Sicherheitsrisiko FPĂ?
WĂ€hrend in Deutschland darĂŒber diskutiert wird, ob die AfD wegen ihrer politischen Ausrichtung und Praxis verboten werden soll oder muss, hat sich deren Schwesterpartei FPĂ in den heimischen Machtstrukturen fest etabliert und arbeitet an der âZerstörung des Systemsâ – so jedenfalls Bundeskanzler Christian Stocker. Interessanterweise stört ihn nicht, dass die Partei in fĂŒnf Landesregierungen mit seiner ĂVP koaliert. Unter ganau diesem Titel habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar verfasst:
Wie gefĂ€hrdet ist unsere Demokratie? Polen und Ungarn waren schlieĂlich schon sehr nahe dran an der Etablierung autoritĂ€rer Strukturen. Nur die Allianz von konservativen und linken KrĂ€ften hat in beiden LĂ€ndern einen Turnaround eingeleitet.
Und Ăsterreich? Hier schafft es die FPĂ regelmĂ€Ăig, die Grenzen zwischen rechtsextrem und konservativ zu verwischen. Allein im freiheitlichen Parlamentsklub wird und wurden viele Personen aus dem Umfeld der rechtsextremen âIdentitĂ€ren Bewegungâ beschĂ€ftigt. Auch Vorarlberg ist betroffen. Der Verfassungsschutz sieht darin ein Sicherheitsrisiko.
NationalratsprĂ€sident Walter Rosenkranz und der FPĂ-Klubdirektor sehen das anders und haben in den vergangenen Monaten diese Anstellungen verteidigt, von âlupenreinen Demokratenâ gesprochen, aber zugegeben: âRisiko gibt es ĂŒberall.â Eine ĂberprĂŒfung der Mitarbeiter wurde abgelehnt.
Immerhin kann der Verfassungsschutz seinen Aufgaben inzwischen wieder nachgehen. Es war Herbert Kickl, der ihm in seiner Amtszeit als Innenminister durch Razzien massiven Schaden zugefĂŒgt hat. Westliche Geheimdienste trauten Ăsterreich nicht mehr und schrĂ€nkten Zusammenarbeit und Informationsaustausch massiv ein. Sicherheitsrisiko FPĂ? Die Frage ist mehr als nur berechtigt, wenn man die zahlreichen Verflechtungen zwischen FPĂ und IdentitĂ€ren betrachtet.
Zunehmend war zuletzt bei Auftritten von FPĂ-Mitarbeitern auch Gewalt im Spiel. Die Plattform âStoppt die Rechtenâ hat ein Video veröffentlicht, das eine brutale Attacke des inzwischen Ex-Sprechers der Wiener IdentitĂ€ren auf einen Passanten direkt vor dem Parlament zeigt. Mit dabei ein â seither ehemaliger â FPĂ-Mitarbeiter. Als vor zwei Wochen in Leoben ein Taxifahrer brutal verprĂŒgelt wurde, weil er âSieg Heilâ-Rufe in seinem Auto nicht dulden wollte, waren die TatverdĂ€chtigen ebenfalls IdentitĂ€re und ein FPĂ-Parlamentsmitarbeiter.
An der zunehmenden RadikalitĂ€t der Partei wird sich wohl auch in Zukunft nichts Ă€ndern: Der wegen NS-WiederbetĂ€tigung zu einem Jahr bedingter Haft verurteilte RenĂ© Schimanek, Ex-BĂŒroleiter von NationalratsprĂ€sident Walter Rosenkranz, ist inzwischen beim FPĂ-Bildungsinstitut tĂ€tig. Welche âBildungâ er da wohl vermittelt?!
Auf Bundesebene warnt Bundeskanzler Christian Stocker vor einer âRepublik in TrĂŒmmernâ. Die FPĂ wolle die âZerstörung des Systemsâ, ihre Sprache sei von âVerĂ€chtlichmachung und HerabwĂŒrdigungâ geprĂ€gt. Angesichts der Geschichte wisse man, âwohin das fĂŒhrtâ.Sein ĂVP-Parteikollege Markus Wallner ist leider weniger beunruhigt. Er sitzt mit diesen âZerstörernâ in einer Koalition. Es wĂ€re an der Zeit fĂŒr â zumindest â deutliche Worte, beschĂ€ftigt laut âStandardâ doch auch der Vorarlberger Nationalratsabgeordnete Manuel Litzke einen IdentitĂ€ren!
Herbert Kickl weiĂ nicht, warum das Wort âRemigrationâ âso böse sein sollâ. Ihm kann geholfen werden. Er ist kein Nazi, seine Sprache bereitet der extremen Rechten aber den Boden. Unter dem Titel âVergiftete Spracheâ habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar geschrieben:
Der FPĂ-VizeprĂ€sident des Vorarlberger Landtags relativiert in einer vorbereiteten und vom Blatt gelesenen Rede den Holocaust durch seinen Vergleich mit den âAppenzeller Kriegenâ oder Vergewaltigungen durch âmarokkanische Soldatenâ. Solche Skandale kennen wir leider seit langem. Nachzulesen bei sogenannten 