1. Januar 2026

Kuschen vor Trump, China und Putin?

2026-01-01T17:01:21+01:0001.01.26, 16:57 |Kategorien: Allgemein|Tags: , , |

Die Antwort auf die Frage in der Überschrift impliziert ein eindeutiges Nein! Doch dazu braucht es ein – im Gegensatz zu jetzt – starkes und geeintes Europa. LĂ€nder, die nicht mitmachen wollen, bleiben dann halt außen vor. Nur Deutschland und Frankreich mĂŒssen zwingend mit dabei sein. Dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel „Die Zeit drĂ€ngt!“

Zum Jahresbeginn eine zentrale Frage: Wie lange noch lĂ€sst sich Europa von den USA und China am Nasenring durch die Manege ziehen? Bislang hat man den Eindruck, dass alle Provokationen, RegelverstĂ¶ĂŸe und sonstigen UnsĂ€glichkeiten wie Trumps erratische Zollpolitik von der EU in Demut und UnterwĂŒrfigkeit hingenommen werden.

Die USA belegen inzwischen sechs Richter und drei StaatsanwĂ€lte des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag mit Sanktionen, weil ihnen deren Urteile und Anklagen nicht passen. Sogar der ehemalige EU-Kommissar Thierry Breton sowie viele weitere Persönlichkeiten werden sanktioniert. Ihr Vergehen: Sie verlangen von den mĂ€chtigen US-Konzernen Maßnahmen gegen Hass im Internet.

Isolde Charim beschreibt im „Falter“ am Beispiel des französischen Richters Nicolas Guillou, was das bedeutet. Guillou bekam nicht nur ein Einreiseverbot in die USA, die Trump-hörigen Internet-Giganten haben auch sein soziales Leben massiv eingeschrĂ€nkt – so kann er etwa kein Onlinebanking mehr durchfĂŒhren.

Die zögerliche Ursula von der Leyen und ihre Kommission schĂŒtzen unseren digitalen Raum ebenso wenig wie sie gegen chinesische Konzerne wie Temu, AliExpress oder Shein vorgehen. Die gefĂ€hrden mit giftigen Chemikalien die Gesundheit ihrer Kundschaft und unserer Umwelt – zudem mit Steuertricks auch unseren Kleinhandel und unsere Industrie.

Europa muss selbstbewusster auftreten und sich neu ordnen. Einerseits brauchen wir digitale SouverĂ€nitĂ€t, denn ohne sie ist inzwischen kein Rechtsstaat mehr möglich. Andererseits muss unsere Wirtschaft vor der Schmutzkonkurrenz aus Fernost geschĂŒtzt werden.

Derzeit verhindern entsprechende Maßnahmen allerdings nicht nur die eigene Zögerlichkeit, sondern auch interner Widerstand. Trump- und Putin-Fans lĂ€hmen die EU innenpolitisch – man denke an Ungarn und die Slowakei oder weitere Getreue wie den Rassemblement National in Frankreich, die AfD oder die FPÖ.

Die Wahlen in diesem Jahr werden wegweisend sein. Im April geht es in Ungarn darum, ob es dem konservativen OppositionsfĂŒhrer PĂ©ter Magyar gelingt, sein Land wieder zu einem pro-europĂ€ischen Bollwerk zu machen. In Deutschland stehen in vielen BundeslĂ€ndern ebenfalls Wahlen an: Werden sie zu einem Triumphzug fĂŒr die EU-Feinde?

Die Bedrohungen durch China, Russland und inzwischen auch den USA sind in den letzten Jahren und Monaten allzu offenkundig geworden. Die Zukunft des „Alten Kontinents“ darf mittelfristig aber nicht von Wahlen in einzelnen MitgliedslĂ€ndern oder gar nur deutschen BundeslĂ€ndern abhĂ€ngig sein. Es braucht eine Weiterentwicklung der EU.

Vor allem Deutschland und Frankreich sind gefordert, die alte Idee eines „Kerneuropa“ mit jenen EU-Staaten wiederzubeleben, die dazu bereit sind. Nur so kann aus dem politischen Zwerg und wirtschaftlichen Riesen Europa ein demokratischer Gegenentwurf zu den jetzigen drei WeltmĂ€chten China, USA und Russland werden. Die Zeit drĂ€ngt!

