Reiche Eltern fĂŒr alle!
Die Reichen in Ăsterreich werden immer reicher, die Armen dafĂŒr immer Ă€rmer. Unter dem Titel und der Forderung âVermögen besteuern!â habe ich in den âVorarlberger Nachrichtenâ dazu einen Kommentar verfasst.
Vor fĂŒnf Jahren kostete in Ăsterreich eine 70 Quadratmeter Neubauwohnung etwa sechs durchschnittliche Brutto-JahresgehĂ€lter. Heute sind es bereits zehn JahresgehĂ€lter â in Deutschland nur gut die HĂ€lfte. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis liegt bei 4176 Euro. Diese erschreckenden Zahlen veröffentlichte am Freitag das Beratungsunternehmen Deloitte.
Wohnungseigentum als Luxusgut? Und warum gerade in Ăsterreich? Die Kostenexplosion bei uns hat mehrere Ursachen. Eine davon ist die Tatsache, dass Vermögen in Ăsterreich im europĂ€ischen Vergleich extrem gering besteuert werden. Die Erbschaftssteuer wurde 2008 sogar gĂ€nzlich abgeschafft.Das hat dazu gefĂŒhrt, dass die Schere zwischen Reich und Arm weit auseinandergegangen ist. Und diese Entwicklung geht weiter: Das Erbvolumen wird sich laut Stefan Humer von der WirtschaftsuniversitĂ€t Wien bei uns bis 2040 auf etwa 20 Milliarden Euro verdoppeln. Ein groĂer Teil dieser riesigen Summen wird auch kĂŒnftig in Immobilien investiert werden.
Unbezahlbare GrundstĂŒcke?
Nicht fĂŒr alle: In Vorarlberg ist es ein offenes Geheimnis, dass sich die GrundstĂŒckspreise vor allem deshalb derart dramatisch erhöht haben, weil ein gutes Dutzend Superreicher ihr Geld sehr gewinnbringend in GrundstĂŒcke und andere Immobilien anlegen. Das fĂŒhrt zu praktisch steuerfreien gewaltigen VermögenszuwĂ€chsen bei jenen, die schon jetzt viel haben. Den Preis dafĂŒr bezahlen de facto jene jungen Familien, die sich eine eigene Wohnung oder gar ein Einfamilienhaus nicht mehr leisten können.
Im Landtag wurde daher zu Recht darĂŒber diskutiert, wie die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich eingedĂ€mmt werden kann. SPĂ-Abgeordnete Manuela Auer forderte eine Steuer auf hohe Erbschaften und Millionenvermögen. Daraufhin wurde gleich das Gespenst des Kommunismus an die Wand gemalt.
Zu Unrecht, wie ein paar Beispiele aus der Geschichte zeigen: Japan hat nach dem Zweiten Weltkrieg eine Sonderabgabe von 90 Prozent (!) fĂŒr die gröĂten Vermögen eingefĂŒhrt, Deutschland einmalig eine 50-prozentige Vermögensabgabe. In den USA stiegen im Zuge der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkrieges die Einkommenssteuern auf den Höchstsatz von 94 Prozent. Erst in den Achtzigerjahren senkte ihn Ronald Reagan dramatisch auf schlieĂlich 28 Prozent. Die Auswirkungen â soziale Unruhen und marode Infrastruktur â kann heute jeder sehen.
Zweckbindung
Die Arbeiterkammer schlĂ€gt eine gestaffelte Vermögensabgabe von zwei Prozent ab zehn Millionen Euro und vier Prozent ab einer Milliarde vor. Betroffen wĂ€re nur ein Prozent der Haushalte, die Einnahmen betrĂŒgen jĂ€hrlich sieben Milliarden. Die Zweckbindung dieses Geldes fĂŒr den Ausbau und die Sicherung des Pflegesystems wĂ€re sinnvoll.
Eines ist sicher: Wer gegen moderate Vermögens- und Erbschaftssteuern eintritt, gefĂ€hrdet mittelfristig den sozialen Frieden in Ăsterreich. Der Kauf einer kleinen Wohnung darf nicht zur Kategorie Luxus gehören.
In den âVorarlberger Nachrichtenâ habe ich unter dem Titel â
âJetzt ist schon wieder was passiertâ, könnte man mit einem berĂŒhmt gewordenen Satz des Schriftstellers Wolf Haas sagen. Es geht um die FPĂ-nahe Zeitschrift âZur Zeitâ. Die Plattform â