4. Juli 2015

Sprachkurse fĂŒr FlĂŒchtlinge: Integrationsministerium sĂ€umig!

2015-07-05T11:03:12+02:0004.07.15, 12:37 |Kategorien: Integration|Tags: , , |

kurz_menschenrechteMan stelle sich vor: Das Bildungsministerium sucht Menschen, die ehrenamtlich in Schulen unterrichten! Argumentation: Es gibt grad so viele SchĂŒlerInnen, und es ist wichtig, dass die Unterricht erhalten. Das Finanzministerium sucht Freiwillige fĂŒr SteuerprĂŒfungen, weil gerade viele SteuererklĂ€rungen abzuarbeiten sind? Oder das Gesundheitsministerium will Ehrenamtliche, die in KrankenhĂ€usern wegen einer Grippewelle den Notdienst ĂŒbernehmen?

Absurde Vorstellungen, darĂŒber sind wir uns vermutlich einig. Doch so etwas gibt’s bei uns: Auf der Website des – dem Integrationsministerium direkt unterstellten – Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) ist zu lesen: „Sie möchten sich freiwillige (sic!) im Bereich Sprachvermittlung fĂŒr FlĂŒchtlinge engagieren? Der ÖIF lĂ€dt zum Infoabend. (…) Mit dem neuen Angebot ‚Treffpunkt Deutsch’ im Integrationszentrum Wien unterstĂŒtzt der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) engagierte Menschen, die sich ehrenamtlich betĂ€tigen möchten und Zuwander/innen (sic!) gerne einige Stunden in der Woche beim Erwerb und der Vertiefung ihrer Sprachkenntnisse unterstĂŒtzen.“ Wir lernen: Der ÖIF „unterstĂŒtzt“ Personen, die kostenlos arbeiten wollen (oder sollen). Ich bin ja prinzipiell sehr fĂŒr ehrenamtliches Engagement. Hier stellt sich die Lage jedoch völlig anders dar: Die Republik Österreich hat ihre Gesetze dermaßen gestaltet, dass AsylwerberInnen, deren Verfahren nicht abgeschlossen ist, vom Staat nur eine Grundversorgung erhalten sollen. Sprachkurse sind nicht vorgesehen. Argument: Die Leute sollen nicht zu sehr integriert werden, denn sie könnten dann ja noch eher bleiben wollen. Dennoch ist es ureigene Aufgabe eines Staates, der sich den Menschenrechten verpflichtet fĂŒhlt und die Genfer FlĂŒchtlingskonvention mitunterzeichnet hat, eine angemessene Versorgung der FlĂŒchtlinge zu gewĂ€hrleisten.

Der ÖIF spricht nun in seiner Ausschreibung von „Asylberechtigten“ als Zielgruppe der Freiwilligenleistungen, also wohl nur von bereits anerkannten FlĂŒchtlingen, argumentiert aber mit der um 160% gestiegenen Zahl der AsylantrĂ€ge, um den Aufruf an die Ehrenamtlichen zu rechtfertigen.

SpĂ€testens hier wird der als „Angebot“ titulierte Aufruf zur Chuzpe. Der Staat, namentlich das Integrationsministerium, hat dafĂŒr Sorge zu tragen, dass ein ausreichendes Sprachangebot zur VerfĂŒgung gestellt wird – nicht zuletzt deshalb, weil von Zugewanderten Deutschkenntnisse fĂŒr den Verbleib nachgewiesen werden mĂŒssen. „Integration durch Leistung“ ist ja der Lieblingsslogan von Minister Sebastian Kurz, das Erlernen der deutschen Sprache ist fĂŒr ihn auf der Stufenleiter der zu erbringenden Leistungen, ganz weit oben. Nun wissen wir, dass das vom Innenministerium bereitgestellte Budget fĂŒr Deutschkurse bei weitem nicht mehr ausreicht. Jetzt sollen es also Ehrenamtliche richten und kostenlos unterrichten. Mit der Qualifikation der Unterrichtenden nimmt man es nicht ganz so streng und appelliert an „Lehrer/innen (aktiv oder pensioniert) Student/innen (PĂ€dagogik, Kommunikationswissenschaften, Germanistik, etc.) Personen mit Trainings- oder Unterrichtserfahrung“ (alle Beistrichfehler im Original). Jetzt frage ich mich: Was qualifiziert etwa Studierende der Kommunikationswissenschaft dazu, Deutsch als Fremd-/Zweitsprache zu unterrichten? (Von „etc.“ rede ich erst gar nicht.) Und vor allem: Warum soll irgendjemand eine Arbeit kostenlos verrichten, die der Staat zu bezahlen hat?

