30. Juli 2016

Norbert Hofer, der Nazi?

2016-07-30T13:03:59+02:0030.07.16, 12:18 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , |

hofer_stracheNun ist’s quasi offiziell: Norbert Hofer darf als „Nazi“ bezeichnet werden – zumindest unter bestimmten Umständen, wie es gestern an einem Innsbrucker Gericht in erster Instanz festgestellt wurde*. Die Richterin ortet als Begründung ein „Tatsachensubstrat“, da sich die FPÖ nicht nur nicht von rechtsextremen Gruppierungen distanziere, sondern auch den Kontakt zu diesen suche. Nun, da ist der Richterin uneingeschränkt zuzustimmen. Aber macht etwa der Kontakt zu Rechtsextremen aus Hofer nun schon einen „Nazi“?

Karl Öllinger hat sich das von Norbert Hofer endredigierte „Handbuch freiheitlicher Politik“ genau angesehen und findet darin eindeutig rechtsextreme Positionen. Da ist auch die Mitgliedschaft in einer rechtsextremen Burschenschaft, die in einer Festschrift die österreichische Nation leugnet, da sind von Hofer verfasste Beiträge in rechtsextremen Zeitschriften, da sind die Rassismen, deren sich Hofer vehement im Wahlkampf bediente. Und ja, da sind auch Elemente, die durchaus am nationalsozialistischen Gedankengut streifen. Das reicht bis zur mangelnden Abgrenzung von neonazistischen Aktivitäten rund um die FPÖ oder auch in der FPÖ, wenn etwa ehemals ausgeschlossene Mitglieder über die Hintertür wieder in den Schoß der Partei zurückkehren. Und, um auch das klar auszusprechen, nazistisches Gedankengut ist wohl auch einigen aus der höherrangigen FPÖ-Riege nicht fremd.

Aber wenn das, was Hofer charakterisiert, einen „Nazi“ definiert, was sind dann Holocaustleugner wie Honsik und Küssel, Neonazis, die ideologisch motiviert gewalttätig werden und nicht zuletzt: Was ist dann strafrechtlich auf Basis des Verbotsgesetzes zu verfolgen, wenn nicht (neo)nazistische Aktivitäten?

Nicht, dass ich Hofer nun nach dem Innsbrucker Urteil bedauern würde, denn seine Mittel der Diffamierung und jene der FPÖ sowie ihrer Gefolgschaft sind nicht mehr zählbar. Dennoch sollten wir Begrifflichkeiten wie „rechtspopulistisch“, „rechtsextrem“, „faschistisch“ und „(neo)nazistisch“ klar voneinander abgrenzen und sie nicht pauschal und unhinterfragt handhaben. Die inflationäre und unreflektierte Anwendung bedingt nicht nur den Verlust ihrer Tauglichkeit als Bedeutungserklärung, sondern verwischt und verharmlost letztlich das, was mit einem „Nazi“ zu verbinden ist, nämlich die Akzeptanz oder sogar Gutheißung der Gräueltaten des Nationalsozialismus.

Mein Plädoyer ist nun keine Bagatellisierung des Gedankenguts von Norbert Hofer, denn rechtsextreme Politik hebelt viel von dem aus, was gesellschaftliches Fundament unserer Republik ist oder zumindest war: das rechtsstaatliche Prinzip, die demokratischen Werte, die Menschenrechte und die sozialstaatliche Absicherung. Alles das stellt die FPÖ infrage. Reden wir also darüber, was das genau für unsere Gesellschaft zur Folge hat und was es bedeutet, wenn sich ÖVP und SPÖ mit einer rechtsextremen Partei ins Bett legen.

Eine trennscharfe ideologische Einordnung macht Sinn, sie beschreibt in Falle von Hofer das politische Gerüst, auf das er und die FPÖ bauen. Es reicht, dass wir mit Hofer einen rechtsextremen Bundespräsidenten bekommen könnten – alleine dieses Schreckensszenario sollte uns in die Knochen fahren!

*Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da der Rechtsanwalt von Hofer Berufung einlegte.

25. Juli 2016

Warum mich Straches Stil anwidert!

2016-07-25T17:01:28+02:0025.07.16, 15:09 |Kategorien: Allgemein, Geschichte und Rechtsextremismus, Gesellschaft|Tags: , , , |

Strache_München_PostingWas im Kopf von Terroristen vorgeht, kann man erahnen. Was im Kopf von Strache vorgeht, möchten viele angesichts von Postings wie diesem gar nicht wissen. Er zitiert zu einem Zeitpunkt eine gefährliche Falschinformation, als diese bereits klar widerlegt war.

Terroristen haben meist extreme politische oder religiöse (Wahn-)Vorstellungen. Amoktäter – wie offensichtlich jener von München – sind häufig psychisch kranke Einzeltäter, „sehr gekränkte“ Menschen, die sich „an der scheinbar heilen Welt rächen“ wollen, wie das der Psychiater Reinhard Haller ausdrückt.

Die auch in der Öffentlichkeitsarbeit erfreulich professionell agierende Polizei ließ schon am Samstag verlauten: Es handelt sich um die Amoktat eines unter Depressionen leidenden 18-Jährigen. Inzwischen wissen wir, dass er auch andere psychische Erkarnkungen hatte und deswegen auch in Behandlung war. Es gibt keinen Bezug des Täters zum IS oder generell zum Islamismus, wohl aber zum Amoklauf des schwedischen Rechtsextremisten Anders Breivik in Norwegen (dessen Morde auf den Tag genau fünf Jahre zuvor stattfanden) und zum Attentäter von Winnenden. „Ich bin Deutscher“, rief der Attentäter – wie auf einem Handyvideo nachzuhören ist: „Scheiß Türken“. „Die Presse“ zitiert deutschen Medien, wonach der Täter festgehalten habe, er sei von Türken und Arabern in der Schule gemobbt worden. Ein rechtsextremer politischer Hintergrund ist laut Polizeibehörden genauso wie ein islamistischer auszuschließen. Mit durchaus nachvollziehbaren Argumenten, wie ich meine.

Dennoch gibt es noch jenen Typus von Mensch, der von solchen Taten  profitieren möchte und sie für ihre Zwecke instrumentalisiert, der politisches Kapital schlagen will aus der Tragödie. Und da sind wir dann auch schon beim Parteichef der FPÖ. Heinz-Christian Strache hätte bei der Lektüre diverser Medien draufkommen können, dass die Münchner Polizei relativ rasch zu einer klaren Aussage gekommen ist. Wollte er offenbar nicht, ihm war das egal. Was Strache betreibt, ist gefährliche und unverantwortliche Hetze. Das widert mich an.

Wenn wir aus dem schrecklichen Massaker in München oder dem gestrigen Bombenanschlag bei einem Musikfestival in Ansbach (Bayern) durch einen wegen eines Suizidversuchs in Behandlung gewesenen Syrers etwas lernen können, dann das: Vermeiden wir vorschnelle Reaktionen, heizen wir die an sich schon gefährliche Stimmung nicht durch vorschnelle Vermutungen noch weiter an, verängstigen wir verunsicherte Menschen nicht noch weiter.

Das ist unverantwortlich, kann zu Panikreaktionen bis hin zur Gewalt an Unschuldigen führen, zumal schon jetzt die Nerven vieler Menschen blank liegen. Die sozialen Netzwerke haben – vor allem Twitter und Facebook – leider durch Falschinformationen vieles dazu beigetragen. Doch der Begriff „soziale Netzwerke“ ist zu allgemein, denn darin tummeln sich Menschen. Und da sind wir dann schon wieder bei der FPÖ. Strache stellt sich und seine Partei wieder einmal ins Abseits. Das politische Österreich wäre gut beraten, ihn dort zu belassen!

