5. November 2014

Schafft sich die Burschenschaft „Teutonia“ ab?

2018-09-20T07:12:11+02:0005.11.14, 8:26 |Kategorien: Bildung|Tags: , , |

Sie haben’s nicht leicht, die rechten Herrschaften! In Wien steht ein Deserteursdenkmal. Und noch dazu am zentralen Platz der Republik: am Ballhausplatz.

Die Burschenschaft „Teutonia“ hat nach einer Trauerphase auf ihrer Facebookseite just am Nationalfeiertag ein Flugblatt (das Popup links anklicken) prĂ€sentiert, um gegen dieses Deserteursdenkmal zu hetzen. Nichts Neues. Neu waren jedoch die Schlussfolgerungen aus einem Zitat, von dem die Burschis glauben machen wollen, es stamme von mir: „Wir wollen all diese lĂ€cherlichen DenkmĂ€ler fĂŒr diejenigen, die fĂŒrs Vaterland gefallen sind, die uns in jedem Ort anstarren, zerstören und an ihre Stelle DenkmĂ€ler fĂŒr die Deserteure errichten. Dieses Partisanen-Zitat des GrĂŒnen Nationalratsabgeordneten Harald Walser steht fĂŒr den Zustand unseres Landes: Wir sind im Begriff uns selbst abzuschaffen.“

Man möchte ja annehmen, dass die Mitglieder der „Akademischen (sic!) Burschenschaft Teutonia“ imstande wĂ€ren, einen einfachen Text zu interpretieren oder, falls die intellektuellen FĂ€higkeiten dafĂŒr fehlen, zumindest in einem korrekten Zusammenhang wiederzugeben. Aber Irrtum! Dieses Zitat stammt natĂŒrlich nicht von mir, sondern aus dem Jahr 1943 von einem antifaschistischen Partisanen. Und – entscheidend, um das Zitat ĂŒberhaupt zu verstehen – ist der zweite Teil, den die Teutonia wohlweislich unterschlagen hat: „Diese Monumente fĂŒr die Deserteure werden auch an diejenigen erinnern, die im Krieg starben, denn jeder von ihnen verfluchte dabei den Krieg und beneidete die Deserteure um ihr GlĂŒck. Widerstand entsteht aus Desertion!“

Überschrieben ist das teutonische Flugblatt mit „Wer heute die alte Pflicht verrĂ€t … verrĂ€t auch morgen die neue!“ Die Standard-Journalistin Colette Schmidt konfrontierte nun ein Mitglied der Teutonia, nĂ€mlich den Vorarlberger Nationalratsabgeordneten der FPÖ, Reinhard Bösch, mit den Aussagen in diesem Flugblatt. Und der meinte treuherzig, er „begrĂŒĂŸe (…), wenn sich junge Leute in Zeiten der Politikverdrossenheit damit befassen und vielleicht auch ihre eigene Sprache finden“ und verwies auf den Straftatbestand der Desertion in „allen Staaten der Welt“.

Dass Bösch die Sprache der jungen Teutonen – ein Gemisch aus wirren Formulierungen mit eindeutigen Referenzen zum Nationalsozialismus – als begrĂŒĂŸenswert bezeichnet, ist leider nicht ĂŒberraschend. Wenn man die FPÖ kennt.

Der kann nĂ€mlich nicht auffallen, dass die Teutonia und ihre „eigene Sprache“ nicht nur vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) als rechtsextrem eingestuft wird. Man sieht halt in den eigenen Reihen den Wald vor lauter BĂ€umen nicht.

Auf „Stoppt die Rechten“ mehr dazu: „Die Teutonen im braunen Dreck“

Daher ein gut gemeinter Rat meinerseits an die Teutonen: Sie schreiben in Ihrem Flugblatt „Wir sind im Begriff uns selbst abzuschaffen.“ Nehmen Sie das ernst. Tun Sie es!

17. Februar 2014

Burschenschaften, halbe Wahrheiten und Auslassungen!

