GerĂŒcht oder Tatsache? Das Neujahrskonzert und die Nazis!
Teresa Reiter liegt falsch. In der âWiener Zeitungâ veröffentlicht sie einen Beitrag unter dem Titel âGeigen nach Wienâ ĂŒber die Geschichte der Wiener Philharmoniker (WPh). Darin bezeichnet sie die Tatsache, dass âdas Neujahrskonzert eine Erfindung der Nazis gewesen istâ als âGerĂŒchtâ, das sich âhartnĂ€ckigâ halte. Ist das vielleicht deshalb so, weil es wahr ist, Frau Reiter?
Heute konnte ich in einem Leserkommentar ausfĂŒhrlich Stellung beziehen: âAnmerkungen zur Entstehung des Neujahrskonzertsâ
Ralph Braun, Musikhistoriker und bis 2011 Vorsitzender der deutschen âJohann-StrauĂ-Gesellschaftâ, hat sich im Zusammenhang mit dem Neujahrskonzert (NJK) unter anderem dieser Frage verschrieben (Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im âDienst der KriegsfĂŒhrungâ): âWarum verschweigen die Wiener Philharmoniker die Entstehungsgeschichte?â Und er belegt, dass das erste âNeujahrskonzertâ zu Silvester 1939 eine kurzfristig angesetzte Wiederholung des âDritten Orchesterkonzertsâ der Salzburger Festspiele vom 13. August 1939 war und dass das Programm fĂŒr dieses Johann Strauss-Konzert vom Propagandaministerium âund nicht von den Philharmonikern bestimmtâ wurde. Der von Reiter zitierte Oliver Rathkolb hat das vom Propagandaministerium angesetzte Salzburger StrauĂ-Konzert von 1939 leider hartnĂ€ckig verschwiegen, obwohl er von Ralph Braun nachweislich darĂŒber informiert wurde.
Von Interesse ist vor allem die Schlussfolgerung von Ralph Braun: âProf. Rathkolb entschĂ€rft die Brisanz der Entstehungsgeschichte des NJK zugunsten des auĂerordentlichen Werbeeffektes dieser gröĂten klassischen Konzertveranstaltung der Welt fĂŒr Ăsterreich und die WPh sowie den Kommerz.â
Und der von Reiter ebenfalls als GewĂ€hrsmann zitierte Auftraggeber von Rathkolb, der ehemalige Vorstand des Orchesters Clemens Hellsberg, geht sogar noch einen Schritt weiter und verfĂ€lscht das Konzert zur Widerstandshandlung: âMit einem Konzert, das zur GĂ€nze der Musik der StrauĂ-Dynastie gewidmet war, bekannten sie sich unmiĂverstĂ€ndlich zu Ăsterreich, fĂŒr das in der damaligen Welt kein Platz war.â
Das genaue Gegenteil ist wahr und lĂ€ngst bewiesen. Das Konzert war von Beginn an im âDienst der KriegsfĂŒhrungâ des nationalsozialistischen Deutschland.
Kein âGerĂŒcht, Frau Reiter!

Jahr fĂŒr Jahr das gleiche Ritual am Nationalfeiertag: Hintereinander legen BundesprĂ€sident und Regierung einen Kranz in der Krypta im ĂuĂeren Burgtor ab. Es ist ein Totengedenken â welcher Toten da (auch) gedacht wird, scheint nicht so wichtig zu sein.