7. Februar 2022

„Wir sind dagegen!“

2022-02-07T09:25:32+01:0007.02.22, 9:25 |Kategorien: Allgemein|

Wohin steuert unsere Gesellschaft? Exzessive Korruption und Machtmissbrauch schwĂ€chen zunehmend das Vertrauen in die Demokratie, das Corona-(Miss-)Management verschĂ€rft diese gefĂ€hrliche Entwicklung. Viel Programm brauchen jene nicht, die derzeit ihr nicht selten braunes SĂŒppchen kochen. Unter dem Titel „Wir sind dagegen!“ habe ich das in einem Kommentar fĂŒr die Vorarlberger Nachrichten thematisiert. Hier zum Nachlesen:

Das ist mehr als nur erschreckend: Laut einer kĂŒrzlich veröffentlichten Umfrage des renommierten Sora-Instituts sind in Österreich sechs von zehn Menschen ĂŒberzeugt, dass unser politisches System schlecht oder gar nicht funktioniert. Schlimmer geht’s kaum. Dabei sind in diesem Ergebnis die Ereignisse der letzten Wochen noch gar nicht abgebildet, denn der Umfragezeitraum war November und Dezember letzten Jahres.

Wenig ĂŒberraschend ist die soziale Situation ausschlaggebend: Je Ă€rmer desto ablehnender. 84 Prozent im unteren Drittel der Gesellschaft fĂŒhlen sich als Menschen zweiter Klasse, 79 Prozent sehen sich im Parlament nicht vertreten.

Im niederösterreichischen Kernland der ÖVP vollzog sich letzten Sonntag bislang kaum Vorstellbares: Die ÖVP verlor bei den Gemeinderatswahlen in Waidhofen an der Ybbs nahezu 20 Prozent − hauptsĂ€chlich an die rechte MFG („Menschen, Freiheit, Grundrechte“). Alle Umfragen bestĂ€tigen, dass die Gruppierung auch bei Nationalratswahlen erfolgreich wĂ€re. Der Einzug in den Landtag ist ihr in Oberösterreich schon gelungen.

Corona-Kritik als Ventil

Ein Ventil fĂŒr die „systemkritischen Menschen“ sind derzeit Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. Und es ist kein Zufall, dass dort rechtsextreme Gruppierungen, die bislang kaum Anklang gefunden haben, ihre Chance wittern.

Da lĂ€uten sogar bei der FPÖ die Alarmglocken, denn bislang war sie die Partei der Unzufriedenen, die fleißig sogenannte „Proteststimmen“ sammelte. Ähnlich wie in Österreich der FPÖ, ergeht es auch traditionellen rechten und rechtsextremen Parteien in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern: Sie verlieren an diffuse Gruppierungen ohne klares Programm, aber eindeutiger Botschaft: Wir sind dagegen!

Kommt die große „Wende“?

Wenn man sich neben der Ablehnung der Corona-Maßnahmen die wenigen formulierten Forderungen anschaut, wird klar, dass diese Bewegung unser politisches System ablehnt: Der Einfluss von Parteien soll gebrochen, die Gewerkschaften zurĂŒckgedrĂ€ngt, Kammern gar abgeschafft werden.

Angesichts zahlreicher Korruptionsskandale stimmen viele dieser Pauschalkritik zu. Das ist gefĂ€hrlich, bedeutet es doch letztendlich nicht nur eine SchwĂ€chung der Parlamente, sondern der Demokratie insgesamt. Folgte man dem, wĂ€re die demokratische Teilhabe insgesamt geschwĂ€cht, die nicht nur im WĂ€hlen alle fĂŒnf Jahre besteht. Sie spielt sich dort ab, wo die „Querdenker“ den Rotstift ansetzen wollen: in VerbĂ€nden, Vereinen, Kammern, Gewerkschaften und Kirchen.

Wer Österreich als „Diktatur“ sieht und die große „Wende“ in eine angebliche „Freiheit“ anstrebt, will unseren demokratischen Staat nicht reformieren, sondern umwandeln. Wohin das fĂŒhrt, sehen wir schon teilweise in Ungarn, Polen und anderen LĂ€ndern. Wer diese Entwicklung ablehnt, tut gut daran, sich jetzt fĂŒr unsere Demokratie zu engagieren. Bald könnte das nĂ€mlich bedeutend schwieriger sein.