2014-02-17T10:58:00+01:0017.02.14, 10:58 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: |

Dass sich erwachsene MĂ€nner auch gerne mit merkwĂŒrdigen Uniformen verkleiden und sich mit farbigen BĂ€ndern schmĂŒcken, sollt jetzt in der Faschingszeit nicht eigens hervorgehoben werden.

Worauf aber eingegangen wurden muss, sind die schrĂ€gen Geschichtsbilder, die Herr Rainer Wolbank in der „Presse“ verbreitet.(Wer ist da ewiggestrig?). Er möchte das Ansehen der Burschenschaften retten. Ein schwieriges Unterfangen.

Als Mitglied der aB! Arminia Graz könnte Wolbank allerding einiges zur Aufarbeitung der Geschichte beitragen und zum Beispiel die Frage beantworten, wie es um den Massenmörder, SS-ObergruppenfĂŒhrer und Leiter des Reichssicherheitshauptamtes Ernst Kaltenbrunner steht. Immerhin war dieser seit 1921 ebenfalls ein „Armine“ und meinte vor dem NĂŒrnberger Kriegsverbrechertribunal: „Ich fĂŒhle mich nicht schuldig an irgendwelchen Kriegsverbrechen, ich habe nur meine Pflicht als Sicherheitsorgan getan und weigere mich, als Ersatz fĂŒr Himmler zu dienen.“ Dann brach er in TrĂ€nen aus.

Rainer Wobank und der aB! Arminia Graz reicht das offensichtlich. Den Richtern in NĂŒrnberg reichte es nicht. Kaltenbrunner wurde zum Tod verurteilt und hingerichtet.

Kein Problem hat Wolbank auch mit der von Antisemitismus geprĂ€gten Geschichte der Burschenschaften. Er redet sie sogar schön: „Die gesellschaftspolitische Entwicklung gegen Ende des 19.Jahrhunderts brachte dann eine Kehrtwende.“ Nur die „Entwicklung“ oder gab es da auch handelnde Personen und Organisationen? Die Juden, so suggeriert er, haben sich selbst ausgegrenzt, wollten damals eigene Verbindungen „mit demselben Brauchtum und derselben politischen Ausrichtung“ grĂŒnden und waren – so hebt er lobend hervor – ja auch „geachtete Fechter“. Na dann! Die „gesellschaftspolitische Entwicklung“, nicht die Burschenschaften, haben in den „Waidhofener BeschlĂŒssen“ den Juden pauschal jede Ehre und damit auch die SatisfaktionsfĂ€higkeit abgesprochen („
 in Anbetracht der vielen Beweise, die auch der jĂŒdische Student von seiner Ehrlosigkeit und Charakterlosigkeit gegeben, und da er ĂŒberhaupt der Ehre nach unseren deutschen Begriffen völlig bar ist 
“).

Und ja: Wolbank hat Recht, wenn er schreibt, dass Korporationen von den Nazis aufgelöst wurden. Es ist immerhin die halbe Wahrheit. Die ganze Wahrheit ist, dass die katholischen Verbindungen wegen ihrer NĂ€he zum Austrofaschismus bekĂ€mpft und aufgelöst wurden, dass sich die nationalen Verbindungen aber im „Altreich“ schon 1933 freiwillig auflösten, weil der NS-Staat aus ihrer Sicht die ErfĂŒllung eines jahrhundertealten Traumes war: „Was wir seit Jahren ersehnt und erstrebt und wofĂŒr wir im Geiste der Burschenschaft von 1817 jahraus, jahrein an uns gearbeitet haben, ist Tatsache geworden.“ (Burschenschaftliche BlĂ€tter 6/1933, S. 130)

Und auch das ist eine Halbwahrheit: „Die Behauptung, dass Budin und KĂŒssel Burschenschafter seien, ist schlicht unwahr.“ Gottfried KĂŒssel ist Mitglied C! Danubo-Markomannia Wien und somit eines Corps, Felix Budin der GL! Cimbria Wien, einer „Grenzlandsmannschaft“ – was die Cimbria inzwischen anders sieht. Daher hat Rainer Wolbank formal recht, sie sind nicht Mitglieder einer „Burschenschaft“, sondern von deutschnationale oder völkische Verbindungen. Das ist aber „Spezialwissen“ und nur fĂŒr völkische Insider wirklich ein Unterscheidungsmerkmal.

