Sorgt die âDigital-Oligarchieâ fĂŒr Ordnung?
Herbert Kickls unsĂ€gliche Rede im Nationalrat hat letzte Woche dazu gefĂŒhrt, dass YouTube sein Video gesperrt hat. Auch Donald Trum hat mit Ungemach zu kĂ€mpfen: FĂŒnf Tote hat seine auf Twitter veröffentlichte Aufforderung zum Sturm aufs Kapitol und somit de facto zum Putsch verursacht. Daraufhin hat Twitter seinen Account gelöscht.
Beide haben unverantwortlich gehandelt. Warum ich dennoch glaube, dass das anders gelöst werden muss und man solche Entscheidungen nicht einfach Konzernen ĂŒberlassen darf, habe ich unter dem Titel âKickl und Trumpâ in einem Kommentar in den âVorarlberger Nachrichtenâ verdeutlicht.
Hier zum Nachlesen:
Die FPĂ hat letzte Woche eine Rede von Klubobmann Herbert Kickl auf YouTube gestellt. Darin behauptet er, in einem âgroĂen Feldversuch der Pharmaindustrieâ wĂŒrden mit der Corona-Impfung âgesunde Ăsterreicher zu Versuchskaninchen gemachtâ. Es handle sich um ein âMassenexperimentâ, bei dem âdie Erprobung fehltâ.
Das ist blanker Unsinn, in der gegenwĂ€rtigen Situation unverantwortlich und leicht zu widerlegen. Um die Zulassung ihres Impfstoffs zu erreichen, musste BioNTech/Pfizer eine Testreihe mit 44.000 Freiwilligen durchfĂŒhren, bei Moderna waren es rund 30.000. Ihre Studien belegen eine Wirksamkeit von deutlich ĂŒber 90 Prozent.
YouTube hat das Video deshalb wegen der Verbreitung medizinischer Falschinformationen mit Berufung auf die seit Mai letzten Jahres geltenden Konzern-Richtlinien gelöscht.
BrĂŒder im Geiste
Noch gefĂ€hrlicher als Kickl irrlichtert seit Jahren sein âgeistiger Bruderâ Donald Trump durch die sozialen Medien. Die Sperrung seines Twitter-Accounts hat viel Beifall erhalten – vorangegangen war der Sturm eines rechtsextremen Mobs auf das Kapitol mit fĂŒnf Todesopfern. Es sei richtig, dass private Firmen frei entscheiden können, wer ihre Dienste nutzen darf und wer nicht.
Das klingt zwar vernĂŒnftig, unterschlĂ€gt aber, dass diese Konzerne de facto ein Monopol haben und ihre Kunden ihnen somit ausgeliefert sind. Es gibt in diesem Bereich keinen âfreien Marktâ. Angela Merkel oder der französischen Wirtschaftsminister Bruno Le Maire haben die Entscheidung von Twitter daher zurecht kritisiert.
Die Sperre Trumps auf Twitter und das Löschen des Kickl-Videos auf YouTube sind inhaltlich nachvollziehbar. Solche MaĂnahmen mĂŒssen aber auf einer fĂŒr alle verbindlichen rechtlichen Basis erfolgen und dĂŒrfen nicht vom GutdĂŒnken mĂ€chtiger Konzerne abhĂ€ngig sein.
âFacebook-Gesetzâ
Deutschland hat letztes Jahr das âNetzwerkdurchsetzungsgesetzâ beschlossen, von vielen schlicht âFacebook-Gesetzâ genannt. Damit hat man eine Handhabe gegen âoffensichtlich rechtswidrigeâ Inhalte, gegen Volksverhetzung und HasskriminalitĂ€t. So eine Regulierung soll noch in diesem Jahr in ganz Europa kommen – und dann die SchwĂ€chen des im Dezember beschlossenen österreichischen âHass-im-Netz-Gesetzesâ beseitigen. Dass sich die EU durchsetzen kann, hat sie durch Milliardenstrafen gegen Microsoft und Google schon mehrfach bewiesen.
Wer Volksverhetzung betreibt und Beleidigungen verbreitet, hat kein Recht auf die Veröffentlichung. Die Beurteilung darf aber nicht einer âDigital-Oligarchieâ (@Le Maire) ĂŒberlassen werden. Twitter, YouTube oder Facebook sind mehr als nur âPrivatunternehmenâ, sie sind De-facto-Monopolisten. Ihnen darf man nicht die Entscheidung darĂŒber ĂŒberlassen, wer welche Meinung verbreiten darf und wer nicht. Das ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe und betrifft uns alle.
Hut ab vor den vielen Vorarlberger Geistlichen, die sich in diesen Zeiten so klar positionieren. Die Zuhörer beim Neujahrsempfang der Gewerkschaft etwa staunten nicht schlecht, als sie die Stellungnahmen des 87-jĂ€hrigen Monsignore Eugen Giselbrecht oder von Pfarrer Wilfried Blum hörten, die Empathielosigkeit der Regierenden ebenso brandmarkten wie das Schweigen der eigenen Bischöfe. Am Samstag dann monierte der Bregenzer Pfarrer Arnold Feurle in einem Leserbrief in den âVorarlberger Nachrichtenâ in Bezug auf den Besuch von Kickl in Vorarlberg: âAbgesehen davon, dass ich mehr als genug von der Farbe TĂŒrkis habe, stimmt es mich viel bedenklicher, dass es so viel blau umgefĂ€rbtes Braun gibt.â
In was fĂŒr einem Land leben wir inzwischen? Der Vorarlberger ĂGB-Vorsitzende Norbert Loacker nennt es zurecht âeine Sauereiâ, was da abgegangen ist. Trotz eines vernichtenden Urteils des Bundesverwaltingsgerichts (âgrob rechtswidriger Bescheidâ) wurde heute Nachmittag (Samstag, 27.11.) ein bestens integrierter und vom Arbeitgeber dringend benötigter Vorarlberger Lehrling abgeschoben (â