6. Februar 2016

SkandalbegrĂŒndung der Grazer Staatsanwaltschaft

2016-02-12T14:51:28+01:0006.02.16, 18:58 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , , , , , , |

mauthausen_befreiungsfeierNach meiner Anzeige gegen den als rechtsextrem bekannten Aula-Autor Fred Duswald (u.a. in den 1970er-Jahren FunktionĂ€r der spĂ€ter verbotenen NDP unter Norbert Burger) und den Herausgeber der Aula, Martin Pfeiffer, hatte ich aus Kenntnis anderer FĂ€lle befĂŒrchtet, dass es zu keiner Anklage gegen die beiden Herren kommen wĂŒrde, obwohl sich das Zentralorgan der FPÖ-Burschenschafter, die Aula, zunehmend in Richtung neonazistisch bewegt. Womit ich nicht gerechnet hatte, war die Art, wie die Einstellung des Verfahrens seitens der Staatsanwaltschaft Graz begrĂŒndet wurde. Nicht nur ich, sĂ€mtliche von mir befragten ExpertInnen waren schockiert. Daher habe ich an den Justizminister eine Parlamentarische Anfrage, die auch den Aula-Artikel und das BegrĂŒndungsschreiben der Staatsanwaltschaft Graz enthĂ€lt, gestellt. Gestern berichtete die ZiB 2 darĂŒber.

Meine zentralen Kritikpunkte:

Die BegrĂŒndung der Staatsanwaltschaft zur Einstellung des Verfahrens gegen den Aula-Herausgeber und gegen den Autor Fred Duswald beruht wohl ausschließlich auf dem Aula-Artikel selbst und einem kurzen Verlagstext zum Buch, das Duswald in seinem Artikel vermeintlich rezensiert hat. Es wurden offensichtlich weder Fachleute noch die Autorin des angeblich von Duswald besprochenen Buches hinzugezogen. Auch SekundĂ€rliteratur als Basis fĂŒr die BegrĂŒndung wurde offensichtlich nicht verwendet.

In der EinstellungsbegrĂŒndung wird in skandalöser Weise indirekt die NS-Judikatur fortgeschrieben, indem die wĂ€hrend der NS-Zeit als „Kriminelle“ internierten KZ-HĂ€ftlinge nach der „allgemeinen Lebenserfahrung“ (wie es in der BegrĂŒndung wortwörtlich heißt!) aufgrund ihrer kriminellen Energie Straftaten auch nach der Befreiung verĂŒbt hĂ€tten.

Zudem lĂ€sst die Staatsanwaltschaft jeglichen historischen Kontext außer Acht, wodurch es etwa als „nachvollziehbar“ bezeichnet wird, dass die befreiten HĂ€ftlinge „eine BelĂ€stigung fĂŒr die betroffenen Gebiete Österreichs“ darstellten. Die Staatsanwaltschaft ĂŒbernimmt hier ungeniert die TĂ€ter-Opfer-Umkehr des Autors.

Die Autorin des von Duswald rezensierten Buches distanziert sich aufs SchĂ€rfste von der Besprechung, wirft ein, dass Duswald die von ihr recherchierten Fakten verdreht habe und bezichtigt Duswald in einer schriftlichen Stellungnahme der LĂŒge. Ein Faktum, das die Staatsanwaltschaft nicht interessiert haben dĂŒrfte.

Das Verfahren gegen Duswald und Pfeiffer war berichtspflichtig, was bedeutet, dass die EinstellungsbegrĂŒndung in den oberen Etagen (Oberstaatsanwaltschaft, Justizministerium) gutgeheißen wurde. Meiner Information nach könnte die BegrĂŒndung nicht von der unterzeichneten StaatsanwĂ€ltin, sondern sogar von einem renommierten Staatsanwalt verfasst worden sein.

Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) bescheinigt der österreichischen Justiz eine mangelhafte Auseinandersetzung in der Vergangenheit mit ihrer Rolle im Nationalsozialismus. Aus der Außensicht als Strafrechtsprofessor konnte er in den 1980er-, 1990er- und 2000er-Jahren keine VergangenheitsbewĂ€ltigung beobachten, sagte der Minister bei einer Diskussionsveranstaltung zur Rolle der Justiz vor, wĂ€hrend und nach der Zeit des Nationalsozialismus am Bezirksgericht Meidling am Montagabend (18.1.2016, H.W.). (http://derstandard.at/2000029370409/Brandstetter-fordert-Erinnerungskultur-der-Justiz-ein)

Justizminister Brandstetter hat nun bis Ende MĂ€rz Zeit, auf meine Parlamentarische Anfrage, in der ich ihn ĂŒber das Zustandekommen dieser BegrĂŒndung befrage, zu antworten. 71 Jahre nach Ende des Holocaust muss klar sein, wer die TĂ€ter und wer die Opfer waren. Am 15. Mai werde ich bei der Befreiungsfeier des KZ Mauthausen wieder auf einige treffen, die das oberösterreichische Vernichtungslager und seine Mordmaschinerie ĂŒberlebt haben. Gerade ihnen sind wir es schuldig, dass wir eine neuerliche Verunglimpfung der Opfer nicht widerspruchslos akzeptieren. Das mĂŒssen auch die Staatsanwaltschaft Graz und das Justizministerium zur Kenntnis nehmen.

