber auch mehr Qualität. Der elementare Bildungsbereich braucht bundesweit einheitliche Mindeststandards (Gruppengröße, PädagogInnen-Kind-Schlüssel, Öffnungszeiten etc.). Die Qualität entscheidet darüber, ob Kinder vom Kindergartenbesuch profitieren können. Eine Verringerung des PädagogInnen-Kind-Schlüssels ist dafür ebenso wichtig, wie eine höhere Qualifizierung des pädagogischen Personals.
  • Ein mehrjähriger Kindergartenbesuch stärkt – das bestätigt erneut die OECD-Studie – Bildungschancen. Das zweite Kindergartenjahr muss endlich kommen!

Wir brauchen zudem einen Rechtsanspruch von Eltern für die Betreuung ihres vorschulischen Kindes, das Herumeiern der zuständigen Ministerin Sophie Karmasin zum Rechtsanspruch ist nicht zu akzeptieren. Ich habe dazu deutlich Stellung bezogen, denn wenn die Regierung ihre Versprechungen ernst meint, braucht es für die Umsetzung einen konkreten und seriösen Stufenplan.

16. September 2016

Bildung ist sauteuer, aber sie wirkt!

2016-09-16T11:34:00+02:0016.09.16, 11:24 |Kategorien: Bildung|Tags: |

BildungsrevolutionDer OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2016“ wurde gestern präsentiert. Nicht neue Erkenntnis: Das österreichische Bildungssystem ist unverhältnismäßig teuer, der Output verbesserungsfähig.

Gemessen an der Wirtschaftsleistung sind die Bildungsausgaben in Österreich (5% des BIP) allerdings unter dem OECD-Durchschnitt (5,2%). Wenn Österreich also bereit ist, 1,7 Mrd. in die militärische Landesverteidigung zu investieren, warum geht das bei der Bildung nicht? Doskozil investiert 1,7 Mrd. € in das Heer, Heinisch-Hosek fehlen 550 Mio. € im Schulbudget.

Es braucht Investitionen an der richtigen Stelle:

Ein Ergebnis ist für mich auch klar: Wir müssen konsequent gegen die schleichende Privatisierung des Bildungswesens auftreten.

  • Generell zahlen Eltern kräftig für die Bildung ihrer Sprösslinge. Die Arbeiterkammer hat erst kürzlich eine Studie präsentiert, mit der die Ausgaben der Eltern für die Schule untersucht wurden. Bis zu 1.300 € fallen da an – für Zirkel, Taschenrechner, Schikurse, Klassenkasse, Kopiergeld, Turnschuhe, Spindmiete …
  • Von den oft hohen Kosten für Nachhilfe möchte ich gar nicht sprechen.

Ein Wort noch zu den von der OECD diagnostizierten überdurchschnittlich teuren österreichischen  LehrerInnen, die als Kostentreiber angeprangert dwerden. Schuld ist einerseits das überdurchschnittlich hohe Alter, andererseits die in höheren Schule vergleichsweise geringe Unterrichtsleistung. Eine weitgehende Befreiung von Verwaltungstätigkeiten und der moderate Einsatz von Verwaltungsbediensteten wären sinnvoll.

An den hohen Ausgaben für Lehrkräfte wird sich in den nächsten Jahren nichts ändern. Die vielen Lehrkräfte über 50 Jahre werden ihre hohen Gehälter noch einige Jahre weiter erhalten und mit dem neuen LehrerInnendienstrecht sind auch die Einstiegsgehälter vor allem im Pflichtschulbereich deutlich gestiegen. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Studie gibt es hier.

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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