7. Juli 2016

Mauthausen-Überlebende klagen „Aula“: „Es reicht“

2016-07-08T09:27:34+02:0007.07.16, 16:14 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , , , |

harald_justizpalastWir haben den Artikel „Mauthausen-Befreite als Massenmörder“ in der Aula, dem aus meiner Sicht klar neonazistischen Zentralorgan der blauen Burschenschafter, in Erinnerung. Ich habe damals Anzeige erstattet. Die Grazer Staatsanwaltschaft hat das Verfahren im Dezember 2015 eingestellt, dies mit einer Skandal-Begründung, die ihresgleichen sucht. Es ist ungeheuerlich: Vom Justizminister abwärts haben sich PolitikerInnen vom Artikel distanziert und die Einstellungsbegründung der Grazer Staatsanwaltschaft als „menschenverachtend“ massiv kritisiert. Trotzdem waren meine juridischen Möglichkeiten, gegen die Impertinenz der Aula und des Autors Fred Duswald vorzugehen, ausgeschöpft.

Nun haben jedoch acht ehemalige Häftlinge des Lagerkomplexes Mauthausen Klage gegen die Aula eingereicht. Dem haben sich Rudolf Gelbard (ehemaliger Häftling Theresienstadt) und Caroline Shklarek-Zelman, die Tochter des Mauthausen-Überlebenden Leon Zelmann, angeschlossen. Möglich war dies, weil auch in Folgenummern der Aula und in Briefen an ihre Abonnenten die braune Diffamierungskampagne fortgesetzt wurde.

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Brief der Aula an Abonnenten (Febr. 2016, Ausschnitt)

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Jan Topolewski 1946

Da ist unter den Klägern beispielsweis Jan Topolewski: Verhaftet 1944 während des Warschauer Aufstandes, führte sein Martyrium von Auschwitz über Mauthausen nach Gusen, wo er am 5. Mai 1945 befreit wurde. Seine Mutter wurde in Auschwitz ermordet, sein Vater in Mauthausen. Er konnte nach einem längeren Krankenhausaufenthalt erst Ende 1946 nach Polen zurückkehren. „Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung bin ich entrüstet über den Inhalt des Artikels ‚Mauthausen-Befreite als Massenmörder‘ von Fred Duswald. (…) Ich fühle mich persönlich durch die Verallgemeinerungen im Artikel betroffen. In meinem Empfinden ist das eine historische Verdrehung der Geschichte und verletzt die Würde der unschuldig Ermordeten.“

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Jan Topolewski (re) in poln. Botschaft Wien

Oder Pavel Branko, dessen „Kriminalität“ darin bestand, in der Slowakei politischen Widerstand gegen das NS-Regime geleistet zu haben. Er verbrachte „nur“ die letzten drei Monate in der Hölle von Mauthausen und kehrte zehn Tage nach seiner Befreiung von 65 auf 39 Kilo abgemagert nach Bratislava zurück: „Meine Empörung gilt der unzumutbaren Aufbauschung und Verallgemeinerung, die der Autor des Beitrags ‚Mauthausen-Befreite als Massenmörder‘ Fred Duswald der Öffentlichkeit bietet. (…) Massenmord war die gezielte Vernichtungspolitik, die das KZ-System des Dritten Reiches gegen die Millionen von Häftlingen betrieb, wodurch sie Massenhaß erzeugte. Und noch größere Empörung erweckt in mir die Einstellung des Ermittlungsverfahrens durch die Staatsanwalt in Graz, die hiermit der Neonaziszene Vorschub leistet.“

Wir Grüne unterstützen zusammen mit unserer Rechtsanwältin Maria Windhager diese Klage mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln: Wenn Justitia – so wie in Graz – versagt, sehen wir es als unsere Verpflichtung an, dem Recht zum Durchbruch zu verhelfen – für die Überlebenden und im Gedenken an die Ermordeten.

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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