27. November 2025

Habermas weist den Weg nach Europa!

2025-11-27T20:46:36+01:0027.11.25, 20:46 |Kategorien: Allgemein|Tags: , , |

Braucht es wirklich einen 96-jĂ€hrigen Philosophen, der dem europĂ€ischen politischen Establishment den Weg in die Zukunft weist? Es scheint so. JĂŒrgen Habermas hat letzte Woche Klartext gesprochen. Kurz zusammengefasst: Wir brauchen mehr Europa! Dazu habe ich unter dem Titel „Chance fĂŒr Europa“ in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar verfasst:

Die diplomatischen Turbulenzen rund um einen möglichen Friedensvertrag fĂŒr die Ukraine machen Europas geopolitisches Dilemma sichtbar. Verhandelt haben zuerst die USA und Russland, dann erst wurden die EU, Großbritannien und auch die Ukraine einbezogen. Auch China will gehört werden. Ein von allen Parteien akzeptierter Friedensplan scheint derzeit in weiter Ferne.

Die EU tut sich mit einer klaren Positionierung schwer, gibt es doch Mitgliedsstaaten, die sogar dem ursprĂŒnglichen Trump-Plan zustimmen wollten. Die Mehrstimmigkeit schwĂ€cht den „Alten Kontinent“ massiv. Zudem gibt es kaum Stimmen mit politischem Gewicht, die einen Weg aus dieser schwierigen Situation weisen wĂŒrden.

Immerhin hat mit JĂŒrgen Habermas letzte Woche ein Philosoph bei einem Vortrag in MĂŒnchen und in einem Artikel fĂŒr die SĂŒddeutsche Zeitung („Von hier an mĂŒssen wir alleine gehen“) die Richtung gewiesen: Wir brauchen mehr Europa!

China, Russland und zuletzt sogar die USA sehen in den liberalen Demokratien Europas Auslaufmodelle. Die drei WeltmÀchte sind oder entwickeln sich zu autoritÀren Regimen. Völkerrecht? Egal. Menschenrechte? Das war einmal. Und auch in Europa sind die Feinde einer offenen Gesellschaft im Aufwind.
Diese Entwicklung hat sich schon lĂ€nger angebahnt. Die Bevölkerung in den USA ist seit dem 11. September 2001 tief verunsichert. Die einstige Supermacht hat seither zunehmend an Einfluss verloren. Das Ergebnis ist ein großspurig auftretender Politiker wie Trump mit seiner unberechenbaren Politik. Seither sind die USA kein verlĂ€sslicher Partner mehr.

Auf diese Entwicklung muss die wirtschaftliche Großmacht EU eine Antwort finden. Die kann nur darin bestehen, die politische Einigung voranzutreiben. Und dies im Gegensatz zu den drei genannten MĂ€chten unter Beibehaltung menschen- und völkerrechtlicher Prinzipien.

Allerdings sind neben den Rechtspopulisten vor allem die jĂŒngeren EU-Mitglieder in Osteuropa ein Hemmschuh fĂŒr so eine Entwicklung. Diese LĂ€nder sind zwar die vehementesten BefĂŒrworter einer massiven AufrĂŒstung aller MitgliedslĂ€nder, gleichzeitig aber am wenigstens bereit, ihre „nationalstaatlichen VerfĂŒgungsgewalten“ zugunsten eines starken Europa einzuschrĂ€nken.

Das wird sich so nicht ausgehen. Daher wurde schon vor Jahren die Idee eines „Kerneuropa“ diskutiert. Begeisterung fĂŒr Europa wĂ€re auch eine Chance, dem zunehmenden Nationalismus und Rechtspopulismus etwas entgegenzusetzen. Auch Österreich wird Farbe bekennen mĂŒssen: mitgestalten und Mitglied dieses „Kerneuropa“ sein oder die Entwicklung von der Seitenlinie aus betrachten?

Habermas mit seinen 96 Jahren sieht und beschreibt die Herausforderungen klar. Fehlt nur noch, dass auch die politisch Verantwortlichen die Notwendigkeiten erkennen.