Gemeinsam ist den erwachsenen Herren, dass sie sich gerne mit merkwĂŒrdigen Uniformen verkleiden und sich mit farbigen BĂ€ndern schmĂŒcken. Aber das soll jetzt in der Faschingszeit nicht eigens hervorgehoben werden.

29. Juni 2012

Rechte Szene: Österreichs Burschis auf dem Vormarsch!

2012-06-29T08:47:00+02:0029.06.12, 8:47 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: |

Wir kennen Bilder wie dieses zur GenĂŒge: Rechtsextreme Burschenschafter vor der Krypta am Heldenplatz beim Betrauern der Niederlage Hitler-Deutschlands. Dank der Duldung insbesondere der ÖVP sind die Rechtsextremen in Österreich anscheinend salonfĂ€hig – solange sie sich als Burschenschafter kostĂŒmieren und als Akademiker auftreten.

Umso wichtiger ist da AufklĂ€rung ĂŒber ihre Umtriebe. Auf „Stoppt die Rechten“ wird auf einen typischen (bei uns aber kaum zur Kenntnis genommenen) Skandal hingewiesen: „Österreichs Burschis auf dem Vormarsch“

Worum geht es? Norbert Weidner ist „Schriftleiter“ der „Burschenschaftlichen BlĂ€tter“. In einem Artikel bezeichnete er den NS-WiderstandskĂ€mpfer und Theologen Dietrich Bonhoeffer als „LandesverrĂ€ter“. Das war sogar den rechten (aber nicht rechtsextremen) Burschenschaftern zu viel und es gab einen Protest-Aufruf, der immerhin von 600 Burschenschaftern unterzeichnet worden ist. Die zentrale Forderung des Protests lautete: Norbert Weidner muss als Chefredakteur der Verbandszeitschrift abberufen werden.

Auch Österreichs Burschis protestierten. Aber natĂŒrlich nicht gegen Weidner, sondern gegen den Protest-Aufruf! Laut „Stoppt die Rechten“ findet sich ĂŒbrigens auf der Liste von fast 600 Unterzeichnern außer einem „Alten Herrn“ der Grazer Burschenschaft Alemannia kein einziger Burschi aus Österreich! Der von der ÖVP und Teilen der SPÖ zum 3. NationalratsprĂ€sidenten gewĂ€hlte Martin Graf (Martin Graf ist rechtsextrem!) findet also offensichtlich nicht daran, wenn ein in den letzten Tagen der NS-Dikatur auf ausdrĂŒcklichen Befehl Adolf Hitlers hingerichteter WiderstandskĂ€mpfer als „LandesverrĂ€ter“ bezeichnet wird. Und die anderen ehrenwerten Abgeordneten zum Nationalrat wie etwa Harald Stefan oder Walter Rosenkranz finden ebenfalls nichts daran. Und die ÖVP findet nichts daran, wenn ein Martin Graf nach wie vor eines der höchsten Ämter in unserem Staat bekleiden kann. Dank ihrer Stimmen.

„Stoppt die Rechten“ dokumentiert, dass die österreichischen Burschis im Vormarsch sind, die gemĂ€ĂŸigten Mitglieder aus Deutschland aber den Verband der Deutschen Burschenschaft (DB) langsam aber sicher verlassen. Jedenfalls mehren sich bei den Alten Herren in Deutschlands BĂŒnden die Austritte. Die österreichischen Burschis ĂŒbernehmen immer mehr die Macht in der DB. Und so nebenbei gesagt: auch in der FPÖ. Und die ÖVP schaut zu und hĂ€lt sich einen potentiellen Koalitionspartner warm.

Eines ist daher klar: Wir mĂŒssen alles unternehmen, um eine schwarz-blaue Mehrheit nach den nĂ€chsten Wahlen zu verhindern!

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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