Doskozil spielt mit dem Feuer
Es ist so halb im Ernst, wenn auf Twitter die Gedankenspiele laufen, der burgenlĂ€ndische Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil könnte mit FPĂ-Boss Hofer eine eigene Partei grĂŒnden. Peinlich genug fĂŒr einen Sozialdemokraten.
Aber das gefĂ€hrliche Spiel mit der Corona-Ăffnung und der Bruch der SolidaritĂ€t mit den beiden anderen BundeslĂ€ndern Wien und Niederösterreich ist schlicht verantwortungslos.
In den âVorarlberger Nachrichtenâ habe ich unter dem Titel âDoskozils Höllenrittâ ein paar Gedanken dazu verfasst. Hier zum Nachlesen:
Die Binsenweisheit, dass ein Virus an Landesgrenzen nicht haltmacht, muss einigen offenkundig in Erinnerung gerufen werden. Dem burgenlÀndischen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil zum Beispiel.
Er hat seine eigenen Vorstellungen ĂŒber die BekĂ€mpfung des Virus und schert aus der SolidaritĂ€t der drei östlichen BundeslĂ€nder aus. WĂ€hrend man in Wien und Niederösterreich den Lockdown bis 2. Mai verlĂ€ngert, wird er im Burgenland beendet. Der Beifall der â nicht nur in Sachen Corona â völlig ohne jedes VerantwortungsgefĂŒhl agierenden FPĂ ist ihm gewiss. Die Skepsis der Fachleute ebenso.
LandesfĂŒrsten-Problematik
Föderalismus ist an sich eine gute Sache. In vielen Bereichen sind regionale LösungsansĂ€tze effizient und schnell umsetzbar. In Sachen Pandemie-BekĂ€mpfung ist das nicht so. Zwar wurden im Burgenland die Covid-Intensivbetten auf 35 aufgestockt, doch â so die Zahlen Mitte der letzten Woche â schon jetzt sind 27 davon belegt. Planbare Operationen mĂŒssen verschoben werden. Niederösterreich und Wien werden bald die Zeche fĂŒr Doskozils Höllenritt durch die Pandemie bezahlen und Lungen-Intensiv-Patienten aufnehmen mĂŒssen.
Was geht im Kopf eines verantwortlichen Politikers vor, der in dieser Situation Ăffnungsschritte veranlasst? Will er skurrilen Corona-Skeptikern gefallen? Oder hat die Ăffnung in Vorarlberg pannonische Begehrlichkeiten geweckt?
Vorarlbergs Sonderweg
Das Beispiel Vorarlberg aber ist ungeeignet. Unser Land ist aufgrund seiner geografischen Lage ein österreichischer Sonderfall. Und trotz wesentlich besserer Voraussetzungen und niedriger Fallzahlen waren die Ăffnungsschritte gefĂ€hrlich genug.
Die in den VN tĂ€glich veröffentlichte grafische Darstellung der bestĂ€tigten Zahl an Neuinfektionen lĂŒgt nicht: Wir hatten vor einiger Zeit österreichweit noch mit weitem Abstand die niedrigsten Werte und waren auch verglichen mit anderen Bodensee-Regionen sehr gut unterwegs. Das hat sich inzwischen geĂ€ndert.
Immerhin aber ist es dank eines unkomplizierten Zugangs zu Test-Möglichkeiten bislang gelungen, ein exponentielles Wachstum der Infektionszahlen zu verhindern. Hoffentlich bleibt das so.
Durchsetzungskraft nötig
Heute wird Gesundheitsminister Wolfgang MĂŒckstein angelobt. Er hat sich letzte Woche schon weit aus dem Fenster gelehnt und gemeint, er scheue sich nicht, unpopulĂ€re MaĂnahmen zu setzen. Man darf ihm dazu viel Durchsetzungsvermögen wĂŒnschen. Selbstherrliche LandesfĂŒrsten werden eventuell ein paar HĂŒrden aufstellen.
Erfreulich ist immerhin, dass einige Verantwortung zeigen und den populistischen Versuchungen widerstehen. SPĂ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner antwortete am Samstag auf die Frage, ob der burgenlĂ€ndische Landeshauptmann mit der Ăffnung ein âzu hohes Risikoâ gehe mit einem unmissverstĂ€ndlichen: âDas ist soâ.
Sebastian Kurz gebĂ€rdet sich in der EU derzeit wie der berĂŒchtigte âElefant im Porzellanladenâ. Wie groĂ ist der auĂenpolitische Schaden, den er durch seine sachlich nicht gerechtfertigten Frontalattacken auf âdie EUâ angerichtet hat. Dazu mein Kommentar in den âVorarlberger Nachrichtenâ unter dem Titel â
RegelmĂ€Ăige Ausschreitungen sind in Ăsterreich ungewöhnlich, passieren derzeit aber Woche fĂŒr Woche. Im Hintergrund schĂŒren FPĂ, IdentitĂ€re und andere Rechtsextreme. Sie sind derzeit politisch auch die Profiteure. Die FPĂ lenkt ab vom Desaster ihrer Regierungbeteiligung, den unzĂ€hligen KorruptionsfĂ€llen und den rechtsextremen âEinzelfĂ€llenâ. IdentitĂ€re und andere Rechtsextreme haben plötzlich die Möglichkeit, sich als âVolksbewegungâ zu prĂ€sentieren. In den âVorarlberger Nachrichtenâ habe ich unter dem Titel â