21. Februar 2025

Putin, Trump und die FPÖ

2025-02-21T10:22:18+01:0021.02.25, 8:56 |Kategorien: Gesellschaft|Tags: , , , , |

Man darf nicht furchtsam sein in diesen Zeiten. Obwohl Figuren wie Wladimir Putin, Donald Trump und das FĂŒhrungspersonal in FPÖ und AfD durchaus Anlass dazu geben. Unter dem Titel „WĂ€chst das Rettende auch?“ habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar geschrieben. Hier zum Nachlesen:

Rechtsaußen-Parteien wie die FPÖ oder die AfD jubeln. Donald Trump gab ihrem BĂŒndnispartner Wladimir Putin recht und schob PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj die Schuld an der langen Dauer des Ukraine-Krieges zu. Dieser – und nicht Putin – sei zudem ein demokratisch nicht legitimierter „Diktator“.

Ähnlich verstörend agierte Trumps VizeprĂ€sident J. D. Vance am vergangenen Wochenende bei der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz. Er sprach ĂŒber die Bedrohungen fĂŒr die Sicherheit in Europa und schaffte es, dabei kein Wort ĂŒber den Ukraine-Krieg zu verlieren. Unheil drohe unserem Kontinent nicht durch Russland oder China, gefĂ€hrlich seien die „Feinde im Inneren“. Europa sei „keine Demokratie“ und es gebe hier „mangelnde Meinungsfreiheit“, weil russische Sender zensuriert wĂŒrden. Wie können derart mĂ€chtige Politiker derartigen Unsinn verbreiten?

Das alles ist jedenfalls ganz nach dem Geschmack des reichsten Mannes der Welt und seiner Plattform „X“. Dort stimmt man solchen Thesen begeistert zu. Elon Musk beklagte beispielsweise, dass europĂ€ische LĂ€nder bei hetzerischen Postings die Herausgabe von Nutzerdaten verlangen. Er hĂ€lt es fĂŒr Zensur, wenn man Hetze auf sozialen Plattformen einzuschrĂ€nken versucht. Dabei ist erwiesen, dass sich die AttentĂ€ter der letzten Monate dort radikalisiert haben.

Zudem: Meinungsfreiheit in den USA? Dort, wo die jetzige Regierung KinderbĂŒcher – wie jenes der Oscar-PreistrĂ€gerin Julianne Moore – und BĂŒcher, die mit der „Gender-Ideologie oder der Gleichstellungsideologie in Verbindung stehen“, aus Schulbibliotheken verbannt werden? Wo unerbittlich gegen Menschen vorgegangen wird, die sich als Gegner der jetzigen Regierung outen? Wo Einwanderer, Menschen mit nichtweißer Hautfarbe oder kritische Journalisten vom mĂ€chtigsten Mann im Staat als vermeintliche „Feinde des Volkes“ diffamiert werden?

Die FPÖ hat völlig recht, wenn sie davon spricht, es gehe „vor allem um die Lufthoheit“ im Internet. „BrĂŒssel“ wolle „regulieren“, die mĂ€chtigen US-Konzerne hingegen seien Garanten fĂŒr die „Meinungsfreiheit“. Angesichts solcher Töne ist eines klar: Unsere Demokratie hat „Feinde im Inneren“, aber nicht jene, die Vance und Trump meinen.

Die EU ist kĂŒnftig auf sich selbst gestellt. Und wir in Österreich tun gut daran zu erkennen, dass unsere Freiheit nur in einer stĂ€rkeren EU gewĂ€hrleistet ist. Wer trotzdem „weniger Europa“ fordert, betreibt das Werk von Putin und Trump und ist mitverantwortlich dafĂŒr, wenn wir ihnen kĂŒnftig noch stĂ€rker als bisher ausgeliefert sind.

Werden sich die Vorstellungen von Trump, Vance und den europĂ€ischen Rechtsparteien ĂŒber die Zukunft unserer Gesellschaftsordnung durchsetzen oder regt sich noch rechtszeitig die Vernunft und somit der Widerstand? Hoffnung gibt ein Satz von Friedrich Hölderlin: „Wo aber Gefahr ist, wĂ€chst das Rettende auch.“

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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