2. Januar 2025

Positiv ins Neue Jahr!

2025-01-02T14:21:02+01:0002.01.25, 14:21 |Kategorien: Gesellschaft|Tags: , , , , , , |

Nein, der Titel soll weder die Esoterik bemĂŒhen noch an irgendeine Religion erinnern. Mein Kommentar unter dem Titel „Nur Licht bringt Licht!“ in den Vorarlberger Nachrichten verweist darauf, dass angesichts der vielen Krisen mit Kraft und Optimismus an die Probleme der Gegenwart herangegangen werden muss:

Die Herausforderungen der Gegenwart sind gewaltig. Kriege, Hitzewellen, Naturkatastrophen wie BergstĂŒrze und gewaltige Überschwemmungen. Auch die FlĂŒchtlingsbewegung macht vielen Menschen Angst. Hinzu kommen die Covid-Pandemie und die EinschrĂ€nkungen des sozialen Lebens in den letzten Jahren.

Das alles hat weltweit wirtschaftliche und soziale Strukturen destabilisiert. Statt innovativen Lösungen und einer dringend notwendigen internationalen Zusammenarbeit gibt es derzeit aber wachsende Spannungen zwischen den GroßmĂ€chten und andere geopolitische Bedrohungen. Unsicherheit, Pessimismus und Angst vor der Zukunft sind Gift fĂŒr eine Gesellschaft und der NĂ€hrboden fĂŒr politische RattenfĂ€nger von Rechtsaußen.
Was kann man dagegen tun? Einfache Lösungen aus dem Dilemma gibt es nicht, aber eines ist klar: Wir brauchen dringend positive Perspektiven.

Die derzeitigen Regierungsverhandlungen in Österreich verlaufen zĂ€h. Das muss kein schlechtes Zeichen sein, denn glaubwĂŒrdige Lösungen fĂŒr unsere Probleme mĂŒssen durchdacht sein. Noch dringt nicht nach außen, was die von den drei Parteien angekĂŒndigten sogenannten „Leuchtturmprojekte“ sein sollen. Aber eines ist klar: Eine solidarische Gesellschaft braucht mehr Steuergerechtigkeit, als wir sie in Österreich haben. Reiche haben in der Vergangenheit ĂŒberdurchschnittlich von diesem System profitiert und zu wenig zu seiner Finanzierung beigetragen. Ihr Beitrag ist nicht zuletzt aus deshalb notwendig, weil uns Magnus Brunner ein gewaltiges Defizit hinterlassen hat.

Ein weiteres Problem und zudem Gift fĂŒr unsere Gesellschaft ist die Hetze gegen FlĂŒchtlinge. Dem muss deutlich entgegengetreten werden. Im letzten Wahlkampf war immer wieder die Rede von der „FlĂŒchtlings-Welle“, die uns erreicht habe. Diese Sprache ist ebenso verrĂ€terisch wie irrefĂŒhrend. Sie schĂŒrt Ängste und erzeugt ein GefĂŒhl der Bedrohung. Von den komplexen Ursachen der Fluchtbewegung und den individuellen Schicksalen der Menschen wird abgelenkt. Zudem ist untergegangen, dass die angebliche „Welle“ im letzten Jahr deutlich „abgeebbt“ ist: 2023 wurden 54.104 AsylantrĂ€ge gestellt, letztes Jahr 21.275. Das sind exakt 61 Prozent weniger.

In diesem Bereich einen Stimmungswandel zu erreichen – ohne vorhandene Probleme zu verschweigen – wĂ€re doch ein vielversprechendes „Leuchtturmprojekt! Es wird aber mehr brauchen: die StĂ€rkung des öffentlichen Verkehrs statt immer weitere Versiegelung des Bodens durch neue Straßen, die Stabilisierung des Gesundheitssystems, eine grundlegende Bildungsreform usw.

Negative Stimmen gibt es in unserem Land genug. Es braucht LösungsansĂ€tze und Optimismus. Um es mit dem amerikanischen BĂŒrgerrechtler Martin Luther King Jr. zu sagen: „Der Dunkelheit kann man nicht mit Dunkelheit begegnen. Nur Licht kann Licht bringen.“

19. Dezember 2024

Demokratie in Gefahr?

