Bildungspolitische Richtungsentscheidung am 15. Oktober
Am 15. Oktober kommt es in Österreich zu einer bildungspolitischen Richtungsentscheidung: Mit den Grünen vorwärts in ein gerechtes und leistungsfähiges neues Schulsystem oder mit ÖVP und FPÖ zurück in die Vergangenheit. Ach ja: Mit der SPÖ wird auch Stillstand angeboten.
Die FPÖ will gleich die alte Hauptschule wieder einführen. Im Programm heißt es wörtlich: „Beibehaltung und Verbesserung des bewährten differenzierten Schulsystems (Hauptschulen mit Leistungsgruppen, Gymnasien, berufsbildende mittlere und höhere Schulen etc.).“ Damit gestehen die Blauen – unfreiwillig – ihre bildungspolitische Ahnungslosigkeit ein, den Wandel der Hauptschulen zur Neuen Mittelschule haben sie offensichtlich nicht einmal mitbekommen, wenn sie diese „beibehalten“ wollen.
Und die ÖVP? Wie beim Wirtschaftsprogramm gibt es auch im Bereich der Bildung ein Paarlaufen mit der FPÖ: Diese fordert „ausreichende Kenntnis der Unterrichtssprache vor Schuleintritt“, die ÖVP präzisiert: „Erst wenn die Kinder ausreichende Sprachkenntnisse haben, sollen sie in den Regelschulbetrieb eingeschult werden.“ Und in der vierten Klasse der NMS will die ÖVP eine neue maturaähnliche Prüfung einführen, die sie perfiderweise als „Chancen-Pass“ betitelt. Worin der pädagogische Mehrwert und die „Chancen“ dieser neuen Prüfung bestehen könnte, erklärt uns die ÖVP nicht. Kann sie wohl auch nicht …
Was würden die schwarz-blauen Ausgrenzungsphantasien für Kinder bedeuten? Jene mit Deutschdefiziten in Ghettoklassen zu konzentrieren, würde die Probleme verschärfen. Was wir aber brauchen, ist aktive Integrations- und keine Separationspolitik. Die Trennung der Kinder und Jugendlichen ist nicht nur teuer und ungerecht, sondern lernpsychologisch sogar kontraproduktiv, denn kein Kleinkind lernt eine Umgangssprache im Klassenzimmer. Oder hat schon einmal jemand bemerkt, dass etwa ein vierjähriges Kind die Sprache im Klassenzimmer erlernt hätte?
Was wir stattdessen benötigen, ist ein Zweisäulenmodell: Das besteht zum einen aus einer durchgängigen Sprachenförderung vom Kindergarten bis zum Ende der Schullaufbahn, die integrativ stattfindet und neben der Förderung von Erst- und Bildungssprache auch gezielt auf Elternarbeit setzt. Zweitens sollen Kinder zum Beginn der Bildungslaufbahn eine flexible Schuleingangsphase durchlaufen. Diese dauert ein bis drei, in der Regel zwei Jahre und gibt Kindern die Möglichkeit, sich ohne Diskriminierung zu entwickeln und individuell gefördert zu werden. Kinder brauchen am Anfang der Bildungslaufbahn Zeit, um die Grundkompetenzen zu erwerben, dann sind sie besser auf die weitere Schullaufbahn vorbereitet.
Auch die vorschulische Bildung ist bei der ÖVP nicht in guten Händen. So ist sie bei der Umsetzung eines bundeseinheitlicher Qualitätsrahmen für Elementarpädagogik säumig. Dieser ist bereits im Regierungsprogramm 2013 versprochen, von der zuständigen ÖVP-Familienministerin aber nie umgesetzt worden. Ministerin Sophie Karmasin konnte weder das, noch das verpflichtende zweite Kindergartenjahr gegenüber den Ländern durchsetzen. Wir müssen an zukunftsorientierten Lösungsansätzen arbeiten, in die Bildung investieren statt zu kürzen und endlich auf die Erfahrung der Lehrkräfte hören, statt ideologische Ausgrenzungsphantasien zu betreiben, die langfristig nicht nur den betroffenen Kindern und Jugendlichen, sondern der ganzen Gesellschaft schaden.
Gerade in der Bildungspolitik braucht es uns Grüne mehr denn je!
Ich bin Vorarlberger und lebe sehr, sehr gerne im Ländle. Seit 2008 bin ich jobbedingt auch ein Wiener. Und ich kann sagen: Es gibt wohl kaum eine Großstadt dieser Welt, die dermaßen lebenswert ist wie Wien. Darum ärgert es mich, wenn Sebastian Kurz keine Gelegenheit auslässt, um auf Wien einzudreschen. Das ist ganz billiger Wahlkampf. Wien gehört zu den bestverwalteten Großstädten dieser Welt – übrigens auch schon vor der Grünen Regierungsbeteiligung!
Ist jemand glaubwürdig, der als Journalist etwas schreibt, was er als Politiker dann ablehnt? Rudolf Taschner macht genau das. Doch der Reihe nach.