17. Juli 2026

Sicherheitsrisiko FPÖ?

2026-07-17T11:10:26+02:0017.07.26, 11:09 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|

WĂ€hrend in Deutschland darĂŒber diskutiert wird, ob die AfD wegen ihrer politischen Ausrichtung und Praxis verboten werden soll oder muss, hat sich deren Schwesterpartei FPÖ in den heimischen Machtstrukturen fest etabliert und arbeitet an der „Zerstörung des Systems“ – so jedenfalls Bundeskanzler Christian Stocker. Interessanterweise stört ihn nicht, dass die Partei in fĂŒnf Landesregierungen mit seiner ÖVP koaliert. Unter ganau diesem Titel habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar verfasst:

Wie gefĂ€hrdet ist unsere Demokratie? Polen und Ungarn waren schließlich schon sehr nahe dran an der Etablierung autoritĂ€rer Strukturen. Nur die Allianz von konservativen und linken KrĂ€ften hat in beiden LĂ€ndern einen Turnaround eingeleitet.

Und Österreich? Hier schafft es die FPÖ regelmĂ€ĂŸig, die Grenzen zwischen rechtsextrem und konservativ zu verwischen. Allein im freiheitlichen Parlamentsklub wird und wurden viele Personen aus dem Umfeld der rechtsextremen „IdentitĂ€ren Bewegung“ beschĂ€ftigt. Auch Vorarlberg ist betroffen. Der Verfassungsschutz sieht darin ein Sicherheitsrisiko.

NationalratsprĂ€sident Walter Rosenkranz und der FPÖ-Klubdirektor sehen das anders und haben in den vergangenen Monaten diese Anstellungen verteidigt, von „lupenreinen Demokraten“ gesprochen, aber zugegeben: „Risiko gibt es ĂŒberall.“ Eine ÜberprĂŒfung der Mitarbeiter wurde abgelehnt.

Immerhin kann der Verfassungsschutz seinen Aufgaben inzwischen wieder nachgehen. Es war Herbert Kickl, der ihm in seiner Amtszeit als Innenminister durch Razzien massiven Schaden zugefĂŒgt hat. Westliche Geheimdienste trauten Österreich nicht mehr und schrĂ€nkten Zusammenarbeit und Informationsaustausch massiv ein. Sicherheitsrisiko FPÖ? Die Frage ist mehr als nur berechtigt, wenn man die zahlreichen Verflechtungen zwischen FPÖ und IdentitĂ€ren betrachtet.

Zunehmend war zuletzt bei Auftritten von FPÖ-Mitarbeitern auch Gewalt im Spiel. Die Plattform „Stoppt die Rechten“ hat ein Video veröffentlicht, das eine brutale Attacke des inzwischen Ex-Sprechers der Wiener IdentitĂ€ren auf einen Passanten direkt vor dem Parlament zeigt. Mit dabei ein – seither ehemaliger – FPÖ-Mitarbeiter. Als vor zwei Wochen in Leoben ein Taxifahrer brutal verprĂŒgelt wurde, weil er „Sieg Heil“-Rufe in seinem Auto nicht dulden wollte, waren die TatverdĂ€chtigen ebenfalls IdentitĂ€re und ein FPÖ-Parlamentsmitarbeiter.

An der zunehmenden RadikalitĂ€t der Partei wird sich wohl auch in Zukunft nichts Ă€ndern: Der wegen NS-WiederbetĂ€tigung zu einem Jahr bedingter Haft verurteilte RenĂ© Schimanek, Ex-BĂŒroleiter von NationalratsprĂ€sident Walter Rosenkranz, ist inzwischen beim FPÖ-Bildungsinstitut tĂ€tig. Welche „Bildung“ er da wohl vermittelt?!
Auf Bundesebene warnt Bundeskanzler Christian Stocker vor einer „Republik in TrĂŒmmern“. Die FPÖ wolle die „Zerstörung des Systems“, ihre Sprache sei von „VerĂ€chtlichmachung und HerabwĂŒrdigung“ geprĂ€gt. Angesichts der Geschichte wisse man, „wohin das fĂŒhrt“.

Sein ÖVP-Parteikollege Markus Wallner ist leider weniger beunruhigt. Er sitzt mit diesen „Zerstörern“ in einer Koalition. Es wĂ€re an der Zeit fĂŒr – zumindest – deutliche Worte, beschĂ€ftigt laut „Standard“ doch auch der Vorarlberger Nationalratsabgeordnete Manuel Litzke einen IdentitĂ€ren!

3. Juli 2026

Hilfe fĂŒr Herbert Kickl!

