âWir sind dagegen!â
Wohin steuert unsere Gesellschaft? Exzessive Korruption und Machtmissbrauch schwĂ€chen zunehmend das Vertrauen in die Demokratie, das Corona-(Miss-)Management verschĂ€rft diese gefĂ€hrliche Entwicklung. Viel Programm brauchen jene nicht, die derzeit ihr nicht selten braunes SĂŒppchen kochen. Unter dem Titel âWir sind dagegen!â habe ich das in einem Kommentar fĂŒr die Vorarlberger Nachrichten thematisiert. Hier zum Nachlesen:
Das ist mehr als nur erschreckend: Laut einer kĂŒrzlich veröffentlichten Umfrage des renommierten Sora-Instituts sind in Ăsterreich sechs von zehn Menschen ĂŒberzeugt, dass unser politisches System schlecht oder gar nicht funktioniert. Schlimmer gehtâs kaum. Dabei sind in diesem Ergebnis die Ereignisse der letzten Wochen noch gar nicht abgebildet, denn der Umfragezeitraum war November und Dezember letzten Jahres.
Wenig ĂŒberraschend ist die soziale Situation ausschlaggebend: Je Ă€rmer desto ablehnender. 84 Prozent im unteren Drittel der Gesellschaft fĂŒhlen sich als Menschen zweiter Klasse, 79 Prozent sehen sich im Parlament nicht vertreten.
Im niederösterreichischen Kernland der ĂVP vollzog sich letzten Sonntag bislang kaum Vorstellbares: Die ĂVP verlor bei den Gemeinderatswahlen in Waidhofen an der Ybbs nahezu 20 Prozent â hauptsĂ€chlich an die rechte MFG (âMenschen, Freiheit, Grundrechteâ). Alle Umfragen bestĂ€tigen, dass die Gruppierung auch bei Nationalratswahlen erfolgreich wĂ€re. Der Einzug in den Landtag ist ihr in Oberösterreich schon gelungen.
Corona-Kritik als Ventil
Ein Ventil fĂŒr die âsystemkritischen Menschenâ sind derzeit Demonstrationen gegen die Corona-MaĂnahmen. Und es ist kein Zufall, dass dort rechtsextreme Gruppierungen, die bislang kaum Anklang gefunden haben, ihre Chance wittern.
Da lĂ€uten sogar bei der FPĂ die Alarmglocken, denn bislang war sie die Partei der Unzufriedenen, die fleiĂig sogenannte âProteststimmenâ sammelte. Ăhnlich wie in Ăsterreich der FPĂ, ergeht es auch traditionellen rechten und rechtsextremen Parteien in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern: Sie verlieren an diffuse Gruppierungen ohne klares Programm, aber eindeutiger Botschaft: Wir sind dagegen!
Kommt die groĂe âWendeâ?
Wenn man sich neben der Ablehnung der Corona-MaĂnahmen die wenigen formulierten Forderungen anschaut, wird klar, dass diese Bewegung unser politisches System ablehnt: Der Einfluss von Parteien soll gebrochen, die Gewerkschaften zurĂŒckgedrĂ€ngt, Kammern gar abgeschafft werden.
Angesichts zahlreicher Korruptionsskandale stimmen viele dieser Pauschalkritik zu. Das ist gefĂ€hrlich, bedeutet es doch letztendlich nicht nur eine SchwĂ€chung der Parlamente, sondern der Demokratie insgesamt. Folgte man dem, wĂ€re die demokratische Teilhabe insgesamt geschwĂ€cht, die nicht nur im WĂ€hlen alle fĂŒnf Jahre besteht. Sie spielt sich dort ab, wo die âQuerdenkerâ den Rotstift ansetzen wollen: in VerbĂ€nden, Vereinen, Kammern, Gewerkschaften und Kirchen.
Wer Ăsterreich als âDiktaturâ sieht und die groĂe âWendeâ in eine angebliche âFreiheitâ anstrebt, will unseren demokratischen Staat nicht reformieren, sondern umwandeln. Wohin das fĂŒhrt, sehen wir schon teilweise in Ungarn, Polen und anderen LĂ€ndern. Wer diese Entwicklung ablehnt, tut gut daran, sich jetzt fĂŒr unsere Demokratie zu engagieren. Bald könnte das nĂ€mlich bedeutend schwieriger sein.
Wien wird in Sachen Pandemie im Gegensatz zum Bund und den anderen BundeslĂ€ndern die 2-G-Regel in der Gastronomie beibehalten. Ich kann das verstehen. Nein, ich gehöre nicht zur inzwischen groĂen Zahl der Expert:innen in Sachen Pandemie. Aber ich vertraue der ĂŒberwiegenden Zahl der Wissenschafter:innen, die zu Vorsicht mahnt. Dazu habe ich in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel â