HGM_krypta„Haus der Republik“ oder doch ein „Haus der Geschichte“? Für den „Standard“ habe ich einen Kommentar zur Diskussion zu diesem Thema geschrieben (Ein Haus, eine Republik und ihre Geschichte).

Die Essenz lautet: Ich trete für ein „Haus der Republik“ mit mehreren „Filialen“ ein. Ein Standort könnte das Heeresgeschichtliche Museum sein.

Inzwischen gibt es sogar schon universitäre Arbeiten, die den Streit ums Haus der Geschichte dokumentieren. Wohl auch etwas Österreichisches: Es werden jahrzehntelange Diskussionen um ein Museum geführt, es wurden inzwischen mehrere hunderttausend Euro für diverse Studien und Konzepte ausgegeben, und das Resultat bleibt auf den Kern heruntergebrochen immer wieder dasselbe: Die SPÖ unternimmt zögerliche Versuche, ein „Haus der Geschichte“ zu errichten, die ÖVP setzt einen Kontrapunkt, und dann wird das Projekt schubladisiert. Im Hintergrund geht es um die Deutungshoheit der österreichischen Vergangenheit, die sich fatalerweise immer nur zwischen zwei Fronten abspielt: rot oder schwarz.

Die von Minister Josef Ostermayer vorgeschlagene Variante in der Hofburg ist von all den bisher diskutierten Möglichkeiten so ziemlich die schlechteste: Ostermayer argumentiert, das sei auch dem Faktum mangelnder Ressourcen geschuldet und die billigste Lösung. Eine sehr fragwürdige Herangehensweise. Steht die Argumentation für die Räumlichkeiten in der Neuen Burg wirklich vor einem sinnvollen inhaltlichen Konzept?

Aber auch der nunmehr kursierende Gegenvorschlag eines Neubaus am Heldenplatz ist etwas kurios begründet: Die sich neben dem Heldentor derzeit befindliche Hundewiese sei ein Schandfleck, der zu beseitigen ist. Also bastelt man sich die passende Begründung rundherum und fordert ein „Haus der Zukunft“, über dessen moderne Architektur Konkreteres geäußert wurde als über dessen Inhalt und Zweck.

Ich habe immer wieder die Vorstellung, ein einziges „Haus der Geschichte“ als singulären Ort zu errichten, in Frage gestellt – zumal ursprünglich zu Recht ein „Haus der Republik“ gefordert worden ist. Übrigens von Wolfgang Schüssel und Andreas Khol.

Die Geschichte unseres Landes ist derartig vielfältig, dass es sinnvoll wäre, mehrere Orte in Österreich – aber durchaus auch außerhalb der Landesgrenzen – in eine Erzählung einzubetten, die eine Klammer in Wien findet. In das Zentrum wäre die Geschichte mit Beginn der Ersten Republik zu stellen, als Strang das republikanische Österreich zu nehmen, das – insbesondere was den Zeitraum 1918 bis 1938 betrifft – dringend einer breiteren Neubewertung bedarf. Der Heldenplatz spielt dabei unzweifelhaft eine wichtige Rolle, die weit über die Verkündung des „Anschlusses“ am 13. März 1938 hinausgeht.

Wie wichtig eine Thematisierung und Bearbeitung der österreichischen Geschichtsdarstellung ist, zeigt das Heeresgeschichtliche Museum. Abseits des imperialen Zentrums in der Nähe des Hauptbahnhofes gelegen, beherbergt das ehemalige „Arsenal“ eine Sammlung von Objekten aus der Militärgeschichte Österreichs, aber vor allem in der Abteilung, die sich dem Zeitraum von 1918 bis 1945 widmet, eine unsystematisch in Szene gesetzte Darstellung eines Geschichtsbildes, das ganz in der Tradition der 1950er und 1960er-Jahre steht. Hier muss etwas passieren, nicht nur, um das großzügige Areal einer sinnvolleren Nutzung zuzuführen, sondern auch, weil das Bild der österreichischen Geschichte, wie es dort derzeit präsentiert wird, für die Öffentlichkeit als Lernort unzumutbar ist. Mehr dazu in einem folgenden Blogbeitrag.

(Foto: Modell des Heldentores am Heldenplatz im Heeresgeschichtlichen Museum)