2026-07-03T12:22:12+02:0003.07.26, 12:06 |Kategorien: Allgemein, Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , |

Herbert Kickl ist kein Nazi, seine Sprache bereitet der extremen Rechten aber den BodenHerbert Kickl weiß nicht, warum das Wort „Remigration“ „so böse sein soll“. Ihm kann geholfen werden. Er ist kein Nazi, seine Sprache bereitet der extremen Rechten aber den Boden. Unter dem Titel „Vergiftete Sprache“ habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar geschrieben:

Remigration? „Ich weiß nicht, was an diesem Wort so böse sein soll“, meint FPÖ-Chef Herbert Kickl. Seine Partei bewirbt den Begriff in einem KI-generierten Video als „Sommerhit“: „Airbert One – Der Remigrationssong“. Mit dabei ist eine ebenso typische wie unappetitliche kalkulierte Provokation. In Anlehnung an Leopold Figls berĂŒhmten Satz nach Unterzeichnung des Staatsvertrags heißt es bei Kickl: „Remigration – tschĂŒss, tschĂŒss, tschĂŒss. Österreich ist frei!“

Herr Kickl weiß natĂŒrlich, was am Begriff „böse“ ist. Er kennt den Verfassungsschutzbericht aus seinem ehemaligen Ministerium. Dort heißt es, der Begriff sei „völkisch aufgeladen“ und bedeute, dass neben Asylsuchenden auch „nicht assimilierte StaatsbĂŒrgerinnen und StaatsbĂŒrger zwangsweise außer Landes gebracht werden sollen“. Massendeportationen also. Auch das deutsche Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz sieht das so. Der Begriff sei „menschenwĂŒrdewidrig“ und stelle auf „die Ausweisung aller ‚Volksfremden‘ ab“.
Martin Sellner, Chef der rechtsextremen IdentitĂ€ren, hat den Begriff verbreitet. Er will millionenfache Massenabschiebungen aus Deutschland und Österreich. Und er hat enge VerbĂŒndete in der FPÖ. Laut „profil“ marschieren die „FPÖ und der Rechtsextremist Martin Sellner“ diesbezĂŒglich „politisch im Gleichschritt“.
Und sie sind erfolgreich. Wie weit der politische Diskurs in Österreich inzwischen nach Rechtsaußen verschoben worden ist, zeigt die Tatsache, dass „Remigration“ sogar Schwesterparteien der FPÖ wie dem „Rassemblement National“ in Frankreich zu extrem und „mit unseren GrundsĂ€tzen unvereinbar“ ist, so Parteichef Jordan Bardella.

Wir erleben in Österreich seit Jahren, dass Unsagbares sagbar wird, dass menschenverachtende AusdrĂŒcke in die Alltagssprache ĂŒbernommen werden. Wer Macht ĂŒber die Sprache hat, der prĂ€gt das Denken der Menschen. Dem spĂ€teren Propagandaminister Joseph Goebbels ist es schon vor der NS-MachtĂŒbernahme perfekt gelungen, Sprache als politische Waffe zu gebrauchen und Gruppen von Menschen auszugrenzen. Das Resultat ist bekannt. Auch die derzeitigen Kriege werden begleitet von einem Krieg der Worte.

In der Demokratie können und mĂŒssen wir uns gegen die schleichende Vergiftung unserer Sprache mit gefĂ€hrlichen Begriffen wehren. In Diktaturen ist das nicht mehr möglich.

Dass ausgerechnet Innenminister Gerhard Karner einen Ă€hnlich gefĂ€hrlichen Begriff der Rechtsextremen aufgreift, ist bedenklich. Noch bedenklicher ist allerdings, dass dies in der politischen Diskussion in Österreich kaum thematisiert wird. In der ORF-Pressestunde hat er die Asylstatistik prĂ€sentiert und den FPÖ-Begriff „Minuszuwanderung“ verwendet. Das ist Wasser auf die MĂŒhlen der Rechtsextremen. Er mĂŒsste eigentlich wissen, dass Asyl ein Grundrecht fĂŒr gefĂ€hrdete Menschen ist und keine Zuwanderung.

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13. Februar 2026

Der nÀchste blau-braune Einzelfall!

2026-02-12T15:30:24+01:0013.02.26, 8:11 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , |

Der FPÖ-VizeprĂ€sident des Vorarlberger Landtags relativiert in einer vorbereiteten und vom Blatt gelesenen Rede den Holocaust durch seinen Vergleich mit den „Appenzeller Kriegen“ oder Vergewaltigungen durch „marokkanische Soldaten“. Solche Skandale kennen wir leider seit langem. Nachzulesen bei sogenannten „EinzelfallzĂ€hler“ auf der Plattform „Stoppt die Rechten“. Kinz ist kein Nazi, der Vorfall dennoch typisch fĂŒr die FPÖ.

Warum das eigentliche Problem aber die ÖVP ist, die zu allem schlicht und einfach schweigt, habe ich in einem Kommentar unter dem Titel „Hubert Kinz und die ÖVP“ thematisiert:

Auf die FPÖ kann man sich verlassen. In unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden relativieren ihre Spitzenleute die NS-Verbrechen und sorgen fĂŒr einen Skandal. Meist wird dann zurĂŒckgerudert, von „Einzelfall“, „MissverstĂ€ndnis“ oder einer „böswilligen Unterstellung“ gesprochen. In Wirklichkeit sei alles „ganz anders gemeint gewesen“. So auch letzte Woche, als mit FPÖ-LandtagsvizeprĂ€sident Hubert Kinz wieder einer aus der blauen Riege Unsagbares gesagt hat.

Was war passiert? Der GrĂŒne Abgeordnete Bernie Weber hatte einen Antrag zu einem Landesleitbild „Erinnerungskultur Vorarlberg“ im Zusammenhang mit dem NS-Gedenken eingebracht. Hubert Kinz war darauf vorbereitet, schrieb zuhause eine Rede und las sie vor. Die Empörung der gesamten Opposition war ihm gewiss. Zurecht!

Kinz hatte den in der Geschichte einzigartigen industriellen Massenmord der Nationalsozialisten relativiert. Man dĂŒrfe nicht „einzelne Ereignisse herauspicken“. Es habe auch die „Appenzeller Kriege“ gegeben und andere GrĂ€ueltaten wie Vergewaltigungen durch marokkanische Besatzungssoldaten.

Wer bei Vergewaltigungen im Krieg an Marokkaner denkt, sollte sich informieren: Vergewaltiger wurden von der französischen Besatzungsmacht meist umgehend standrechtlich erschossen – auch in Vorarlberg. Und die „saubere Wehrmacht“? Die dokumentierte 5349 FĂ€lle – meist an der Westfront. An der Ostfront war sexuelle Gewalt Teil des rassistisch motivierten Vernichtungskrieges. Laut Erlass vom 13. Mai 1941 wurden Straftaten deutscher Soldaten offiziell dem „Verfolgungszwang“ entzogen, was – so die neuere Forschung – „sexuelle Gewaltexzesse“ zur Folge hatte.

Über diese Fakten sowie das Morden in den NS-Vernichtungslagern schwieg man nach 1945 lieber. Wer das nicht getan hat, wurde nicht selten als „Nestbeschmutzer“ diffamiert. In der von hochrangigen ehemaligen Nationalsozialisten und SS-MĂ€nnern gegrĂŒndeten FPÖ gilt diese Haltung offenkundig bis heute. Das FĂŒhrungspersonal wurde in den braun-modrigen Kellern der Burschenschaften sozialisiert. Dort besang (und besingt?) man schon mal den Massenmord an sechs Millionen Juden: „Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million!“

Und wie geht die ÖVP mit dem Skandal um? Immerhin hat Altlandeshauptmann Herbert Sausgruber im Jahr 2009 nach dem „Juden-Sager“ des damaligen FPÖ-Chefs Dieter Egger die Koalition mit den Freiheitlichen umgehend beendet. Und heute? Der LandtagsprĂ€sident sagt, ihm sei bei der Rede von Kinz „nichts aufgefallen“. Nach den Protesten der Opposition habe er Kinz gebeten, seine Aussage zu erklĂ€ren. Einen Ordnungsruf gab es nicht. Und der Landeshauptmann? Markus Wallner ist in dieser Frage auf Tauchstation. Vielleicht ĂŒberlegt er sich fĂŒr sein Wiederauftauchen diese Stellungnahme: „Herr Kinz, treten Sie zurĂŒck!“

Und wie geht die ÖVP mit dem Skandal um? Immerhin hat Altlandeshauptmann Herbert Sausgruber im Jahr 2009 nach dem „Juden-Sager“ des damaligen FPÖ-Chefs Dieter Egger die Koalition mit den Freiheitlichen umgehend beendet. Und heute? Der LandtagsprĂ€sident sagt, ihm sei bei der Rede von Kinz „nichts aufgefallen“. Nach den Protesten der Opposition habe er Kinz gebeten, seine Aussage zu erklĂ€ren. Einen Ordnungsruf gab es nicht. Und der Landeshauptmann? Markus Wallner ist in dieser Frage auf Tauchstation. Vielleicht ĂŒberlegt er sich fĂŒr sein Wiederauftauchen diese Stellungnahme: „Herr Kinz, treten Sie zurĂŒck!“

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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