3. Juli 2026

Hilfe für Herbert Kickl!

2026-07-03T12:22:12+02:0003.07.26, 12:06 |Kategorien: Allgemein, Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , |

Herbert Kickl ist kein Nazi, seine Sprache bereitet der extremen Rechten aber den BodenHerbert Kickl weiß nicht, warum das Wort „Remigration“ „so böse sein soll“. Ihm kann geholfen werden. Er ist kein Nazi, seine Sprache bereitet der extremen Rechten aber den Boden. Unter dem Titel „Vergiftete Sprache“ habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar geschrieben:

Remigration? „Ich weiß nicht, was an diesem Wort so böse sein soll“, meint FPÖ-Chef Herbert Kickl. Seine Partei bewirbt den Begriff in einem KI-generierten Video als „Sommerhit“: „Airbert One – Der Remigrationssong“. Mit dabei ist eine ebenso typische wie unappetitliche kalkulierte Provokation. In Anlehnung an Leopold Figls berühmten Satz nach Unterzeichnung des Staatsvertrags heißt es bei Kickl: „Remigration – tschüss, tschüss, tschüss. Österreich ist frei!“

Herr Kickl weiß natürlich, was am Begriff „böse“ ist. Er kennt den Verfassungsschutzbericht aus seinem ehemaligen Ministerium. Dort heißt es, der Begriff sei „völkisch aufgeladen“ und bedeute, dass neben Asylsuchenden auch „nicht assimilierte Staatsbürgerinnen und Staatsbürger zwangsweise außer Landes gebracht werden sollen“. Massendeportationen also. Auch das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz sieht das so. Der Begriff sei „menschenwürdewidrig“ und stelle auf „die Ausweisung aller ‚Volksfremden‘ ab“.
Martin Sellner, Chef der rechtsextremen Identitären, hat den Begriff verbreitet. Er will millionenfache Massenabschiebungen aus Deutschland und Österreich. Und er hat enge Verbündete in der FPÖ. Laut „profil“ marschieren die „FPÖ und der Rechtsextremist Martin Sellner“ diesbezüglich „politisch im Gleichschritt“.
Und sie sind erfolgreich. Wie weit der politische Diskurs in Österreich inzwischen nach Rechtsaußen verschoben worden ist, zeigt die Tatsache, dass „Remigration“ sogar Schwesterparteien der FPÖ wie dem „Rassemblement National“ in Frankreich zu extrem und „mit unseren Grundsätzen unvereinbar“ ist, so Parteichef Jordan Bardella.

Wir erleben in Österreich seit Jahren, dass Unsagbares sagbar wird, dass menschenverachtende Ausdrücke in die Alltagssprache übernommen werden. Wer Macht über die Sprache hat, der prägt das Denken der Menschen. Dem späteren Propagandaminister Joseph Goebbels ist es schon vor der NS-Machtübernahme perfekt gelungen, Sprache als politische Waffe zu gebrauchen und Gruppen von Menschen auszugrenzen. Das Resultat ist bekannt. Auch die derzeitigen Kriege werden begleitet von einem Krieg der Worte.

In der Demokratie können und müssen wir uns gegen die schleichende Vergiftung unserer Sprache mit gefährlichen Begriffen wehren. In Diktaturen ist das nicht mehr möglich.

Dass ausgerechnet Innenminister Gerhard Karner einen ähnlich gefährlichen Begriff der Rechtsextremen aufgreift, ist bedenklich. Noch bedenklicher ist allerdings, dass dies in der politischen Diskussion in Österreich kaum thematisiert wird. In der ORF-Pressestunde hat er die Asylstatistik präsentiert und den FPÖ-Begriff „Minuszuwanderung“ verwendet. Das ist Wasser auf die Mühlen der Rechtsextremen. Er müsste eigentlich wissen, dass Asyl ein Grundrecht für gefährdete Menschen ist und keine Zuwanderung.

