Schafft sich die Burschenschaft âTeutoniaâ ab?
Sie haben’s nicht leicht, die rechten Herrschaften! In Wien steht ein Deserteursdenkmal. Und noch dazu am zentralen Platz der Republik: am Ballhausplatz.
Die Burschenschaft âTeutoniaâ hat nach einer Trauerphase auf ihrer Facebookseite just am Nationalfeiertag ein Flugblatt (das Popup links anklicken) prĂ€sentiert, um gegen dieses Deserteursdenkmal zu hetzen. Nichts Neues. Neu waren jedoch die Schlussfolgerungen aus einem Zitat, von dem die Burschis glauben machen wollen, es stamme von mir: âWir wollen all diese lĂ€cherlichen DenkmĂ€ler fĂŒr diejenigen, die fĂŒrs Vaterland gefallen sind, die uns in jedem Ort anstarren, zerstören und an ihre Stelle DenkmĂ€ler fĂŒr die Deserteure errichten. Dieses Partisanen-Zitat des GrĂŒnen Nationalratsabgeordneten Harald Walser steht fĂŒr den Zustand unseres Landes: Wir sind im Begriff uns selbst abzuschaffen.â
Man möchte ja annehmen, dass die Mitglieder der âAkademischen (sic!) Burschenschaft Teutoniaâ imstande wĂ€ren, einen einfachen Text zu interpretieren oder, falls die intellektuellen FĂ€higkeiten dafĂŒr fehlen, zumindest in einem korrekten Zusammenhang wiederzugeben. Aber Irrtum! Dieses Zitat stammt natĂŒrlich nicht von mir, sondern aus dem Jahr 1943 von einem antifaschistischen Partisanen. Und â entscheidend, um das Zitat ĂŒberhaupt zu verstehen â ist der zweite Teil, den die Teutonia wohlweislich unterschlagen hat: âDiese Monumente fĂŒr die Deserteure werden auch an diejenigen erinnern, die im Krieg starben, denn jeder von ihnen verfluchte dabei den Krieg und beneidete die Deserteure um ihr GlĂŒck. Widerstand entsteht aus Desertion!â
Ăberschrieben ist das teutonische Flugblatt mit âWer heute die alte Pflicht verrĂ€t … verrĂ€t auch morgen die neue!â Die Standard-Journalistin Colette Schmidt konfrontierte nun ein Mitglied der Teutonia, nĂ€mlich den Vorarlberger Nationalratsabgeordneten der FPĂ, Reinhard Bösch, mit den Aussagen in diesem Flugblatt. Und der meinte treuherzig, er âbegrĂŒĂe (…), wenn sich junge Leute in Zeiten der Politikverdrossenheit damit befassen und vielleicht auch ihre eigene Sprache findenâ und verwies auf den Straftatbestand der Desertion in âallen Staaten der Weltâ.
Dass Bösch die Sprache der jungen Teutonen – ein Gemisch aus wirren Formulierungen mit eindeutigen Referenzen zum Nationalsozialismus – als begrĂŒĂenswert bezeichnet, ist leider nicht ĂŒberraschend. Wenn man die FPĂ kennt.
Der kann nĂ€mlich nicht auffallen, dass die Teutonia und ihre âeigene Spracheâ nicht nur vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DĂW) als rechtsextrem eingestuft wird. Man sieht halt in den eigenen Reihen den Wald vor lauter BĂ€umen nicht.
Auf âStoppt die Rechtenâ mehr dazu: âDie Teutonen im braunen Dreckâ
Daher ein gut gemeinter Rat meinerseits an die Teutonen: Sie schreiben in Ihrem Flugblatt âWir sind im Begriff uns selbst abzuschaffen.â Nehmen Sie das ernst. Tun Sie es!
Dass sich erwachsene MĂ€nner auch gerne mit merkwĂŒrdigen Uniformen verkleiden und sich mit farbigen BĂ€ndern schmĂŒcken, sollt jetzt in der Faschingszeit nicht eigens hervorgehoben werden.
Wir kennen Bilder wie dieses zur GenĂŒge: Rechtsextreme Burschenschafter vor der Krypta am Heldenplatz beim Betrauern der Niederlage Hitler-Deutschlands. Dank der Duldung insbesondere der ĂVP sind die Rechtsextremen in Ăsterreich anscheinend salonfĂ€hig – solange sie sich als Burschenschafter kostĂŒmieren und als Akademiker auftreten.