 

5. Mai 2015

Mauthausen am 5. Mai 1945: „Endlich die Freiheit!“

2015-05-05T14:18:09+02:0005.05.15, 11:11 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: |

mauthausen_befreiung

Heute vor 70 Jahren: Zwei amerikanische PanzerspĂ€hwagen erreichen das Konzentrationslager Mauthausen, das zwei Tage zuvor von der flĂŒchtenden SS verlassen worden ist. Die dort verbliebene Polizeieinheit wird entwaffnet und die Verwaltung den HĂ€ftlingen ĂŒbergeben. Am 7. Mai schließlich rĂŒckt die 11. US-Panzerdivision nach und ĂŒbernimmt die Versorgung der in Mauthausen und den Außenlagern verbliebenen etwa 18.000 HĂ€ftlinge. Ein spanischer HĂ€ftling berichtet:

„Endlich die Freiheit! Ich befand mich zum Zeitpunkt der Ankunft der amerikanischen Soldaten im Block 12. Zwei oder drei Tage zuvor hatte die spanische Organisation beschlossen, ein Transparent anzufertigen, um die Ankunft unserer Befreier zu begrĂŒĂŸen. (…) Das Transparent war 1,50 m hoch und 20 m lang. Auf Spanisch schrieben wir darauf: Los Espagnoles antifascistas saludan a las fuerzas liberadoras – Die spanischen Antifaschisten begrĂŒĂŸen die Befreiungstruppen. In die Mitte kamen die Fahnen der Alliierten und auf jede Seite ein Willkommensgruß auf Englisch und Russisch. (…) Als uns die Nachricht erreichte, war ich gerade dabei, die russische Übersetzung zu schreiben. Wir mussten unsere Arbeit in aller Eile fertig stellen. Deswegen sieht man auf dem … Foto … beim Wachturmgiebel die russische Inschrift mit so schlecht vorgezeichneten, eilig geschriebenen Lettern. Ein paar Minuten spĂ€ter wurde das Transparent gehisst und am Giebel befestigt, zur großen Überraschung des gesamten Lagers. WĂ€hrend dieser Zeit herrschten im Lager Euphorie und Durcheinander.“ (http://www.mauthausen-memorial.at/db/admin/de/show_article.php?carticle=359&topopup=1)

Ich bin nicht imstande nachzuvollziehen, was Mauthausen und seine Außenlager fĂŒr die etwa 200.000 Gefangenen bedeutet haben. Auch nicht, wie es gewesen sein muss, als die SS-Mörder abgezogen und dann endlich die Befreier gekommen sind. Ich weiß aber, wo meine, wo unsere Verantwortung heute liegt.

Dazu gehört, Mauthausen als wĂŒrdige GedenkstĂ€tte zu bewahren, aber auch als Lernraum fĂŒr die Nachgeborenen zu gestalten. Ich will, dass dies ohne buchhalterisches KalkĂŒl, ohne Machtspiele und ohne Parteieneinfluss geschehen kann. Viele Tausende sind in Mauthausen ermordet worden, weil sie fĂŒr Demokratie und fĂŒr eine menschengerechte Gesellschaft eingetreten sind. Ich will, dass wir wenigstens hier bedingungslos ein StĂŒck jener Verantwortung wahrnehmen, die wir viel zu lange von uns gewiesen haben.

(Foto: National Archives and Records Administration, College Park Archiv der KZ-Gedenkstaette Mauthausen Time/Life Syndication United States Holocaust Memorial Museum, courtesy of Ilona Shechter Defense Audiovisual Agency; http://digitalassets.ushmm.org/photoarchives/detail.aspx?id=5632&search=&index=610)

15. April 2015

Mauthausen: Das Betreten erfolgt auf eigene Gefahr!

2015-04-15T15:11:13+02:0015.04.15, 13:00 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , |

mauthausen_winter_hochStell Dir vor: Du willst in die KZ-GedenkstĂ€tte Mauthausen, kommst mit dem Zug oder Bus in Mauthausen an, hast einmal einen Fußmarsch von mindestens 1,3 Kilometer bergauf (!) vor Dir. Wenn Du Pech hast, stehst Du vor verschlossenen TĂŒren: Schließtag, manchmal auch unangekĂŒndigt. Und wenn dann auch noch Winter ist, mit Schneefall oder Eis, dann erfĂ€hrst Du: Es wird nicht gerĂ€umt und „Das Betreten erfolgt auf eigene Gefahr.“ ZustĂ€nde, die der nationalen GedenkstĂ€tte Österreichs unwĂŒrdig sind. Dazu kommt: Es gibt Hinweise, dass Funde von LeichenĂŒberresten nicht ordnungsgemĂ€ĂŸ bestattet wurden, dass es bei GrabstĂ€tten teilweise keinerlei Hinweisschilder gibt und dass GruppenfĂŒhrungen wegen Personalmangels abgewiesen werden mĂŒssen.

Heute habe ich im Rahmen einer Pressekonferenz (presseunterlage_15.4.2015_Mauthausen) die GrĂŒnen VorschlĂ€ge fĂŒr eine unabhĂ€ngige, international besetzte und von Fachleuten dominierte neue Organisationsstruktur prĂ€sentiert. Die Neuausrichtung hat sich zukĂŒnftig an folgenden zentralen Überlegungen zu orientieren: Ein ehemaliges Konzentrationslager, das als Gedenk- und Vermittlungsort dienen soll, muss schon alleine in ihrer organisatorischen Gliederung eine Antithese zur Struktur eines Konzentrationslagers darstellen, um in der Vermittlung glaubhaft authentisch zu sein. Das bedeutet: Der Staatsapparat hat sich im Hintergrund zu halten, vor allem die Hinausnahme des Innenministeriums als oberstes Verwaltungsorgan, flache, auf Kooperation ausgerichtete Hierarchien, anstĂ€ndige BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse fĂŒr die MitarbeiterInnen, maximale Transparenz und Einbindung der Zivilgesellschaft. Wer das nicht begreift, hat nichts von pĂ€dagogischen Grundprinzipien verstanden.

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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