Rechtsextremismus und der Gewöhnungseffekt
Wir alle spĂŒren es: Das schleichende Gift rechtsextremer Menschenverachtung dringt in alle Poren unserer Gesellschaft.
Umso wohltuender ist es, wenn fallweise Exponenten des Staates Klartext sprechen und die liberale Demokratie verteidigen. Nein, leider: Ich spreche nicht von Ăsterreich. Ich spreche von Deutschland.
Der deutsche VerfassungsschutzprĂ€sident Thomas Haldenwang – ĂŒbrigens CDU-Mitglied – hat eine Warnung ausgesprochen. Er muss wissen, wovon er spricht: Der Rechtsextremismus in seinem Land habe eine neue Dynamik erhalten. Er verweist vor allem auf die Entwicklung in Ostdeutschland: âIch denke da vor allen Dingen an eine sehr intensive Vernetzung, ich denke da an Fake News und falsche Propaganda. Ich denke da an massive Gewalt auf den StraĂen.â
Er skizzierte in einem TV-Interview die besorgniserregende Entwicklung, dass sich aus gewalttĂ€tigen Gruppen, âdie SA-mĂ€Ăig durch die StraĂen marschieren – uniformiert mit Fahnen, Trommelschlag und Fackelnâ, kleine Terrorgruppen bilden (Haldenwang warnt vor „neuer Dynamik“ im Rechtsextremismus).
Noch gefĂ€hrlicher – und da sind wir leider mitten in der österreichische Entwicklung – sei aber der âintellektuelle Rechtsextremismusâ. Bei âintellektuellâ und ârechtsextremâ mĂŒssen ja nicht gleich an den niederösterreichischen FPĂ-Landesrat WaldhĂ€usl denken, sehr wohl aber an das aus IdentitĂ€ren und Burschenschaftern bestehende FPĂ-Umfeld.
Und an Ăsterreich denken muss man ganz massiv vor allem dann, wenn Haldewang davor warnt, dass Menschen aus der bĂŒrgerlichen Mitte der Gesellschaft mit Rechtsextremen zusammenarbeiten. Haldewang spricht von einer âMobilisierung durch Normalisierungâ. Dass so etwas gar auf Regierungsebene möglich ist, daran muss Haldewang in Deutschland hingegen nicht denken.
Diese âMobilisierungâ betreibt in Ăsterreich natĂŒrlich vor allem die FPĂ, ĂŒber die der Dichter Franzobel sehr prĂ€zise sagt: âDas ist eine Partei bewusster GrenzĂŒberschreitungen. Nach auĂen gibt man sich staatstragend, und dahinter wird versucht, das Unmanierliche gesellschaftsfĂ€hig zu machen.â
Da passt es natĂŒrlich gut ins Bild, wenn Ăsterreichs bekanntester Neonazi in einem Intervie mit einem deutschen Magazin namens âN.S. Heuteâ ĂŒber den österreichischen Vizekanzler brisante Details in der Hinterhand hat (âKĂŒssel ĂŒber Strache: „Da gab es einige lustige Auftritte“â). Ich zweifle nicht daran. Die zwei kennen sich aus frĂŒheren Zeiten ja sehr gut.
Bezeichnend ist, dass bei uns aufrechte ĂVPler wie der ehemalige Vizekanzler Reinhold Mitterlehner ganz Ă€hnlich argumentieren wie Haldewang oder Franzobel, aber kaum mehr gehört werden. Die âbĂŒrgerliche Mitteâ ist in Ăsterreich leider schon massiv geschrumpft.
In den âVorarlberger Nachrichtenâ habe ich zur politischen Situation kommentiert:



