Herr Khol, ohne Demokratie gibt es keine Freiheit!
Andreas Khol versucht angesichts schlechter Umfragewerte verzweifelt, Aufmerksamkeit zu generieren. Das gelingt ihm. Und wie. Mit diesem gestern prĂ€sentierten Bild schrammt er haarscharf am Rande des von ihm beschworenen âVerfassungsbogensâ.
âWer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.â Das Zitat taucht in vielerlei Form auf und wird Benjamin Franklin zugeschrieben, einem der GrĂŒndervĂ€ter der Vereinigten Staaten.
Was will uns Andreas Khol, der ĂVP-Kandidat fĂŒr die BundesprĂ€sidentenwahl, mit der Botschaft âDemokratie allein sichert die Freiheit nicht.â sagen? Wir erinnern uns schmerzlich daran, dass die VorlĂ€uferpartei der ĂVP in den NeunzehndreiĂiger-Jahren der Ăberzeugung war, die âDemokratieâ opfern zu mĂŒssen, um âFreiheitâ zu gewinnen, nĂ€mlich ihre eigene Freiheit von unliebigen Arbeiterinnen und Arbeitern, die um ihre Rechte und gerechte Löhne kĂ€mpften, „Freiheit“ von Gewerkschaften und auch vor der politischen Konkurrenz. Der Austrofaschismus bedeutete schlussendlich nicht nur das Ende der Demokratie, sondern auch das Ende jeglicher âFreiheitâ. Das Ende der Pressefreiheit. Das Ende der Meinungsfreiheit. Eine massiv eingeschrĂ€nkte Religionsfreiheit. Das Ende des Demonstrationsrechts …
Die Khol-Sprecherin behauptet nun laut Standard, Khol habe nur gemeint, es brauche mehr Geld fĂŒr Polizei und Bundesheer. Nun ja, ich bin zwar kein Kampagnenspezialist, aber hĂ€tte das man dann nicht dementsprechend ausdrĂŒcken können? Oder war die Koketterie mit einem autoritĂ€ren System unter dem Deckmantel von mehr Sicherheit doch beabsichtigt?
Khol war ĂŒbrigens jener Politiker, der in die PrĂ€ambel unserer Verfassung einen âGottesbezugâ festschreiben wollte. Auch das gab es schon einmal â in der austrofaschistischen Verfassung von 1934.
Ich hĂ€tte fĂŒr ihn und seiner ĂVP einen Vorschlag fĂŒr das nĂ€chste Plakat: âOhne Demokratie gibt es keine Freiheit!â
Es ist das eingetreten, was absehbar war: Die AfD hat bei den Landtagswahlen in Deutschland abgerĂ€umt und die deutsche Parteienlandschaft gehörig durcheinander gewirbelt. Die etablierten Parteien stehen der AfD genauso ratlos gegenĂŒber wie hierzulande unsere Parteien der FPĂ. Der Wahlsieg von Winfried Kretschmann ist der One-Man-Show eines Politikers zu verdanken, der die traditionell konservativ-bĂŒrgerliche WĂ€hlerInnenschaft in Baden-WĂŒrttemberg abholen konnte â nicht zuletzt deshalb, weil der dortige Landes-CDU-Chef Guido Wolf mit seinen Steilvorlagen fĂŒr die Heute-Show vermutlich mehr PrĂ€senz erreichte, als durch politisch gehaltvolle Aussagen. Kretschmanns Erfolg ist durchaus in einer Tradition zu sehen: Zwischen 1978 und 1991 war mit Lothar SpĂ€th ein Mann MinisterprĂ€sident von Baden-WĂŒrttemberg, der kurz nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl die Kernenergie als Ăbergangsenergie bezeichnete, der das Nachdenken ĂŒber Alternativen forcierte und eine Versöhnung von Ăkonomie und Ăkologie postulierte. WĂ€re SpĂ€th nicht ĂŒber eine BestechungsaffĂ€re gestolpert, hĂ€tte er ausgezeichnete Chancen gehabt, den damaligen Bundeskanzler Kohl zu beerben. Kretschmann kann durchaus als Erbe von SpĂ€th gesehen werden. Er gilt als authentisch wirkender Bewahrer, ein Bild, das in einem seiner
Seit vielen Jahren analysiert die renommierte Sprachwissenschaftlerin Ruth Wodak den Gebrauch von Sprache â nicht zuletzt in der Politik.