Kostenfalle Schulstart – das muss geändert werden!
Kürzlich erzählte mir eine alleinerziehende Mutter, dass sie zum Schulstart ihres Kindes etwa 3.000 € zu berappen hat, denn diesmal stünden aufgrund des Übertritts in eine grafische Schule neben den üblichen Ausgaben die Anschaffung eines Laptops und eines Fotoapparats an. Das ist für diese Mutter eine enorme finanzielle Belastung. Aber welche Eltern wollen schon der Bildungslaufbahn des eigenen Kindes im Weg stehen? Also wird gespart und bezahlt – wenn es sich Eltern überhaupt leisten können.
In Österreich sind 231.000 Kinder und Jugendliche von Armut betroffen bzw. gefährdet. Besonders für deren Eltern ist der Schulbeginn eine finanzielle Herausforderung, denn das neue Schuljahr beginnt mit Ausgaben für Taschen und Hefte, Stifte und Zirkel, Sportbekleidung und Hausschuhen in Höhe von bis zu 300 Euro. Nicht eingerechnet sind Sonderanschaffungen und die Kosten für Schulveranstaltungen wie Sprach-, Sport- und Wienwochen. Das Schulstartgeld von 100€, das für 6- bis 15-jährige Kinder ausbezahlt wird, reicht in der Regel nicht einmal ansatzweise.

Umfrage Standard.at 31.8.2016
In einigen europäischen Ländern ist es üblich, dass schulpflichtige Kinder und Jugendliche sämtliche benötigten Unterrichtsmaterialen kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Auch die Stadt Wien geht schon lange mit gutem Beispiel voran und stellt allen Pflichtschulen einen Warenkorb zur Verfügung, aus dem die Schulen die für den Unterricht nötigen Materialien für ihre SchülerInnen bestellen können.
Ich will, dass alle schulpflichtigen Kinder in Österreich kostenlose Unterrichtsmaterialen bekommen. Die Kosten dafür wären etwa 28 Millionen Euro. Verglichen mit dem Schaden, der der Republik Österreich durch den Ankauf der Eurofighter entstanden ist, ist das nichts, denn der belaufe sich laut Einschätzung von Experten auf bis zu 1,1 Milliarden Euro.
Hier haben wir dringenden Handlungsbedarf, damit nicht schon zu Schulbeginn ausgerechnet die sozial Schwächsten zusätzliche Nachteile erleiden. Denn ein Mehr an Bildungsgerechtigkeit bedeutet auch, dass alle Kinder die benötigten Materialen bekommen.
In Österreich benötigt etwa ein Viertel aller SchülerInnen Nachhilfe. Die Kosten dafür belasten die Budgets von Familien ordentlich – die durchschnittlichen Jahresausgaben pro SchülerIn mit Nachhilfebedarf liegen bei 710 €. Die Hälfte aller betroffenen Haushalte gibt an, dadurch sehr stark bzw. spürbar belastet zu sein. Für fast 50.000 SchülerInnen wäre eine Nachhilfe wünschenswert gewesen, konnte aber aus geografischen oder finanziellen Gründen nicht organisiert werden. Das ergibt die 

Die Gemeinsame Schule, ganztägige Schulformen und der „Chancenindex“ sind daher ein wesentlicher Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit: Alle Kinder und Jugendlichen bekommen unabhängig vom Geldbeutel der Eltern jene Förderung, die sie benötigen. Auch wenn es schon langweilig wird: Finnland macht es vor, dass Schule ohne Hausübungen und Nachhilfe geht. Wir sind – nicht zuletzt dank der von uns Grünen eingebrachten Punkte der Bildungsreform – wenigstens einen Schritt in die richtige Richtung gegangen. In der nächsten Legislaturperiode wird es unter anderem um eine deutliche Budgeterhöhung für die Bildung gehen, denn nur durch sie können die dringend notwendigen Maßnahmen abgesichert werden.