9. September 2021

Der Engel von Auschwitz

2021-09-13T09:59:17+02:0009.09.21, 21:02 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , |

„Meinen Reichtum an Liebe habe ich in Auschwitz verstreut“, schrieb die österreichische Krankenschwester Maria Stromberger im Juli 1946 resignierend an den ehemaligen Auschwitz-HĂ€ftling Edward Pyƛ nach Polen. Sie befand sich in einem Internierungslager fĂŒr ehemalige Nationalsozialisten − wie sie schreibt „mitten unter Nazis, SS, Gestapo“. Ausgerechnet sie wurde im Gegensatz zu vielen TĂ€ter:innen eingesperrt!

Das traf sie doppelt, hatte die erbitterte Gegnerin des NS-Staates doch in Auschwitz aktiv Widerstand geleistet, viele HĂ€ftlinge gerettet, Kurierdienste erledigt, Waffen und Sprengstoff geschmuggelt.

Die in der Geschichte des österreichischen Widerstands wohl einzigartige Frau war zu Lebzeiten zwar in Polen hoch angesehen, wurde in ihrer Heimat aber kaum gewĂŒrdigt.

Die Lebensgeschichte von Maria Stromberger ist ein einmaliges Beispiel des österreichischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Die aus KÀrnten stammende Bregenzer Krankenschwester hat in Auschwitz vielen HÀftlingen das Leben gerettet und war aktives Mitglied des Widerstands im Lager.

Maria Stromberger beschĂ€ftigt mich seit den Achtzigerjahren, als ich in der historischen Zeitschrift „Montfort“ einen Artikel ĂŒber sie veröffentlicht habe, spĂ€ter durfte ich den ORF-Journalisten Markus Barnay bei einer Dokumentation fĂŒr das Fernsehen unterstĂŒtzen.

Das Buch kann im Buchhandel bereits erworben werden: hier online bestellen

PrÀsentiert wird die Neuerscheinung in Wien und Bregenz , wozu ich hiermit herzlich einlade: Bitte nicht vergessen, dass in beiden FÀllen aufgrund der Corona-Bestimmungen eine Anmeldung erforderlich ist.

Wien, Dienstag, 21. September 2021, 18 Uhr

  • BuchprĂ€sentation durch BundesprĂ€sident a.D. Dr. Heinz Fischer
  • Ort: Landesgericht fĂŒr Strafsachen Wien, Lehrsaal, 4. Stock, Eingang Wickenburggasse 22
  • Anmeldung zur PrĂ€sentation in Wien

Bregenz, Donnerstag, 23. September 2021, 19 Uhr

  • BuchprĂ€sentation durch Falter-Herausgeber Armin Thurnher
  • Ort: Kloster Mehrerau, Aula Bernardi, Mehrerauerstraße 66
  • Anmeldung zur PrĂ€sentation in Bregenz: office@malingesellschaft.at

Das Vorwort hat der frĂŒhere BundesprĂ€sident Heinz Fischer geschrieben: „Ich bin Harald Walser sehr dankbar, dass er sich heute (
) dieses Themas und dieser wunderbaren und tapferen Frau annimmt und dieses Buch geschrieben hat.“


 

12. Juni 2021

Alles gut? Die „Aula“ und die Justiz

2021-06-12T11:13:15+02:0012.06.21, 11:13 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , |

Der Kampf gegen die Verunglimpfung von Überlebenden des Konzentrationslagers Mauthausen („Landplage“, „Horde“, „Massenmörder“, 
) durch die rechtsextreme „Aula“ scheint durch das gestern veröffentlichte Urteil Obersten Gerichtshof (OGH) endgĂŒltig gewonnen zu sein.

Auf diesem Blog kann diese fast unendliche Geschichte nachgelesen werden, beginnend im Februar 2016 („Aula-AffĂ€re: Justizministerium top – Rechtsschutzbeauftragter flop?“) und in der Folge einer Vielzahl weiterer BeitrĂ€ge. (FĂŒr Interessierte: In die Suchfunktion einfach „Aula“ eingeben.)

