Kein Kind zurĂŒcklassen!
âKein Kind zurĂŒcklassen!â Seit 2008 habe ich dieses Motto in der Signatur meiner Emails stehen, ebenso hier auf meinem Blog in allen BeitrĂ€gen zum Bildungsthema, in Presseaussendungen etc.
Unter anderem ĂŒbrigens in einem âStreitgesprĂ€ch mit Matthias Strolzâ fĂŒr âDie Presseâ.
Nun ĂŒbernehmen die NEOS das Motto auf ihrer neuen Plakatserie. Gut so! Nun mĂŒsste Beate Meinl-Reisinger das halt auch noch konkretisieren: Ja, die Gemeinsame Schule ist Grundlage dafĂŒr!
Der Spruch allein ist nĂ€mlich zu wenig: Ja, allen Kindern muss von Beginn an eine Chance gegeben werden – wenn möglich eine annĂ€hernd gleiche. Ich bin kein Utopist und weiĂ daher, dass vollkommene Chancengleichheit nicht verwirklicht werden kann. Kinder aus einem sogenannten âbildungsfernen Haushaltâ werden immer einen Startnachteil haben. Aufgabe der Gesellschaft ist es, diesen Nachteil zu minimieren, ohne besonders begabte SchĂŒlerInnen zu vernachlĂ€ssigen.
Und falls es jemanden von den NEOS interessiert: Schon im JĂ€nner 2011 habe ich auf Nachfrage geantwortet: âSo funktioniert die ‚GrĂŒne Schule‘!â
Ăberrascht kann man nicht sein von der Retro-Bildungspolitik der Kurz-ĂVP. Die hat sich schon im FrĂŒhjahr 2017 abgezeichnet, als der junge Herr ĂVP-Obmann geworden ist (
Bildung wird im laufenden Wahlkampf viel zu wenig diskutiert. Deshalb haben wir uns entschlossen, eine Sondersitzung des Nationalrats einzuberufen, denn die Bildungsreform ist fĂŒr uns bei weitem nicht abgeschlossen. Mit einer MachtĂŒbernahme durch ĂVP und FPĂ sind in den nĂ€chsten Jahren wohl RĂŒckschritte im Bestreben nach mehr Chancengerechtigkeit, Inklusion, sowie individueller und nachhaltiger Förderung zu erwarten. Nach wie vor stecken wir in einem ideologisch geprĂ€gten Patt, aus dem wir kaum herauskommen. Damit in der Bildung in Ăsterreich etwas weitergeht, muss man weg von einer Ideologie- und hin zu einer Sachdebatte. Ich habe versucht, von den anderen Parteien ein Bekenntnis zu einer faktenorientierten Bildungspolitik auf Basis von Empfehlungen der OECD zu erhalten, um so die Bildungsblockade mit Hilfe externer Fachleute zu durchbrechen. Leider haben SPĂ, ĂVP und FPĂ diesen möglichen Schub von auĂen abgelehnt und ziehen es vor, sich weiter in ideologie- und machtgetriebenen Positionen festzuzementieren.
Es ist mir völlig unverstĂ€ndlich, wie es möglich ist, dass einerseits rundherum die mangelnde Lesekompetenz österreichischer SchĂŒlerInnen beklagt und andererseits Schulbibliotheken per Handstreich der Ankauf von allgemeiner Literatur verwehrt wird. Nachdem Schulbibliotheken ĂŒber kein fixes Budget aus anderen Quellen verfĂŒgen, ist die Möglichkeit, die freien Mittel aus der Schulbuchaktion zu nutzen, fĂŒr die Aktualisierung und Erweiterung des Bestands von Schulbibliotheken unerlĂ€sslich. Eine neue Richtlinie des Familienministeriums legt seit Beginn dieses Schuljahres fest, dass nur mehr Lesestoff erworben werden darf, der einen direkten Bezug zum Lehrplan aufweist. Damit entfĂ€llt der Ankauf jeglicher Literatur, die nicht im Unterricht verwendet wird wie beispielsweise ein GroĂteil der Kinder- und Jugendliteratur. Angesichts der dramatischen Ergebnisse im Bereich der Lesekompetenz ist es skandalös, dass ausgerechnet bei Schulbibliotheken der budgetĂ€re Rotstift angesetzt werden soll. Ich habe in der Sondersitzung daher auch einen Antrag zur Abstimmung gebracht, der eine RĂŒcknahme dieser Richtlinie zum Inhalt hatte. SPĂ, ĂVP und FPĂ haben sich aber dagegen ausgesprochen. Besonders enttĂ€uscht bin ich von der SPĂ, denn es hat einmal Zeiten gegeben, wo der Aufbau von Volksbibliotheken zur Bildung von Arbeitern und Arbeiterinnen eine zentrale BildungsmaĂnahme der Sozialdemokratie war.
Neu ist, dass die ĂVP fĂŒr alle in der 8. Schulstufe eine zusĂ€tzliche PrĂŒfung einfĂŒhren will, die der Zentralmatura Ă€hnlich sein soll. Das nennt die ĂVP dann als Marketinggag âChancenpassâ. Wer die geforderten Standards nicht erfĂŒllt, fĂ€llt unter die Bildungspflicht und kommt in eine Förderklasse bis zum 18. Geburtstag. Die ReifeprĂŒfung soll nach Meinung der ĂVP, Liste Kurz Bewegung nicht mehr fĂŒr den Zugang zur Hochschulen und UniversitĂ€ten ausreichen. Stattdessen sollen generell StudienplatzbeschrĂ€nkungen und Auswahlverfahren greifen. Das ganze verkauft die ĂVP unter dem Titel âZurĂŒck an die Spitzeâ. Dabei ist aber wohl nur âZurĂŒckâ korrekt …
FPĂ nicht deutsch genug ist und der KĂ€rntner Parteiobmann Gernot Darmann erfindet, âKĂ€rntner Kinderâ seien gezwungen, in den Islamunterricht zu gehen. Wenige Tage spĂ€ter verkauft er den selbstverstĂ€ndlichen Zustand, dass dem nicht so ist, als Erfolg der FPĂ. Ich habe diese Ăbergriffe auch 