28. MĂ€rz 2022

Druck aus dem Schulsystem nehmen!

2022-03-28T08:49:39+02:0028.03.22, 8:49 |Kategorien: Allgemein|

Schule um 1920

Unser Schulsystem geht im Prinzip auf das beginnende letzte Jahrhundert zurĂŒck. In Krisensituationen wie der Corona-Krise sind es die Benachteiligten im System, die besonders darunter leiden.

Unter dem Titel „PĂ€dagogischer Flurschaden“ habe ich ĂŒber die Auswirkungen in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar dazu verfasst. Hier zum Nachlesen:

Der Landesverband der Elternvereinigungen an höheren Schulen in Salzburg hat sich weit hinausgelehnt: Bildungsminister Martin Polaschek wurde letzte Woche zum „sofortigen RĂŒcktritt“ aufgefordert. Polaschek hatte zuvor in der „Pressestunde“ die Aufrechterhaltung der Corona-Maßnahmen an Schulen angekĂŒndigt und auch gemeint, er werde an der verpflichtenden mĂŒndlichen Matura festhalten.

Die Lage ist schwierig: hohe Infektionszahlen, massive PersonalausfĂ€lle bei den LehrkrĂ€ften, ganze Klassen, die geschlossen werden mĂŒssen, seit ĂŒber zwei Jahren kein bisschen NormalitĂ€t. Corona hat das gesamte Schulsystem an die Belastungsgrenze gefĂŒhrt.

Es gilt daher, Druck von SchĂŒlerinnen, SchĂŒlern und LehrkrĂ€ften zu nehmen, wo dies möglich ist − etwa beim Thema mĂŒndliche Matura. Zurecht verweisen Betroffene darauf, dass es heuer fĂŒr die Zentralmatura sehr unterschiedliche Bedingungen gibt, je nachdem, wie viel Unterricht ausgefallen ist. Deshalb war letztes Jahr nur die schriftliche Matura verpflichtend. Heuer ist die Situation ganz sicher nicht besser. Es sei daher ein „Ausdruck von RealitĂ€tsverlust“, wenn der Minister weiterhin an der „obligatorischen mĂŒndlichen MaturaprĂŒfung“ festhalte − so die Elternvertretung.

Schon vor der Pandemie gab es in unserem Bildungssystem Probleme. Sie wurden seither massiv verstÀrkt. So etwa in den KindergÀrten, wie die mehr als nur berechtigten Proteste der PÀdagoginnen letzte Woche wieder deutlich gemacht haben.

Die Bildungsexpertin Heidi Schrodt hat zudem schon zu Beginn der Pandemie darauf hingewiesen, dass Österreich schon allein wegen der viel zu frĂŒhen Trennung der Kinder mit zehn Jahren „ein besonders hohes Maß an Bildungsungerechtigkeit“ aufweist. Das wird jetzt noch verstĂ€rkt, obwohl es beeindruckend ist, wie LehrkrĂ€fte weit ĂŒber das normale Ausmaß hinaus bereit sind, sich mit viel Einfallsreichtum ĂŒber das normale Maß hinaus zu engagieren.

Es sind leider die Benachteiligten in unserem Schulsystem, die es am hĂ€rtesten trifft. Kindern an Brennpunktschulen kann im QuarantĂ€ne-Fall zuhause hĂ€ufig kaum geholfen werden, oft fehlen geeignete ArbeitsplĂ€tze, Tablets oder starke Internetverbindungen. Der RĂŒckstand zu den „Zugpferden“ vergrĂ¶ĂŸert sich fĂŒr diese Kinder dadurch zusĂ€tzlich.

Der Erziehungswissenschaftler Stefan Hopmann warnt daher vor einem „pĂ€dagogischen Flurschaden“ fĂŒr unsere „ohnehin schwer gebeutelte Gesellschaft“. Wir sind gefordert, diesen Schaden möglichst gering zu halten und unnötigen Druck aus dem System zu nehmen. Dazu gehören Fördermaßnahmen vor allem fĂŒr die Benachteiligten im Schulsystem. Dazu gehört aber auch VerstĂ€ndnis fĂŒr jene, die kurz vor der Matura stehen und darauf hinweisen, dass faire PrĂŒfungen derzeit wegen der unterschiedlichen Voraussetzungen schlicht nicht möglich sind.

15. MĂ€rz 2022

FĂŒr Schulklassen in Wien: zwei Heldinnen in Auschwitz

2022-03-15T15:45:05+01:0015.03.22, 15:42 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , , |

Das EU-Jugendkino prĂ€sentiert fĂŒr Schulklassen am 24. MĂ€rz von 10:00-12:00 Uhr im Apollo-Kino in Wien, Gumpendorferstraße 63, zwei unglaubliche Geschichten: Die Lebensgeschichten von Maria Stromberger und StanisƂawa LeszczyƄska. Die Geschichte von Stromberger habe ich auf diesem Blog (Ein Engel in der Hölle von Auschwitz) schon beschrieben.

Der Film „Hebamme“ (Regie Maria Stachurska, PL 2020, 54 Min., OmU, erzĂ€hlt von die Geschichte von StanisƂawa LeszczyƄska. Die polnische Hebamme aus ƁódĆș, half den Juden aus dem Ghetto, weshalb sie von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager Auschwitz gebracht wurde. Hier begann ihre Mission: am dunkelsten Ort der Erde Geburtshilfe zu leisten. Am Rande der Erschöpfung begleitete sie rund 3.000 Geburten, ohne dabei ein Kind zu verlieren.

