30. Januar 2023

Frieden durch Panzer?

2023-01-30T07:02:43+01:0030.01.23, 7:02 |Kategorien: Allgemein|Tags: , , |

Kommen wir dem Frieden in der Ukraine durch die Lieferung von Offensivwaffen wie den Kampfpanzern nÀher? Hohe NATO-GenerÀle haben da ebenso ihre Zweifel wie Papst Franziskus. Dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel Frieden durch Panzer? Hier zum Nachlesen:

Was hat Papst Franziskus mit hohen GenerĂ€len in Deutschland und den USA gemeinsam? Etwa mit dem amerikanischen Generalstabschef Mark Milley, dem Generalinspekteur der Bundeswehr Eberhard Zorn oder dem deutschen Ex-Brigade-General Erich Vad? Sie alle halten die militĂ€rische Eskalation in der Ukraine durch die Lieferung von Offensivwaffen fĂŒr problematisch.

Der Papst hĂ€lt es fĂŒr unmoralisch, Offensivwaffen zu liefern und damit noch mehr Krieg zu provozieren. Und die obersten MilitĂ€rs sehen eine militĂ€risch nicht lösbare „Patt-Situation“ und verlangen Verhandlungen: „Alles andere bedeutet den sinnlosen Verschleiß von Menschenleben.“ Sie halten weder einen Sieg Russlands noch der Ukraine fĂŒr realistisch und warnen vor einem AbnĂŒtzungskrieg. Ihre zentrale Frage lautet: „Was sind die Kriegsziele?“

MilitÀrische Eskalation?

Der zuvor als „Großmeister der Zögerlichkeit“ verspottete Olaf Scholz hat letzte Woche dem enormen Druck vieler NATO-Staaten, dem Großteil der Medien sowie von CDU, GrĂŒnen und FDP nachgegeben und will Kampfpanzer in die Ukraine schicken. Die Propagandisten des Kriegstreibers im Kreml nehmen das dankbar auf und erinnern an den Überfall der Nazis im Zweiten Weltkrieg: „Wieder rollen deutsche Panzer in der Ukraine!“

Ist die Entscheidung trotz der Warnungen höchstrangiger NATO-GenerĂ€le vor einer militĂ€rischen Eskalation gerechtfertigt? General Vad mahnt, diese Waffenlieferungen seien ohne „politisch-strategisches Gesamtkonzept Militarismus pur“. Man mĂŒsse an die Folgen der Eskalation denken, schon jetzt gebe es hunderttausende zivile und militĂ€rische Opfer, Millionen Menschen auf der Flucht.

Beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos warnte auch der ehemalige amerikanische Außenminister Henry Kissinger – wahrlich keine „Friedenstaube“ – vor der weiteren Eskalation. Man mĂŒsse verhindern, dass „der Krieg zu einem Krieg gegen Russland selbst wird“.

Aus Geschichte lernen?

Die MilitĂ€rstrategen verweisen auf die „Abnutzungsschlachten“ im Ersten Weltkrieg, die den Frontverlauf kaum verĂ€nderten, aber Millionen junger Soldaten das Leben gekostet haben. Vad: „Diese Strategie hat damals militĂ€risch nicht funktioniert – und wird das auch heute nicht tun.“ NatĂŒrlich mĂŒsse Putin signalisiert werden, dass er eine rote Linie ĂŒberschritten hat. Man benötige aber auch klar definierte realistische Kriegsziele.

Auch in der Geschichte waren es oft besonnene MilitĂ€rs, die erfolgreich waren. Als der karthagische Feldherr Hannibal scheinbar unbesiegbar durch Italien zog, beschlossen die Römer eine Defensivstrategie und vermieden offene Feldschlachten. Das zermĂŒrbte Hannibal schlussendlich. Der römische Feldherr ging in die GeschichtsbĂŒcher mit dem Ehrentitel „Cunctator“ ein – der „Zögerer“.

Dieser Ehrentitel wird Olaf Scholz verwehrt bleiben. Jenen, die immer noch mehr Waffenlieferungen fordern, ist die fĂŒr einen Oscar nominierte Neuverfilmung von „Im Westen nichts Neues“ ĂŒber die GrĂ€uel des Krieges zu empfehlen.

16. Januar 2023

Sobotka ist untragbar!

2023-01-16T11:03:30+01:0016.01.23, 11:01 |Kategorien: Nationalrat|Tags: |

Eine wirkliche Neuigkeit ist es ja nicht: Der politische „ProblembĂ€r“ Wolfgang Sobotka ist mehr als nur ablösereif. Die Wiedereröffnung des Parlaments letzte Woche hat das neuerlich unter Beweis gestellt. Unter dem Titel „Peinlicher Festakt“ habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten Stellung bezogen. Hier zum Nachlesen:

Es war kein Ruhmesblatt fĂŒr den österreichischen Parlamentarismus, was da letzte Woche bei der Wiedereröffnung des sehr schön, aber auch extrem teuer sanierten ParlamentsgebĂ€udes in Wien geboten wurde.

Eröffnungsfeierlichkeiten in Zeiten der Krise sind zugegebenermaßen Balanceakte: In diesem Fall mĂŒssen sie einerseits der Bedeutung des GebĂ€udes als „HerzstĂŒck unserer Demokratie“ gerecht werden, andererseits aber dĂŒrfen weder die Probleme der Menschen und die gegenwĂ€rtigen Krisen ausgespart werden noch darf durch allzu lockeren Umgang mit Steuergeld gerade in dieser Institution der Verdacht der Geldverschwendung aufkommen.

Balanceakt missglĂŒckt

Ersteres misslang schon mit der Einladung an den ehemaligen deutschen Politiker Wolfgang SchĂ€uble, die Festrede zu halten. Dass angesichts der Geschichte Österreichs ausgerechnet ein deutscher Politiker die Rede gehalten hat, kam insbesondere bei historisch Interessierten nicht gut an. ErwartungsgemĂ€ĂŸ nutzte SchĂ€uble die ihm gebotene Möglichkeit fĂŒr erzkonservative Positionierungen, bagatellisierte den Kampf gegen die Klimakrise, den Kampf um ein humanes Asylrecht sowie um die Rechte von Frauen und diverser Personen. Immerhin hat SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner latent wissenschaftskritische Passagen in SchĂ€ubles Rede umgehend zurĂŒckgewiesen.

Verantwortlich fĂŒr den völlig missglĂŒckten Balanceakt war als oberster Herr und Meister im Hohen Haus NationalratsprĂ€sident Wolfgang Sobotka.

Falsche Signale

Gut – beziehungsweise eher schlecht – in Erinnerung sind etwa noch seine einsame Entscheidung zur Anschaffung eines goldenen Bösendorfer-FlĂŒgels fĂŒr den Empfangssalon des Parlaments und die Benennung von RĂ€umen und GĂ€ngen im Hohen Haus am Ring: vom Romy-Schneider-Wintergarten bis zum Friedrich-August-von-Hayek-Gang.

Die von Sobotka im Alleingang durchgesetzte Anmietung eines Bösendorfer-FlĂŒgels um jĂ€hrlich 36.000 Euro ist ein Musterbeispiel fĂŒr Geldverschwendung. Der offizielle Listenpreis des teuersten FBösendorfer-FlĂŒgels – Lebensdauer ĂŒber 100 Jahre – betrĂ€gt 175 010 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Aber Sobotka reichte das nicht, er wollte einen vergoldeten KonzertflĂŒgel.

Im Parlament, dem vielbesungenen „HerzstĂŒck der Demokratie“, ist nun mit Hayek ein Raum nach einer Person benannt, die der Demokratie ablehnend gegenĂŒberstand und etwa den korrupten Diktator Augusto Pinochet gelobt hat. Der hatte Hayeks mit dem Nobelpreis belohnte neoliberale Wirtschaftstheorie in Chile brutal durchgesetzt – mit systematischer Folter, vieltausendfachem Mord und MordanschlĂ€gen auch außerhalb der Staatsgrenzen.

Dass Sobotka bei dieser altvÀterisch konzipierten Veranstaltung solche Signale und kein positives an die Jugend oder sozial schlecht gestellte Menschen ausgesendet hat, muss leider nicht eigens betont werden. Herausgekommen ist ein peinlicher Festakt.