2024-12-19T12:11:22+01:0019.12.24, 12:11 |Kategorien: Allgemein|Tags: , |

Mit Optimismus in das Neue Jahr? Ein eher schwieriges Unterfangen angesichts der politischen Entwicklungen hierzulande und anderswo. Es geht ans GrundsĂ€tzliche: Unter dem Titel „Demokratie in Gefahr?“ habe ich dazu daher in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar verfasst. Hier zum Nachlesen:

Weltweit kommen immer mehr Menschen an die Macht, denen es grundlegend an AnstĂ€ndigkeit, Menschlichkeit und an IntegritĂ€t mangelt. MitgefĂŒhl gilt als SchwĂ€che, ungehemmte MachtausĂŒbung als StĂ€rke.

Der kĂŒnftig mĂ€chtigste Mann der Welt stellt gleich die gesamte bisherige Ordnung auf den Kopf. Trumps radikale Rhetorik hat WĂ€hlerinnen und WĂ€hler nicht abgeschreckt, sondern im Gegenteil motiviert. Seine dezidiert geĂ€ußerte Bewunderung fĂŒr Adolf Hitler hĂ€tte ihn noch vor einigen Jahren zum Minderheitenprogramm gemacht, heute stört das viele offenkundig nicht mehr. Wie gefĂ€hrlich das ist, muss wohl nicht eigens betont werden.

Der deutsche Soziologe und Publizist Harald Welzer hat kĂŒrzlich in der Tageszeitung „taz“ gemeint, Trumps Wahl erinnere ihn an Deutschland im JĂ€nner 1933: „Die GleichgĂŒltigkeit der Anderen ließ die Nazis damals gewĂ€hren.“ Viele haben deren Regime als kurzfristiges PhĂ€nomen betrachtet. Ein tödlicher Irrtum mit katastrophalen Folgen fĂŒr die ganze Welt.

Trump ist nicht Hitler, aber allein schon die ersten Handlungen vor seiner Angelobung lassen Alarmglocken schrillen. Er will die Verfassung „außer Kraft setzen“, droht mit der Entlassung tausender angeblich „illoyaler“ Mitarbeiter in der Verwaltung und erwĂ€gt einen Lizenzentzug fĂŒr kritische Medien sowie die juristische Verfolgung politischer Gegner. Das geht bis hin zum unverhohlenen totalitĂ€ren Machtanspruch: „Ich brauche GenerĂ€le, wie Hitler sie hatte.“

Ähnliche SĂ€tze hören wir von Machthabern in vielen anderen LĂ€ndern der Welt: Wladimir Putin, Javier Milei, Viktor OrbĂĄn, Benjamin Netanjahu 


Und Österreich? Walter Rosenkranz ist von FPÖ und ÖVP demokratisch in sein Amt gewĂ€hlt worden. Schon in den ersten Tagen hat er ĂŒberdeutlich gezeigt, dass er nicht an eine ĂŒberparteiliche AmtsfĂŒhrung denkt und sich auch an die bislang herrschenden „Usancen“ nicht halten will. Diese Missachtung von „Usancen“ hat ĂŒbrigens jene nicht gestört, die zuletzt vom BundesprĂ€sidenten lautstark gefordert haben, er mĂŒsse Herbert Kickl, der ihn als „senile Mumie in der Hofburg“ bezeichnet hat, mit der Regierungsbildung beauftragen.

FĂŒr die Zivilgesellschaft heißt das wachsam bleiben, denn die Demokratie ist ein fragiles Gebilde. Rechtsextreme nutzen die zunehmende soziale Ungleichheit, die Verunsicherung vieler Menschen durch Probleme wie zunehmende soziale Ungleichheit, Migration oder die Klimakrise fĂŒr ihre Zwecke aus. Zugleich bemerkt man eine gewisse Apathie gegenĂŒber dem schrittweisen Abbau eines demokratischen Grundkonsenses.

Harald Welzer warnt mit dem Hinweis auf die gefĂ€hrliche „GleichgĂŒltigkeit“ gegenĂŒber dieser Entwicklung mit dem Verweis auf 1933 zurecht: „Sie darf sich nicht wiederholen.“ Ansonsten werden wir uns – um den gescheiterten FPÖ-PrĂ€sidentschaftskandidaten Norbert Hofer zu zitieren – „noch wundern, was alles möglich ist“!

