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13. MĂ€rz 2026

Vorarlberg: „Bieder statt weltoffen?“

2026-03-13T09:09:54+01:0013.03.26, 9:03 |Kategorien: Allgemein|Tags: , , , , |

Nach Jahrzehnten bleierner Stagnation in der Kulturpolitik gab es in Vorarlberg gegen Ende des vorigen Jahrhunderts eine wohltuende DurchlĂŒftung. Aber seit die FPÖ wieder in der Regierung ist, scheinen die schwarzen Granden damit Schluss machen zu wollen. Die Nicht-VerlĂ€ngerung des Vertrags mit der Intendantin des Landestheaters Stephanie GrĂ€ve ist ein Beispiel dafĂŒr und nicht akzeptabel. Hier mein Kommentar zu dieser Entwicklung in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel „Bieder statt weltoffen?“:

Das waren noch Zeiten: Der vor sechs Jahren verstorbene ehemalige Kultur-Landesrat Guntram Lins hat gegen Ende des vorigen Jahrhunderts die (Hoch-)Kulturszene des Landes wachgekĂŒsst und zudem bereits bestehende lokale Initiativen wie den Spielboden oder den Saumarkt gefördert. Zudem hat er unser Land mit dem trotz heftiger WiderstĂ€nde errichteten Kunsthaus in Bregenz auch international ins Blickfeld gerĂŒckt – geplant vom weltweit angesehenen Architekten Peter Zumthor und gefĂŒhrt von Edelbert Köb.

Vorarlberg hat in dieser Zeit an „Heimat, Verwurzelung in Traditionen 
 nicht verloren, aber an Weltoffenheit und damit an neuem, offensivem Selbstbewusstsein gewonnen“ – so der damalige Landeshauptmann Martin Purtscher.

Die damals eingeleitete Entwicklung hat lange nachgewirkt. Jahre nach Lins wurde mit Hanno Loewy bewusst ein international renommierter Literatur- und Medienwissenschaftler, Publizist und Kurator aus Frankfurt nach Vorarlberg geholt. Er hat in seiner ĂŒber 20-jĂ€hrigen Zeit als Direktor das JĂŒdische Museum Hohenems zu einem Ort des intensiven kulturellen, politischen und religiösen Dialogs gemacht und auch die Regionalgeschichte nicht vergessen. Man denke etwa an die ĂŒber 100 Fluchtgeschichten an Hörstationen zwischen dem Bodensee und der Silvretta.

Zum GlĂŒck bleibt Loewy dem hiesigen Kulturleben trotz seines Pensionsantritts Ende MĂ€rz erhalten und wird – so ist zu hoffen – eher einen „Unruhestand“ antreten. Er ist eine Bereicherung fĂŒr Vorarlberg.
Nicht erhalten bleibt uns aber eine andere Bereicherung: die amtierende Leiterin des Landestheaters Stephanie GrÀve. Am Dienstag hat KulturlandesrÀtin Barbara Schöbi-Fink ihre nicht nachvollziehbare Entscheidung bekanntgegeben, den bis 2028 laufenden Vertrag mit der Intendantin nicht zu verlÀngern. Und das trotz der tollen Entwicklung, die das Haus am Kornmarktplatz genommen hat.

GrĂ€ve hat mit bescheidenen finanziellen Mitteln viel aus dem bis zu ihrem Amtsantritt etwas verstaubt wirkenden Theater herausgeholt. Neben Klassikern gab es moderne, experimentelle StĂŒcke und eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen. Auch der regionale Bezug kam nicht zu kurz: Zuletzt wurde jedes Jahr ein von GrĂ€ve in Auftrag gegebenes StĂŒck ĂŒber herausragende Persönlichkeiten des Landes gespielt – von Franz Michael Felder ĂŒber Maria Stromberger bis zu Carl Lampert.

Dass sie sich auch fĂŒr bessere Arbeitsbedingungen im Theaterbetrieb eingesetzt und ein engagiertes Ensemble zusammengesetzt hat, rundet ihr erfolgreiches Wirken ab. Das Landestheater wurde zu einem Ort spannender, innovativer und mutiger AuffĂŒhrungen ganz ohne provinzielle Enge und regionale Biederkeit. Das hat nicht allen gefallen – vor allem nicht im Landhaus. Was wohl Guntram Lins zu dieser Entwicklung gesagt hĂ€tte?

27. Februar 2026

Es braucht die Gemeinsame Schule!

2026-02-27T11:36:09+01:0027.02.26, 11:33 |Kategorien: Bildung|Tags: , , |

Die Chance auf eine grundlegende Bildungsreform auf Basis einer breiten und wissenschaftlich fundierten Analyse und einer entsprechenden Empfehlung bestand vor zehn Jahren. Warum die Chance damals nicht genutzt wurde und der jetzige Vorschlag einer sechsjĂ€hrigen Volksschule problematisch ist, habe ich in einem Kommentar unter dem Titel „Bildungspolitische Bombe?“ in den Vorarlberger Nachrichten erlĂ€utert:

Stress fĂŒr die Neun- bis ZehnjĂ€hrigen, ihre Eltern und die Schulen: Das Aufnahmeverfahren fĂŒr weiterfĂŒhrende Schulen lĂ€uft gerade. Dieser Stress ist unnötig und kontraproduktiv. Österreich hat eines der teuersten Schulsysteme Europas – mit leider sehr dĂŒrftigen Ergebnisse. Ursachen dafĂŒr gibt es viele. Es braucht daher eine grundlegende Reform.

Wie man dabei vorgehen soll, hat Vorarlberg beispielhaft vorgemacht. Fachleute analysierten den Ist-Zustand, befragten LehrkrĂ€fte, Eltern, SchĂŒlerinnen und SchĂŒler. Das Ergebnis war eindeutig: Die nur noch in Österreich und Deutschland praktizierte viel zu frĂŒhe Trennung der Kinder nach der Volksschule ist das Hauptproblem. Es braucht eine Gemeinsamen Schule bis zum 14. Lebensjahr.

Der Vorarlberger Landtag beschloss daraufhin fast einstimmig – nur eine Neos-Abgeordnete war dagegen – die landesweite Umsetzung auf Basis von Individualisierung und innerer Differenzierung. Das war ein Auftrag an die Landesregierung und zugleich eine bildungspolitische Bombe. In ganz Österreich keimte die Hoffnung, dies könnte der Anfang einer österreichweiten Reform sein. Das ist ĂŒber zehn Jahre her. Die „Bombe“ wurde leider zum Rohrkrepierer.

Der Beschluss ist zwar noch aufrecht, die zustÀndige LandesrÀtin scheint aber desinteressiert zu sein und der Landeshauptmann bremste den Landtagsbeschluss auf Bundesebene sogar aus. Dabei gab es in seiner Partei mit Reinhold Mitterlehner einen Obmann, der sich in Richtung Gemeinsame Schule bewegt hatte.

Ob die sechsjĂ€hrige Volksschule von Bildungsminister Christoph Wiederkehr das Problem lösen wĂŒrde? In Wien hat er als Bildungsstadtrat grĂ¶ĂŸere Probleme hinterlassen als bei Amtsantritt vorgefunden. Seither diskutiert er als Minister ĂŒber ein Kopftuchverbot, die leichtere Suspendierung von Problem-Kindern aus dem Unterricht und zuletzt ĂŒber Handyverbot oder Ausmaß von Latein-Stunden. Mit einer grundlegenden Reform hat das wenig zu tun. Weiß er es nicht besser oder kann er sich gegen die ÖVP nicht durchsetzen?

Das Vorarlberger Modell beruhte auf wissenschaftlicher Evidenz. FĂŒr eine sechsjĂ€hrige Volksschule hingegen gibt es keine LehrplĂ€ne oder Vorarbeiten, nicht genug ausgebildete LehrkrĂ€fte, Schulraum etc. Was wird aus den von vier auf zwei Jahre „halbierten“ Mittelschulen?

Warum orientieren wir uns nicht am SĂŒdtirol Modell? Das ist eine vergleichbare Region mit einer Gemeinsamen Schule und hervorragenden Ergebnissen: halb so viele Kinder mit LeseschwĂ€chen und – trotz fehlender gymnasialer Langform – deutlich mehr Spitzenleistungen.

„Lehrlingspapst“ Egon Blum bemĂ€ngelte schon vor Jahren die fehlenden Basics bei vielen Lehrlingen: Lesen, Schreiben und Rechnen. Wie heftig mĂŒssen die Probleme noch werden, bis Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung in Sachen Schulreform „ihre“ ÖVP zur RĂ€son bringen? Eventuell nach dem Motto: „GehtÂŽs der Schule gut, geht’s der Wirtschaft gut!“ Sowie Kindern und Eltern – sei hinzugefĂŒgt.

13. Februar 2026

Der nÀchste blau-braune Einzelfall!

2026-02-12T15:30:24+01:0013.02.26, 8:11 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , |

Der FPÖ-VizeprĂ€sident des Vorarlberger Landtags relativiert in einer vorbereiteten und vom Blatt gelesenen Rede den Holocaust durch seinen Vergleich mit den „Appenzeller Kriegen“ oder Vergewaltigungen durch „marokkanische Soldaten“. Solche Skandale kennen wir leider seit langem. Nachzulesen bei sogenannten „EinzelfallzĂ€hler“ auf der Plattform „Stoppt die Rechten“. Kinz ist kein Nazi, der Vorfall dennoch typisch fĂŒr die FPÖ.