FĂŒr interessierte LehrkrĂ€fte gibt es am 24. MĂ€rz ab 10:00 die Möglichkeit, mit ihren SchĂŒlerInnen mehr ĂŒber diese zwei Frauen zu erfahren. Ihre Geschichte ist ein Beweis fĂŒr Anstand, Menschenliebe und Mut unter Ă€ußerst unmenschlichen UmstĂ€nden. Mehr Informationen hier auf der Homepage des EU-Youth-Cinema.

Eine Anmeldung mit Zahl der SchĂŒlerInnen ist unbedingt erforderlich: Anmeldung

14. MĂ€rz 2022

Wie weiter in der Ukraine?

2022-03-14T12:08:12+01:0014.03.22, 12:08 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , |

Wie kann eine Exit-Strategie aus dem Ukraine-Krieg ausschauen? DarĂŒber wird in den kommenden Tagen und Wochen hoffentlich intensiv nachgedacht werden. Was besonders Angst macht: Mit Putin ist eine Nachkriegsordnung nicht vorstellbar, aber er sitzt – so macht es jedenfalls den Eindruck – fest im Sattel. Was aus meiner Sicht dennoch wichtig ist: Russland ist nicht Putin! Unter dem Titel „Desaster im Osten“ habe ich zu diesem Problem Stellung bezogen. Hier zum Nachlesen:

Der verbrecherische Angriff der Truppen Wladimir Putins auf die Ukraine ist ein Zivilisationsbruch, der uns erschauern lĂ€sst und zum Nachdenken fĂŒhren muss. Das betrifft einerseits unsere Sicherheit, die deutlich fragiler ist, als wir geglaubt haben. Nachdenken mĂŒssen die Verantwortlichen in Ost und West aber vor allem darĂŒber, wie eine halbwegs stabile Ordnung kĂŒnftig ausschauen kann.

Aus Geschichte lernen

Kann man aus der Geschichte lernen? Man kann! Nach dem 1. Weltkrieg waren die Erwartungen groß, man kĂŒndigte ein Ende der Geheimdiplomatie und den Abbau von Handelsschranken an, versprach globale AbrĂŒstung, nationale Selbstbestimmung und mit dem Völkerbund dauerhaften Frieden.

Das Ergebnis ist bekannt: Die als DemĂŒtigung empfundenen FriedensvertrĂ€ge schufen vor allem in Deutschland den NĂ€hrboden fĂŒr den Nationalsozialismus und waren Mitursache fĂŒr den 2. Weltkrieg. Vor allem die USA zogen ihre Lehren daraus: Nach dem 2. Weltkrieg unterblieb eine weitere DemĂŒtigung Deutschlands. Ganz im Gegenteil. Mit dem „Marshallplan“ wurde nicht nur die Grundlage fĂŒr das deutsche Wirtschaftswunder gelegt, sondern ganz Westeuropas geholfen − Österreich profitierte ĂŒbrigens am stĂ€rksten.

Russland nicht isolieren

Die Nachkriegsordnung war fĂŒr Europa allerdings schmerzlich. Bis zum Fall des Eisernen Vorhangs blieb der Kontinent geteilt. Ab 1989 tat sich eine riesengroße Chance fĂŒr ein friedliches Zusammenleben auf.

Der ehemaligen Weltmacht Russland wurde viel versprochen. Im Ringen um die deutsche Einheit forderte der deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher, „was immer im Warschauer Pakt geschieht, eine Ausdehnung des Nato-Territoriums nach Osten, das heißt, nĂ€her an die Grenzen der Sowjetunion heran, wird es nicht geben“. Nicht einmal auf dem Gebiet der ehemaligen DDR wolle man NATO-Truppen stationieren. Der US-Außenminister James Baker ĂŒbernahm diese Position, nichts davon wurde allerdings in verbindlichen VertrĂ€gen festgehalten.

Im Gegenteil: Heute steht die NATO in den baltischen Staaten und somit direkt an der russischen Grenze, und die BemĂŒhungen der Ukraine um einen NATO-Beitritt sind hinlĂ€nglich bekannt. Die russischen PrĂ€sidenten – von Michael Gorbatschow ĂŒber Boris Jelzin bis zu Wladimir Putin − haben dem fast widerspruchslos zugesehen. Noch im Jahr 2000 meinte Putin: „Ich kann mir die NATO nur schwerlich als einen Feind vorstellen.“ Damals stand noch eine politische und unter UmstĂ€nden sogar militĂ€rische Integration Russlands in die westlichen BĂŒndnisse im Raum. Heute ist die Sachlage anders.

Mit dieser Situation mĂŒssen die Verantwortlichen umgehen. Das ist schwierig genug, zumal sich Russland durch den Angriff auf die Ukraine selbst isoliert hat. Wir können nur hoffen, dass eine (weitere) DemĂŒtigung Russlands wie 1919 in Versailles fĂŒr Deutschland unterbleibt. Mit Putin allerdings ist eine neue Friedenordnung nicht vorstellbar.

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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