Corona, Rechtsextreme und die GrĂŒnen
Parteien sind keine homogene Gruppe. Ich habe das vor allem in meiner aktiven Zeit als Abgeordneter im Nationalrat erlebt: Es gab sehr unterschiedliche Positionen und heftige Auseinandersetzungen.
Aber derart UnertrĂ€gliches wie jetzt von einer Ex-Parteichefin und FunktionĂ€ren zu den Corona-MaĂnahmen habe ich nicht erlebt. Das ist eine Verharmlosung des Faschismus und an Jenseitigkeit kaum zu ĂŒberbieten. (Auch) dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel âLernenâs Geschichte!â. Hier zum Nachlesen:
Die immer radikalere Wortwahl und Gewaltbereitschaft vieler Gegner der Corona-SchutzmaĂnahmen erschreckt. In Oberösterreich haben zwei Protestierer ein Polizeiauto mit Benzin ĂŒbergossen und angezĂŒndet. Nach ihrer Festnahme gaben sie zu, dass sie auch einen Beamten mit Benzin ĂŒbergieĂen und anzĂŒnden wollten. Der Grund: Er wollte die Einhaltung der Corona-Regeln kontrollieren.
Attacken gegen die Polizei sind inzwischen bei vielen Demonstrationen an der Tagesordnung. Die Polizei gilt dem radikalisierten Teil dieser Szene als ReprĂ€sentant eines âUnrechtsstaatesâ, auch physische Angriffe seien daher legitim.
Verschwörer
Woher kommt dieser Unsinn? Die Plattform âStoppt die Rechtenâ deckt immer wieder auf, wer im Hintergrund die Radikalisierung vorantreibt. Und allein wenn man die Beispiele aus Vorarlberg anschaut, wird klar, wie gefĂ€hrlich diese Entwicklung ist.
SpĂ€testens seit einem Auftritt in âVorarlberg heuteâ ist Gerhard Schwörer bekannt. Der aus der FPĂ ausgeschlossene Götzner ist ein Organisator der Demonstrationen bei uns. Sein Social-Media-Account strotzt vor Hass, Verhetzung und radikalen Inhalten. Bei einer Demonstration in Bregenz hat er gemeint: âUnd wir machen so lange weiter, bis dieses tĂŒrkise Ungeziefer von der BildflĂ€che verschwunden ist.â Auf der Plattform von Schwörer und seinen Gesinnungsfreunden findet man Hitler-Fotos, Menschen werden dort zu âUngezieferâ, âRattenâ, âZeckenâ usw. Wir wissen, wohin diese Wortwahl einst gefĂŒhrt hat. 9000 Menschen haben Schwörer in Bregenz beklatscht.
In Deutschland haben zuletzt MordplĂ€ne gegen den sĂ€chsischen MinisterprĂ€sidenten Michael Kretschmer die Alarmglocken schrillen lassen. Sie wurden auf der Plattform âDresden Offlinevernetzungâ gewĂ€lzt. âStoppt die Rechtenâ deckte auf, dass es in Oberösterreich eine âSchwestergruppeâ mit einem neonazistischen Netzwerk im Hintergrund gibt. Darin wird offen der Mord an Polizist:innen thematisiert: âDie Fascho-Söldner toben sich noch einmal aus, bevor sie hingerichtet werden. Sie winseln wie schuldige Hunde, bevor sie erschossen werden.â
Ăsterreich faschistisch?
Die Polizei als âSöldnertruppeâ, deren Beamte erschossen werden sollen? Ăsterreich ein faschistischer Staat? Die Stimmungsmacher von RechtsauĂen mögen eine verschwindende Minderheit sein, ihre Wortwahl und Denkweise aber verbreitet sich ebenso schnell wie die Omikron-Variante. Letztes erschreckendes Beispiel: Ausgerechnet ein Dornbirner Stadtrat der GrĂŒnen schwurbelt im Zusammenhang mit den Corona-MaĂnahmen von âFaschismusâ und âKriegâ. Damit ĂŒbernimmt er die Diktion der Rechtsextremen.
Zur Erinnerung: Im Faschismus gibt es nur eine Einheitspartei, Demonstrationen gegen MaĂnahmen der Regierung können nicht stattfinden, schon gar nicht unter Polizeischutz, es gibt keine freien Wahlen, keine Gewerkschaften, keine freie MeinungsĂ€uĂerung usw. Und das soll Ăsterreich 2022 sein? Um es mit Bruno Kreisky zu sagen: âLernenâs Geschichte!â
Der deutsche Soziologe Max Weber (1864-1920) hat einst den Begriff der âVerantwortungsethikâ geprĂ€gt. Er ist aktueller denn je. Was er mit dem Neoliberalismus und den Problemen rund um die BekĂ€mpfung der Corona-Pandemie zu tun hat, dazu mein Kommentar in den âVorarlberger Nachrichtenâ unter dem Titel â