3. Dezember 2024

Welche Wirtschaftskompetenz?

2024-12-03T21:25:44+01:0003.12.24, 21:25 |Kategorien: Arbeit und Wirtschaft, Klima und Umwelt|Tags: , , , , |

Wo gibt es die grĂ¶ĂŸte „Wirtschaftskompetenz“? Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer sehen sie bei sich. Fachleute von den Wirtschaftsunis, WIFO und anderen unabhĂ€ngigen Organisationen haben aber wohl deutlich die Nase vorn. Dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten:

Seit Monaten drĂ€ngen Industriellenvereinigung (IV) und Wirtschaftskammer (WKÖ) im Bund und den LĂ€ndern vehement auf eine Koalition von ÖVP und FPÖ. Sie wollen mehr „Wirtschaftskompetenz“. Letzteres wĂ€re auch dringend notwendig, zumal es weltweit Krisensymptome und hierzulande Milliardenpleiten wie jene von Signa und KTM gibt.

Das Ergebnis der letzten schwarz-blauen Regierungen allerdings stimmt skeptisch fĂŒr eine Neuauflage. In Erinnerung bleiben eine vernachlĂ€ssigte Infrastruktur und jede Menge KorruptionsfĂ€lle – Homepage-AffĂ€re, Novomatic, Terminal-Tower und Tetron, Eurofighter, Telekom, BUWOG.

Das Beispiel BUWOG stimmt in Sachen „Kompetenz“ besonders nachdenklich: Der Verkauf der Wohnbaugesellschaft war nicht nur begleitet von Meldungen ĂŒber massive Korruption, auch die Verkaufssumme erstaunte: 60.000 Wohnungen wurden en gros um 961,2 Millionen Euro verscherbelt, also rund 16.000 Euro pro Wohnung. Fachleute schĂ€tzen, dass bei einem Einzelverkauf zumindest eine Milliarde Euro mehr erzielt worden wĂ€re. Unser Geld!

DarĂŒber spricht man bei IV und WKÖ lieber nicht. Dort spricht man lieber von „BĂŒrokratieabbau“ und fordert – so wörtlich – eine „Vollbremsung in der Klimaschutzpolitik“. Schon vor der Wahl haben Karl Nehammer und Herbert Kickl das geplante Verbrenner-Aus im Jahr 2035 (!) allen Ernstes als Ursache fĂŒr die Misere der heimischen Autozulieferindustrie ausmachen wollen.

Experten hingegen verweisen darauf, dass die Elektrifizierung von der deutschen Autoindustrie schlicht verschlafen wurde. Auch bei KTM ĂŒbrigens, weshalb Wifo-Chef Gabriel Felbermayr dem Motorradhersteller wenig Chancen gibt.

Mit dem „ProduktivitĂ€tsrat“ stehen der Regierung kompetente Fachleute zur VerfĂŒgung. FiskalratsprĂ€sident Christoph Badelt, der Vorsitzende, stellte letzte Woche der heimischen Wirtschaftspolitik aber kein gutes Zeugnis aus. In Deutschland sind die „Wirtschaftsweisen“ das Pendant zum ProduktivitĂ€tsrat. Mit Achim Truger stieß eines der fĂŒnf Mitglieder letzte Woche im Interview mit dem „Mittagsjournal“ ins selbe Horn wie Badelt und Felbermayr.

Truger verlangt einen Innovationsschub, um verlorenes Terrain zurĂŒckzugewinnen und den Abstand zur fĂŒhrenden Konkurrenz in China und anderen Standorten zu verringern. Von einem Stopp der Ökologisierung – wie von IV und WKÖ gefordert – hĂ€lt er nichts und verweist darauf, dass diese sogar wesentlich konsequenter betrieben hĂ€tte werden mĂŒssen.

Das „profil“ hat einen Artikel einst so ĂŒberschrieben: „Schwarz-Blau. Wie Österreich unter der ÖVP-FPÖ-Regierung zum Selbstbedienungsladen wurde.“ Von der hier angedeuteten Korruption ganz abgesehen: Wer Wirtschaftskompetenz will, sollte also eher auf Fachleute wie Felbermayr, Badelt und Truger hören als auf IV und WKÖ.

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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