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27. März 2026

Benzinpreis und kein Ende?

2026-03-26T12:23:27+01:0027.03.26, 9:02 |Kategorien: Allgemein, Klima und Umwelt|Tags: , |

Die Preise für Benzin und Diesel gehen momentan durch die Decke. Es scheint aber nicht so zu sein, dass die politisch Verantwortlichen im In- und Ausland die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Unter dem Titel „Heilsamer Ölpreisschock?“ dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten:

Der Ölpreisschock macht Europas Abhängigkeit von Öl- und Gaslieferungen aus Russland und den arabischen Staaten wieder überdeutlich. Nicht besser schaut es bei Atomkraftwerken aus. Mit Kasachstan deckt derzeit ein unsicherer Kantonist einen Großteil des weltweiten Bedarfs.

Der deutsche Bundeskanzler hat einst die richtigen Schlüsse gezogen und eine Energiewende gefordert: Europa müsse unabhängig von fossilen Energieträgern werden, neue Technologien entwickeln, den Ausstieg aus der Atomkraft vorantreiben, auf E-Autos, Sonnenenergie und andere Erneuerbare setzen.

Der Bundeskanzler hieß Helmut Schmidt. Das war seine Reaktion auf den Ölpreisschock in den Siebzigerjahren, woran jüngst die Süddeutsche Zeitung erinnerte. Schmidt hat es leider bei der Ankündigung belassen, die Atom-, Öl- und Gas-Lobby war zu einflussreich. Seither zahlt Europa Jahr für Jahr dreistellige Milliardenbeträge für fossile Energie.

Heute erleben wir eine ähnliche Preisexplosion wie damals. Die meisten derzeit präsentierten Rezepte zur Krisenbewältigung führen uns aber nicht aus der Krise, sondern immer tiefer in die energiepolitische Sackgasse.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete allen Ernstes den Ausstieg aus der „günstigen“ Kernkraft als „strategischen Fehler“. Ganz unter dem Eindruck der Atomlobby schwärmt sie vom Einsatz „kleiner Reaktoren“, vergisst aber dazuzusagen, dass es die noch gar nicht gibt.

Zudem gehört der Atomstrom in Wirklichkeit zu den teuersten Energieformen, wenn man die Milliardensubventionen und alle im Endkundenpreis meist nicht abgebildeten Kosten berücksichtigt: Rückbau, Zwischenlagerung des Atommülls, nach wie vor fehlende Endlager, unbezahlbare Risikoversicherung usw. Erdwärme, Wind- und Solarenergie sind dagegen im Betrieb ungefährlich, brauchen im Vergleich zu AKWs keine langen Planungszeiten, verringern die Abhängigkeiten vom Ausland und schützen das Klima.

WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr hat in der ZiB2 bezogen auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ähnlich argumentiert wie Helmut Schmidt: „2022 hätten wir vor allem eines tun sollen, nämlich mit viel mehr Tempo in die Erneuerbaren gehen, mit viel mehr Tempo die Elektromobilität anschieben. Wenn wir, wie Norwegen, 33 Prozent des Autoparks elektrisch hätten, ja, dann könnten viel mehr Österreicherinnen und Österreicher entspannt auf die Entwicklung bei den Zapfsäulen schauen.“

Zudem drängt sich ein Rezept des damaligen Bundeskanzlers Bruno Kreisky geradezu auf: Tempo 100 auf Autobahnen. Das deutsche Umweltbundesamt hat errechnet, dass das den Spritverbrauch um 23 Prozent reduzieren würde. Es kostet nichts, bringt mehr Sicherheit, verbessert die Klimabilanz, spart dem Staat und den Autofahrern viel Geld.