Warum das eigentliche Problem aber die ÖVP ist, die zu allem schlicht und einfach schweigt, habe ich in einem Kommentar unter dem Titel „Hubert Kinz und die ÖVP“ thematisiert:

Auf die FPÖ kann man sich verlassen. In unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden relativieren ihre Spitzenleute die NS-Verbrechen und sorgen fĂŒr einen Skandal. Meist wird dann zurĂŒckgerudert, von „Einzelfall“, „MissverstĂ€ndnis“ oder einer „böswilligen Unterstellung“ gesprochen. In Wirklichkeit sei alles „ganz anders gemeint gewesen“. So auch letzte Woche, als mit FPÖ-LandtagsvizeprĂ€sident Hubert Kinz wieder einer aus der blauen Riege Unsagbares gesagt hat.

Was war passiert? Der GrĂŒne Abgeordnete Bernie Weber hatte einen Antrag zu einem Landesleitbild „Erinnerungskultur Vorarlberg“ im Zusammenhang mit dem NS-Gedenken eingebracht. Hubert Kinz war darauf vorbereitet, schrieb zuhause eine Rede und las sie vor. Die Empörung der gesamten Opposition war ihm gewiss. Zurecht!

Kinz hatte den in der Geschichte einzigartigen industriellen Massenmord der Nationalsozialisten relativiert. Man dĂŒrfe nicht „einzelne Ereignisse herauspicken“. Es habe auch die „Appenzeller Kriege“ gegeben und andere GrĂ€ueltaten wie Vergewaltigungen durch marokkanische Besatzungssoldaten.

Wer bei Vergewaltigungen im Krieg an Marokkaner denkt, sollte sich informieren: Vergewaltiger wurden von der französischen Besatzungsmacht meist umgehend standrechtlich erschossen – auch in Vorarlberg. Und die „saubere Wehrmacht“? Die dokumentierte 5349 FĂ€lle – meist an der Westfront. An der Ostfront war sexuelle Gewalt Teil des rassistisch motivierten Vernichtungskrieges. Laut Erlass vom 13. Mai 1941 wurden Straftaten deutscher Soldaten offiziell dem „Verfolgungszwang“ entzogen, was – so die neuere Forschung – „sexuelle Gewaltexzesse“ zur Folge hatte.

Über diese Fakten sowie das Morden in den NS-Vernichtungslagern schwieg man nach 1945 lieber. Wer das nicht getan hat, wurde nicht selten als „Nestbeschmutzer“ diffamiert. In der von hochrangigen ehemaligen Nationalsozialisten und SS-MĂ€nnern gegrĂŒndeten FPÖ gilt diese Haltung offenkundig bis heute. Das FĂŒhrungspersonal wurde in den braun-modrigen Kellern der Burschenschaften sozialisiert. Dort besang (und besingt?) man schon mal den Massenmord an sechs Millionen Juden: „Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million!“

Und wie geht die ÖVP mit dem Skandal um? Immerhin hat Altlandeshauptmann Herbert Sausgruber im Jahr 2009 nach dem „Juden-Sager“ des damaligen FPÖ-Chefs Dieter Egger die Koalition mit den Freiheitlichen umgehend beendet. Und heute? Der LandtagsprĂ€sident sagt, ihm sei bei der Rede von Kinz „nichts aufgefallen“. Nach den Protesten der Opposition habe er Kinz gebeten, seine Aussage zu erklĂ€ren. Einen Ordnungsruf gab es nicht. Und der Landeshauptmann? Markus Wallner ist in dieser Frage auf Tauchstation. Vielleicht ĂŒberlegt er sich fĂŒr sein Wiederauftauchen diese Stellungnahme: „Herr Kinz, treten Sie zurĂŒck!“

Und wie geht die ÖVP mit dem Skandal um? Immerhin hat Altlandeshauptmann Herbert Sausgruber im Jahr 2009 nach dem „Juden-Sager“ des damaligen FPÖ-Chefs Dieter Egger die Koalition mit den Freiheitlichen umgehend beendet. Und heute? Der LandtagsprĂ€sident sagt, ihm sei bei der Rede von Kinz „nichts aufgefallen“. Nach den Protesten der Opposition habe er Kinz gebeten, seine Aussage zu erklĂ€ren. Einen Ordnungsruf gab es nicht. Und der Landeshauptmann? Markus Wallner ist in dieser Frage auf Tauchstation. Vielleicht ĂŒberlegt er sich fĂŒr sein Wiederauftauchen diese Stellungnahme: „Herr Kinz, treten Sie zurĂŒck!“

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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