„Aula“ hin, „Aula“ her. Und auch ihre Verstrickung mit der FPÖ soll hier nicht weiter thematisiert werde; die wurde auf diesem Blog aber ebenfalls mehrfach dokumentiert. Das gilt auch fĂŒr den angeblich so regierungsfĂ€higen Norbert Hofer (Norbert Hofer: mit der Aula „auf Du und Du“).

Dass die „Aula“ als rechtsextrem einzustufen und nichts anderes zu erwarten war, ist eine Tatsache. Das grĂ¶ĂŸere Problem war der Umgang der Justiz mit diesem Skandal. Es begann damit, dass eine von mir eingebrachte Anzeige im Jahr 2015 von der Staatsanwaltschaft Graz eingestellt worden war: Die BegrĂŒndung sorgte international fĂŒr Entsetzen, weil darin festgehalten wurde, dass sich die Bevölkerung 1945 durch die befreiten KZ-HĂ€ftlinge zurecht „belĂ€stigt“ gefĂŒhlt habe.

Insgesamt gab es zwei medienrechtliche Entscheidungen, die nun vom  als „rechtsfehlerhaft“ zurĂŒckgewiesen wurden. Jetzt stellt der OGH klipp und klar fest, dass das Landesgericht und das Oberlandesgericht in Graz das „Gesetz in vielfacher Weise verletzt“ haben.

Ein von zehn Überlebenden angestrengtes zivilrechtliches Verfahren wegen Ehrenbeleidigung und KreditschĂ€digung sowie auf Unterlassung hatte die Gruppe inzwischen gewonnen. Ich durfte damals in meiner Funktion als vergangenheitspolitischer Sprecher der GrĂŒnen diese Gruppe unterstĂŒtzen und hatte in Maria Windhager die perfekte RechtsanwĂ€ltin, die mit großer HartnĂ€ckigkeit an der Sache drangeblieben ist. Meine damalige Mitarbeiterin Andrea Stangl, eine studierte Historikerin, hat diese Causa mit unglaublichem Engagement weitergetrieben, Überlebende kontaktiert und sie zur Klage motiviert, Beweise gesammelt etc.

Dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack. Die Grazer Fehlurteile können auch durch den Spruch des OGH nicht revidiert werden, weil das österreichische Strafrecht ein Schlechterstellungsverbot kennt. Das bedeutet in diesem Fall: Da die „Aula“ in Graz rechtskrĂ€ftig freigesprochen wurde, kann sie nicht im Nachgang verurteilt werden.

Aber die Tatsache, dass Österreich im Jahr 2019 in dieser Causa vom EuropĂ€ischen Gerichtshofs fĂŒr Menschenrechte (EGMR) in Straßburg verurteilt wurde, weil die Republik die Diffamierten − als KlĂ€ger trat der inzwischen verstorbene Aba Lewit auf − nicht vor der Verleumdung durch die Aula geschĂŒtzt hat, mĂŒsste einen Nachdenkprozess einleiten.

„Alles gut“? Noch lange nicht!



15. MĂ€rz 2021

Kickl & Co. sind brandgefÀhrlich

2021-03-15T09:22:05+01:0015.03.21, 9:08 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , |

RegelmĂ€ĂŸige Ausschreitungen sind in Österreich ungewöhnlich, passieren derzeit aber Woche fĂŒr Woche. Im Hintergrund schĂŒren FPÖ, IdentitĂ€re und andere Rechtsextreme. Sie sind derzeit politisch auch die Profiteure. Die FPÖ lenkt ab vom Desaster ihrer Regierungbeteiligung, den unzĂ€hligen KorruptionsfĂ€llen und den rechtsextremen „EinzelfĂ€llen“. IdentitĂ€re und andere Rechtsextreme haben plötzlich die Möglichkeit, sich als „Volksbewegung“ zu prĂ€sentieren. In den „Vorarlberger Nachrichten“ habe ich unter dem Titel „Rechte Chaoten?“ dazu einen Kommentar verfasst. Hier zum Nachlesen:

Die Bilder gleichen sich. Woche fĂŒr Woche ziehen tausende Rechtsextreme, Neonazis und biedere Corona-Leugner durch die Straßen. Nicht selten kommt es zu Ausschreitungen. Den Ton geben dabei meist FPÖ-FunktionĂ€re, „IdentitĂ€re“ und Neonazis an.

So auch am letzten Wochenende in Wien. FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl hielt vor rund 10.000 Menschen gleich zwei Brandreden. Die aufgeheizte Menge zog danach ins Zentrum des jĂŒdischen Wien, verhöhnte den Holocaust und attackierte Exekutivbeamten derart massiv, dass schlussendlich vier Polizisten und ein Wachmann zum Teil schwerverletzt zurĂŒckblieben. Es hagelte ĂŒber 3.000 Anzeigen, 42 Personen wurden festgenommen − einzigartig in der 2. Republik. Österreich 2021!

Offene Fragen

Mit dabei bei diesen Exzessen waren auch auslÀndische GÀste. Einer von ihnen war AfD-Bundestagsabgeordneter Stefan Bauer, der sich auch mit Kickl getroffen hat: Was die beiden besprochen haben, wurde nicht berichtet. Was Bauer zuvor gemacht hat, hingegen schon.

Er war in der KZ-GedenkstĂ€tte Mauthausen und hat dort ein Video gedreht, in dem Corona-Impfstoffe mit dem in Auschwitz verwendeten Giftgas „Zyklon B“ verglichen wurden. Inzwischen wird gegen Bauer wegen WiederbetĂ€tigung ermittelt.

Abscheuliche Rhetorik

ÖVP-Innenminister und der ÖVP-Sicherheitssprecher kritisierten den frĂŒheren Innenminister Kickl und dessen „abscheuliche Rhetorik“. Einige Themen haben die beiden wohlweislich ausgelassen:  Wer hat die FPÖ 2017 in die Regierung geholt? War die FPÖ-Rhetorik davor anders als heute? Waren Warnungen vor Kickl 2017 nicht schon deutlich genug? War die FPÖ eine „normale Partei“?

Es gibt deutliche Hinweise, dass sich die „NormalitĂ€t“ in Österreich verschiebt. Innenministerium und „SOS Mitmensch“ haben letzte Woche erschreckende Berichte vorgelegt − ĂŒber antimuslimischen Rassismus und Antisemitismus.

Rassismus in Österreich

Demnach haben sich 2020 antimuslimische und rassistische Äußerungen und VorfĂ€lle mehr als verdoppelt: „Zentrale Akteurin des offenen antimuslimischen Rassismus (
 ) war und ist die Freiheitliche Partei Österreichs“, heißt es im Bericht von SOS-Mitmensch.

Mindestens ebenso verstörend ist die Antisemitismusstudie des Innenministeriums: 28 Prozent stimmen beispielsweise der Aussage zu, dass „eine mĂ€chtige und einflussreiche Elite (z. B. Soros, Rothschild, Zuckerberg, 
)“ die Pandemie nutze, „um ihren Reichtum und politischen Einfluss auszubauen“. Der Leiter der Studie stellt daher klar: „Personen mit hohem Hang zu Verschwörungsmythen sind deutlich antisemitischer als der Rest der Bevölkerung.“

Damit wĂ€ren wir wieder bei den Corona-Demonstrationen, der FPÖ und Herbert Kickl. Dabei handelt es sich nicht um rechte Chaoten, sondern um prĂ€zise kalkulierende Politik. Die derzeitige Situation in Österreich − und leider auch in anderen EU-Staaten − ist brandgefĂ€hrlich.

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

Hier erfahren sie mehr


Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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