12. Dezember 2022

Demokratie in Gefahr

2022-12-16T15:26:11+01:0012.12.22, 8:42 |Kategorien: Gesellschaft, Menschenrechte, Parteien|Tags: , , |

Das DemokratieverstĂ€ndnis hierzulande wir nie besonders ausgeprĂ€gt. Wolfgang SchĂŒssel und Sebastian Kurz haben es zudem weiter unterminiert und diesbezĂŒglich weiteren und leider wohl nachhaltigen Schaden angerichtet. Unter dem Titel „Demokratie in Gefahr“ habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar verfasst. Hier zum Nachlesen:

Viele schĂŒttelten letzte Woche unglĂ€ubig den Kopf: Eine Großrazzia bei Rechtsextremen in Deutschland, Österreich und Italien förderte zutage, dass es konkrete Putsch-PlĂ€ne gegeben hat. Involviert sind Personen aus der „besseren Gesellschaft“, aus Politik, MilitĂ€r und der Polizei. Der deutsche Verfassungsschutz spricht von einer sehr realen Gefahr und mehreren zehntausend Menschen, die in organisierter Form der „Szene“ angehören. Verwiesen wird auch auf enge Verbindungen nach Österreich.

Leute wie die Möchtegern-Putschisten sind eine Gefahr. Die noch grĂ¶ĂŸere Gefahr aber ist eine schleichende Entwicklung, von der bereits die „Mitte der Gesellschaft“ erfasst ist. Auch dort machen sich inzwischen autoritĂ€res Denken und eine allmĂ€hliche Abkehr von demokratischen Werten breit.

„Skandalrepublik“

Als Ursache dieser Entwicklung auf „Ibiza“, Korruption, die unsĂ€glichen Chat-Protokolle oder die vielen anderen Skandale zu verweisen, greift zu kurz. Wie Viktor OrbĂĄn, der „Trumpismus“ in den USA und andere national-populistische Bewegungen belegen, handelt es sich um kein rein österreichisches, sondern um ein weit verbreitetes PhĂ€nomen. Aber es gibt heimische „Spezifika“.

Bei uns waren es politische Provokateure wie Jörg Haider oder Heinz-Christian Strache, die antiliberales Denken mehrheitsfĂ€hig gemacht haben und mit der Schaffung von Feindbildern erfolgreich waren. Wolfgang SchĂŒssel und Sebastian Kurz, sein nachgeborener und inzwischen ehemaliger Superstar, haben dieses Denken durch ihre Mesalliancen mit der FPÖ politisch salonfĂ€hig gemacht. Heute will die ÖVP sogar die Menschenrechtskonvention â€žĂŒberdenken“. Das alles hat das Vertrauen in unser Wertesystem unterminiert und autoritĂ€res Denken gefördert.

„Starker FĂŒhrer“

Seit Jahren erhebt das SORA-Institut, wie sich in unserem Land die Einstellung der Menschen zur Demokratie entwickelt. Die letzte Woche prĂ€sentierten Ergebnisse des „Österreichischen Demokratie Monitor“ können daher zwar kaum ĂŒberraschen, sind aber dennoch erschreckend: Erstmals wird ein „starker FĂŒhrer, der sich nicht um Parlament und Wahlen kĂŒmmern muss“ an der Spitze des Staates nicht mehr mehrheitlich abgelehnt. 26 Prozent wĂŒnschen sich diesen „starken FĂŒhrer“ sogar ausdrĂŒcklich.

Nur noch 34 Prozent glauben zudem, dass unser politisches System gut funktioniert, vor fĂŒnf Jahren waren es mit 64 Prozent fast doppelt so viele. Die Forscherinnen und Forscher des SORA-Instituts halten daher in der gebotenen Deutlichkeit fest: „Die Demokratie erlebt eine Vertrauenskrise und ist ernsthaft bedroht.“

Rechten GewalttĂ€tern und GefĂ€hrdern der Demokratie kann und muss der Staat mit polizeilichen Mitteln entgegentreten. Aber das schleichende Gift des autoritĂ€ren Denkens aus den Köpfen eines immer grĂ¶ĂŸer werdenden Teils unserer Gesellschaft zu bekommen, ist wesentlich schwieriger. Da ist neben dem Staat vor allem die Zivilgesellschaft gefordert.

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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