3. Februar 2022

GefÀhrlicher Populismus

2022-02-03T18:17:07+01:0003.02.22, 18:15 |Kategorien: Gesundheit und Pflege|Tags: , , , |

Wien wird in Sachen Pandemie im Gegensatz zum Bund und den anderen BundeslĂ€ndern die 2-G-Regel in der Gastronomie beibehalten. Ich kann das verstehen. Nein, ich gehöre nicht zur inzwischen großen Zahl der Expert:innen in Sachen Pandemie. Aber ich vertraue der ĂŒberwiegenden Zahl der Wissenschafter:innen, die zu Vorsicht mahnt. Dazu habe ich in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel „GefĂ€hrlicher Populismus“ einen Kommentar geschrieben. Hier zum Nachlesen:

Die Politik − insbesondere Alt-Bundeskanzler Sebastian Kurz − hat in den letzten zwei Jahren mehrfach das Ende der Pandemie versprochen und falsche Hoffnungen genĂ€hrt. Landeshauptleute wie Markus Wallner, GĂŒnther Platter oder Hans Peter Doskozil haben letzte Woche parteiĂŒbergreifend massive Öffnungsschritte bei den Corona-Regelungen gefordert. Verbreitet sich bei den Landeshauptleuten das Populismus-Virus Ă€hnlich schnell wie die Omikron-Variante?

Dass vor Inkrafttreten der Impfpflicht ausgerechnet Landeshauptleute die EinfĂŒhrung einer 3G-Regel fordern, hat einen fatalen Effekt: Wer am Höhepunkt der Omikron-Welle und kurz vor Inkrafttreten der Impfpflicht Lockerungen verlangt, motiviert Impfskeptiker dazu, bei ihrer Haltung zu bleiben. Doch das ist nicht das einzige Problem.

Negativer Fakten-Check

Wallner meinte, die 2G-Regel mĂŒsse fallen: „Auch diese unsinnige Sperrstundenregelung gehört sofort aufgehoben. Das versteht niemand mehr wirklich.“ Unsinnig? Die markigen SprĂŒche der Landeshauptleute bestehen den Fakten-Check nicht, obwohl Wallner ausdrĂŒcklich betonte, er orientiere sich an der Wissenschaft.

Die Ampel-Kommission der Bundesregierung setzte am selben Tag ganz Österreich einstimmig auf Rot. Zeitgleich warnte die von der Regierung eingesetzte Covid-Kommission angesichts der hohen Infektionszahlen vor vorschnellen Öffnungsschritten. Prof. Gerald Gartlehner von der Donau Uni Krems sprach von einer „falschen Diskussion zum falschen Zeitpunkt“. Auch der Salzburger Infektiologe Richard Greil konnte den Forderungen nichts Positives abgewinnen.

Peter Klimek, immerhin Wissenschaftler des Jahres, mahnte zu mehr Vorsicht: Es sei zu erwarten, dass es angesichts vieler Geimpfter zwar zu weniger schweren FĂ€llen und somit wohl nicht mehr zu einer Überlastung der Intensivstationen komme. GefĂ€hrdet seien aber die Normalstationen, zumal nun verstĂ€rkt auch das Krankenhauspersonal angesteckt werde und dort „EinschrĂ€nkungen der Regelversorgung“ drohen.

Bundesregierung besonnener

Bundeskanzler Karl Nehammer und Gesundheitsminister Wolfgang MĂŒckstein verwiesen zurecht darauf, dass man erst ĂŒber Öffnungsschritte nachdenken kann, wenn der Höhepunkt der Omikron-Welle ĂŒberschritten ist und die Infektionszahlen wieder sinken.

Jetzt machen sie das Gegenteil und geben dem Druck zumindest teilweise nach. Am Samstag verkĂŒndeten sie, im Februar Woche fĂŒr Woche Teile der Forderungen umsetzen zu wollen. Es beginnt mit der Verschiebung der Sperrstunde, dann fĂ€llt die 2G-Pflicht im Handel und eine Woche spĂ€ter reicht in Gastronomie und Tourismus die 3G-Regel.

Dem Föderalismus erweisen die Landeshauptleute keinen guten Dienst. Ihr Populismus schwĂ€cht das Vertrauen in die Politik. Vorarlberg ist ĂŒbrigens jenes Bundesland, wo derzeit die wenigsten Corona-Tests durchgefĂŒhrt werden. Vielleicht sollte sich Wallner dieses Problems annehmen.

27. Januar 2022

Auschwitz – wie gedenkt man des Unfassbaren?

2022-01-28T15:39:51+01:0027.01.22, 20:56 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , |

27. JĂ€nner: Es ist der internationale Holocaust-Gedenktag. Weltweit gedenken Menschen der Befreiung von Auschwitz. FrĂŒher konnten Überlebende des Lagers berichten. Heute mĂŒssen wir alle das tun. Vol.at hat mich eingeladen, ĂŒber das Thema zu sprechen. Hier zum Nachhören und -sehen:

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

Hier erfahren sie mehr


Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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