14. Oktober 2010

Schule: Frontalangriff der Landesfürsten

2010-10-14T12:17:00+02:0014.10.10, 12:17 |Kategorien: Bildung|

Die ärgsten Befürchtungen werden wahr. Mir liegt das derzeit mit dem Ministerium in Verhandlung befindliche Positionspapier der Landeshauptleute in Sachen Schulreform vor. Der Inhalt dieses Papiers muss dringend an die Öffentlichkeit, was ich heute im Rahmen einer Pressekonferenz auch mache. Meine Sorge: Wenn sich die Landesfürsten damit durchsetzen, droht die weitere Provinzialisierung des gesamten Schulsystems. Statt einer grundlegenden Reform in Richtung eines modernen Schulsystems gäbe es den Rückschritt in neun Kleinst-Fürstentümer, statt bundeseinheitlicher Bildungsstandards Selbstbeweihräucherung, Schwierigkeiten beim Schulübertritt von Bundesland zu Bundesland usw.

Die Landeshauptleute (in den Verhandlungen vertreten durch den oberösterreichischen Landeshauptmann Pühringer und den niederösterreichischen LH-Stellvertreter Wolfgang Sobotka) fordern von der Regierung die gesamte Ausführungsgesetzgebung im Schulbereich. Wörtlich heißt es in dem Papier:

„Ausführung der Grundstruktur (z.B. Schulorganisation)

• Ausführungsgesetzgebung durch die Länder

Der Spielraum in der Ausführungsgesetzgebung muss so gestaltet sein, dass es den Ländern ermöglicht wird, ihre landesspezifischen Modelle – unter Beachtung der Durchlässigkeit und der Möglichkeit des Wechsels der SchülerInnen zwischen den Ländern – durchzuführen.“

Das würde zu „Schweizer Zuständen“ führen: landesspezifische Modelle, Bildungsdirektionen nicht in Bundeshand, sondern als Landesbehörde, Schulgebäude des Bundes sollen an Länder gehen. Der Kantönligeist soll also auch in Österreichs Schulen einziehen.

Besonders problematisch ist die Position der Länder auch für die seit einigen Jahren in Probe befindlichen bundesweiten Bildungsstandards:

„Die rechtliche Umsetzung der Organisation und Ausgestaltung der Bildungsdirektion/-behörde obliegt den Ländern.“

Künftig müsste das Ministerium also jedesmal mit neun Ländern Kontakt aufnehmen und in langwierigen Verhandlungen das Einvernehmen herstellen, wenn es um – jährlich notwendige – Veränderungen bei der Durchführung der Überprüfungen geht. Das wäre das Ende jeder bildungspolitischen Innovation. Unvorstellbar!

Und nicht zuletzt beweist der schon jetzt vom Rechnungshof immer wieder kritisierte sorglose Umgang der Länder mit dem „Bundesgeld“, das uns dieser „Reformvorschlag“ extrem teuer käme. Im Papier heißt es wörtlich:

„Die Übernahme von Bundeskompetenzen durch die Länder kann in jedem Fall nur unter Voraussetzung erfolgen, dass die damit verbundenen Kosten vom Bund dauerhaft zur Gänze abgegolten werden.“

„Dauerhaft und zur Gänze“ – das ist nichts anderes als eine gefährliche Drohung für die SteuerzahlerInnen!

Diesem Papier möchte ich die Grundzüge unseres Schulkonzepts entgegenstellen:

• Alle Lehrkräfte in Bundeskompetenz

• Regionale Bildungsplanung gemeinsam mit den Ländern

• Schulautonomie (Anstellung von LehrerInnen, pädagogische Schwerpunktsetzung, …)

• Schulgebäude in Gemeindekompetenz

• Regionale Bildungsdirektionen als Bundesinstanz

• Gemeinsame Ausbildung aller PädagogInnen

11. Oktober 2010

„Fachfremder“ Einsatz von LehrerInnen!

2010-10-11T15:29:00+02:0011.10.10, 15:29 |Kategorien: Bildung|

Es ist typisch für die Herablassung, mit der unsere Bildungspolitik die Lehrkräfte in den Hauptschulen seit Jahrzehnten behandelt: Egal, welche Fächer in der Pädagogischen Akademie oder jetzt Hochschule studiert wurden, unterrichten müssen sie alles. Das Motto dahinter: die Inhalte sind nicht so wichtig, Hauptsache ist, dass die „Erziehung zu einem handwerklichen Beruf“ funktioniert. „Vorbereitung für eine manuelle berufliche Tätigkeit“ – dafür war dieser Schulzweig ja ursprünglich gedacht.

Die „Presse“ hat dieses Thema heute in einem Beitrag aufgegriffen und ich konnte ausführlich Stellung beziehen: „Ausbildung der Hauptschullehrer „mangelhaft““

4. Oktober 2010

WeltlehrerInnentag: Politik gefordert!

2010-10-04T16:59:00+02:0004.10.10, 16:59 |Kategorien: Bildung|

Lehrerinnen und Lehrer spielen eine entscheidende Rolle bei der längst fälligen Umgestaltung des österreichischen Schulwesens, daran sollten morgen – am WeltlehrerInnentag der UNESCO – jene denken, deren Hauptanliegen das LehrerInnen-Bashing ist.

Eines ist nämlich sicher: Derzeit gibt es in Österreich zu wenig Anerkennung für die wertvolle Arbeit der LehrerInnen und KindergartenpädagogInnen. Sie haben einen der wichtigsten Berufe überhaupt, bilden die nächste Generation aus und sichern damit die Grundlage für unseren Wohlstand und den sozialen Frieden in unserem Land.

Damit sie das erfolgreich tun können, sind wir als Gesellschaft gefordert. Und ist vor allem die Politik gefordert. Notwendig sind grundlegende Reformen im österreichischen Schulsystem – z.B. die Gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen oder die Möglichkeit zur Individualisierung des Unterrichts. All das funktioniert in der Praxis nämlich nur, wenn die LehrerInnen im Klassenzimmer diese Veränderungen mittragen. Jede Schulreform beginnt und endet mit den Lehrerinnen und Lehrern. Daher sind auch ein motivierendes neues Dienstrecht, eine leistungsgerechte Entlohnung und zeitgemäße und entsprechend ausgestaltete Arbeitsplätze unbedingt notwendig.

Wir müssen uns aber auch Gedanken machen über eine zeitgemäße Interpretation der Rolle von Lehrkräften. Ich verstehe diese weniger als „RichterInnen“, sondern eher als „Coaches“.

„Begleitmaßnahmen“ auf dem Weg dorthin sind der gänzliche Verzicht auf die Notengebung zumindest in der Volksschule und statt dessen eine differenzierte Beurteilung der Leistungsfortschritte, zumal in einer Gesamtschule der Sechs- bis Vierzehnjährigen die Leistungsbeurteilung in der vierten Klasse nicht mehr, wie bisher, die Weichen für die weitere Schullaufbahn stellen würde.

Bei allen internationalen Vergleichen von Schulsystemen sticht ein Ergebnis hervor: Jene Länder schneiden am besten ab, die in die Ausbildung der pädagogischen Kräfte im primären Bildungsbereich nicht weniger, auf jeden Fall gleich viel, wenn nicht mehr investieren, als in jene der Lehrkräfte im sekundären und tertiären Bereich. Und ein zweites Faktum: In diesen Ländern existiert ein System lebenslanger beruflicher Weiterbildung der Lehrkräfte. Sie sind aber auch für die Lernerfolge oder -misserfolge der Schülerinnen und Schüler mitverantwortlich.

Diese Mitverantwortung besteht in der rechtzeitigen Mobilisierung individueller Lernhilfe für jene, die zurückzubleiben drohen. Das bedeutet aber auch zusätzliche Zeit von Lehrkräften, mithin zusätzliche Personalressourcen und damit zusätzliche Finanzmittel.

Um die Kompetenz einer Lehrkraft und den Erfolg unterstützender Maßnahmen zu bewerten, bedarf es externer Bewertungen der Kompetenzen, des Kenntnisstandes und der Lernfortschritte der Schülerinnen und Schüler. Erst durch externe, also von der einzelnen Lehrperson unabhängige Evaluierungen sind Bewertungen und folglich auch Vergleiche der Leistungen von Lehrenden möglich. Solche objektivierenden Vergleiche sollten auch zwischen einzelnen Schulen vorgenommen werden. Dadurch lassen sich Defizite bei Lernenden und Lehrenden feststellen und Gegenmaßnahmen einleiten.

Bei uns wäre ein solches System gewöhnungsbedürftig. Doch eine Schule, die in erster Linie das Wohl der Kinder im Auge hat, sollte sich einer kritischen Bewertung der jeweiligen Fähigkeiten und Leistungen von Lehrkräften und der Einrichtung insgesamt nicht verschließen. Dabei können schulexterne Faktoren – etwa überdurchschnittlich viele SchülerInnen aus bildungsfernen Schichten und/oder mit nichtdeutscher Muttersprache – gut berücksichtigt werden.

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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