Dass nun die Zivilgesellschaft einspringen muss, weil die Republik Österreich nicht willens ist, fĂŒr AsylwerberInnen menschenwĂŒrdig zu sorgen, betrachte ich als Schande. Dass so viele ÖsterreicherInnen zur Zeit dennoch Unmengen an UnterstĂŒtzungsleistungen erbringen und auch Sprachunterricht erteilen, weil sie sich der SolidaritĂ€t und Menschlichkeit verpflichtet fĂŒhlen, ist großartig. Dass aber Integrationsminister Kurz solche Freiwilligenleistungen in Anspruch nimmt, um gleichzeitig fĂŒr PR-Kampagnen wie #stolzdrauf das Geld hinauszupulvern, dafĂŒr habe ich genau null VerstĂ€ndnis! Im Übrigen fordere ich BM Kurz und BM Mikl-Leitner auf, den letzten Rechnungshofbereicht zum ÖIF genauer anzusehen und rechtliche Schritte rund um die vom ÖIF im Korruptionssumpf versenkten Millionen einzuleiten.

(Foto: https://www.flickr.com/photos/minoritenplatz8/16527151039/)

31. Januar 2015

Weg mit dem Integrationspopulismus, Herr Kurz!

2015-05-01T07:45:09+02:0031.01.15, 12:00 |Kategorien: Integration, Parteien|Tags: , , , , |

Bildung_Kind_ChancengerechtigkeitDie Integrationsdebatte treibt in den letzten Tagen seltsame BlĂŒten. Es gibt aber auch Positives zu berichten: Immerhin zeigen inzwischen einige auch deutlich Flagge. Wiens BĂŒrgermeister Michael HĂ€upl beispielsweise meinte gestern im ORF-Morgenjournal zum rechts-populistischen Vorstoß von Franz Voves (strafrechtliche Maßnahmen bei „Integrationsunwilligkeit“): „Ein Sozialdemokrat hat zu reden wie ein Sozialdemokrat und nicht wie die Pegida.“
Auch Sebastian Kurz macht wieder auf Populismus, und natĂŒrlich fehlt auch Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl nicht. Sie wollen die Probleme mit Strafen lösen. Schon vor drei Jahren hat Sebastian Kurz eine Ă€hnliche Debatte ausgelöst: Ohne Zahlen nennen zu können, behauptete er, es gebe bei migrantischen Familien deutlich mehr Schulpflichtverletzungen als bei anderen. Bis heute ist Sebastian Kurz den Beweis fĂŒr seine Behauptung schuldig geblieben.
Auf den im Schulbereich seit Jahrzehnten herrschenden Reformstillstand mit der Forderung nach Strafzahlungen fĂŒr „Integrationsunwilligkeit“ zu reagieren ist ein Aufruf zur SteinzeitpĂ€dagogik. Und ein Schuss in den Ofen des allerbilligsten Populismus.
Im „Standard“ habe ich heute einen „Kommentar der anderen“ dazu verfasst: „Weg mit dem Integrationspopulismus“
Alle Kinder in unseren Schulen mĂŒssen dem Staat gleich viel wert sein. Daher gilt fĂŒr die „GrĂŒne Schule“: „Kein Kind zurĂŒcklassen!“

30. Januar 2015

Auschwitz erfordert klare Worte: Gruß an Sebastian Kurz!

2015-05-01T07:46:44+02:0030.01.15, 12:00 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , |


An Deutlichkeit mangelt es der ARD-Journalistin Anja Reschke nicht. Am Dienstag hat sie anlĂ€sslich des Holocaust-Gedenktages Klartext gesprochen. In den Abendnachrichten des ARD. Zwei Minuten und alles ist gesagt. Und das in einer SchĂ€rfe und Eindeutigkeit, wie ich es mir – wenigstens ab und an – auch in unseren Landen wĂŒnschen wĂŒrde. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat diesen Kommentar in einem Facebook-Eintrag ĂŒbrigens geliked. Schönen und vor allem lehrreichen Gruß an unseren Außenminister Sebastian Kurz!
Wenige Tage nach dem 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz („Der Engel von Auschwitz“) und am Tag des Akademikerballs, eines rechtsradikalen Mummenschanzes, bedarf es auch zu diesem Ereignis klarer Worte: Gewalt ist abzulehnen. Das gilt fĂŒr alle, auch fĂŒr die Gegendemonstrationen! Demonstrieren und Zeichen setzen ist aber BĂŒrgerInnen-Pflicht!

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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