Bildung: ÖVP in Beton gegossene Reformverweigerung

Mit meiner Kollegin im Nationalrat Daniela Musiol beim Zertrümmern von Beton vor der ÖVP-Zentrale in Wien. Genützt hat es nichts.
Im Bildungsbereich ist die ÖVP so etwas wie in Beton gegossene Reformverweigerung. Dennoch jammern ausgerechnet die Unternehmerverbände – zuletzt am Montag in Vorarlberg – über die Lehrlingssituation – und vergessen dabei, welche Partei für den Stillstand verantwortlich ist.
Die Ursachen der Probleme liegen tiefer und sind mit jammern sicher nicht zu lösen. Dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel „Lehre in der Krise!“:
Gewerkschaften und Unternehmerorganisationen sind sich selten einig. In einer Thematik allerdings verweisen sie seit Jahrzehnten gemeinsam auf ein Problem: die Lehrlingsausbildung. Genauso lange änderte sich allerdings nichts oder nur wenig. Diese Woche hat die Wirtschaftskammer das Problem zwar angesprochen, aber wieder ohne überzeugenden Lösungsvorschlag.
Wenn man die Statistiken bemüht, wird die Krise deutlich: Die Zahl der Lehrlinge lag in Österreich – lang, lang ist’s her – schon einmal bei knapp 200.000. Seither sank sie deutlich. 2010 absolvierten noch rund 130.000 Jugendliche eine Lehre, zum Jahresende 2025 waren es gerade noch 102.878.
Die Gründe dafür sind vielschichtig. Natürlich spielt in der langfristigen Entwicklung auch der Übergang von der Industrie- zu einer Dienstleistungsgesellschaft eine wichtige Rolle. Industriebetriebe haben im Durchschnitt mehr Ressourcen und bieten neben einer qualitativ hochwertigen Ausbildung in den meisten Fällen auch besser bezahlte Berufe an. Ein weiteres Problem ist die sinkende Zahl der Betriebe, die bereit sind, Lehrlinge aufzunehmen. Auch dazu war seitens der Wirtschaftskammer nichts zu vernehmen.
Beklagt wird von den Unternehmen zu Recht, dass es immer weniger Schulabsolventen gibt, die überhaupt ausbildungsfähig sind. Internationale Studien geben ihnen recht: In Österreich sinkt beispielsweise die Lesekompetenz der 14-Jährigen seit Jahrzehnten kontinuierlich. 24 Prozent erreichen nicht einmal das grundlegende Kompetenzniveau – so die letzte Pisa-Studie. Wie soll da eine weiterführende Ausbildung bewältigt werden? In Vorarlberg sind einige Betriebe daher dazu übergegangen, Lehrlinge zuerst in den Grundkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen fit zu machen.
Sind an dieser Situation die Schulen oder die Lehrerinnen und Lehrer schuld? Mitnichten, es liegt an einem Schulsystem, das aus der Monarchie stammt. Nur noch in Österreich und Deutschland werden die Kinder nach vier Jahren Volksschule getrennt – und somit viel zu früh. Das produziert schon bei den Unter-Zehnjährigen jenen leistungshemmenden Stress, den auch die engagiertesten Lehrkräfte nur schwer kompensieren können.
Ausbildungsbetriebe, Lehrkräfte und Eltern sind daher unzufrieden. Die Jugendlichen allerdings sind die Hauptleidtragenden des Reformstaus im Bildungsbereich.
Die duale Ausbildung – also die Verbindung von theoretischer und praktischer Ausbildung unserer Lehrlinge – ist international anerkannt und eines der wenigen bildungspolitischen Erfolgsmodelle Österreichs. Angesichts der Krisensymptome in diesem Bereich wäre es an der Zeit, dass die Vertretungen der Wirtschaft nicht nur jammern, sondern „ihrer“ ÖVP klarmachen, dass ihre jahrzehntelange Reform-Blockade im Bildungsbereich auch diesem Ausbildungsmodell schweren Schaden zufügt.
In was für einem Land leben wir inzwischen? Der Vorarlberger ÖGB-Vorsitzende Norbert Loacker nennt es zurecht „eine Sauerei“, was da abgegangen ist. Trotz eines vernichtenden Urteils des Bundesverwaltingsgerichts („grob rechtswidriger Bescheid“) wurde heute Nachmittag (Samstag, 27.11.) ein bestens integrierter und vom Arbeitgeber dringend benötigter Vorarlberger Lehrling abgeschoben („
Der menschenfeindliche Irrsinn macht Pause. Immerhin!