13. März 2026

Vorarlberg: „Bieder statt weltoffen?“

2026-03-13T09:09:54+01:0013.03.26, 9:03 |Kategorien: Allgemein|Tags: , , , , |

Nach Jahrzehnten bleierner Stagnation in der Kulturpolitik gab es in Vorarlberg gegen Ende des vorigen Jahrhunderts eine wohltuende Durchlüftung. Aber seit die FPÖ wieder in der Regierung ist, scheinen die schwarzen Granden damit Schluss machen zu wollen. Die Nicht-Verlängerung des Vertrags mit der Intendantin des Landestheaters Stephanie Gräve ist ein Beispiel dafür und nicht akzeptabel. Hier mein Kommentar zu dieser Entwicklung in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel „Bieder statt weltoffen?“:

Das waren noch Zeiten: Der vor sechs Jahren verstorbene ehemalige Kultur-Landesrat Guntram Lins hat gegen Ende des vorigen Jahrhunderts die (Hoch-)Kulturszene des Landes wachgeküsst und zudem bereits bestehende lokale Initiativen wie den Spielboden oder den Saumarkt gefördert. Zudem hat er unser Land mit dem trotz heftiger Widerstände errichteten Kunsthaus in Bregenz auch international ins Blickfeld gerückt – geplant vom weltweit angesehenen Architekten Peter Zumthor und geführt von Edelbert Köb.

Vorarlberg hat in dieser Zeit an „Heimat, Verwurzelung in Traditionen … nicht verloren, aber an Weltoffenheit und damit an neuem, offensivem Selbstbewusstsein gewonnen“ – so der damalige Landeshauptmann Martin Purtscher.

Die damals eingeleitete Entwicklung hat lange nachgewirkt. Jahre nach Lins wurde mit Hanno Loewy bewusst ein international renommierter Literatur- und Medienwissenschaftler, Publizist und Kurator aus Frankfurt nach Vorarlberg geholt. Er hat in seiner über 20-jährigen Zeit als Direktor das Jüdische Museum Hohenems zu einem Ort des intensiven kulturellen, politischen und religiösen Dialogs gemacht und auch die Regionalgeschichte nicht vergessen. Man denke etwa an die über 100 Fluchtgeschichten an Hörstationen zwischen dem Bodensee und der Silvretta.

Zum Glück bleibt Loewy dem hiesigen Kulturleben trotz seines Pensionsantritts Ende März erhalten und wird – so ist zu hoffen – eher einen „Unruhestand“ antreten. Er ist eine Bereicherung für Vorarlberg.
Nicht erhalten bleibt uns aber eine andere Bereicherung: die amtierende Leiterin des Landestheaters Stephanie Gräve. Am Dienstag hat Kulturlandesrätin Barbara Schöbi-Fink ihre nicht nachvollziehbare Entscheidung bekanntgegeben, den bis 2028 laufenden Vertrag mit der Intendantin nicht zu verlängern. Und das trotz der tollen Entwicklung, die das Haus am Kornmarktplatz genommen hat.

Gräve hat mit bescheidenen finanziellen Mitteln viel aus dem bis zu ihrem Amtsantritt etwas verstaubt wirkenden Theater herausgeholt. Neben Klassikern gab es moderne, experimentelle Stücke und eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen. Auch der regionale Bezug kam nicht zu kurz: Zuletzt wurde jedes Jahr ein von Gräve in Auftrag gegebenes Stück über herausragende Persönlichkeiten des Landes gespielt – von Franz Michael Felder über Maria Stromberger bis zu Carl Lampert.

Dass sie sich auch für bessere Arbeitsbedingungen im Theaterbetrieb eingesetzt und ein engagiertes Ensemble zusammengesetzt hat, rundet ihr erfolgreiches Wirken ab. Das Landestheater wurde zu einem Ort spannender, innovativer und mutiger Aufführungen ganz ohne provinzielle Enge und regionale Biederkeit. Das hat nicht allen gefallen – vor allem nicht im Landhaus. Was wohl Guntram Lins zu dieser Entwicklung gesagt hätte?

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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