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17. Februar 2020

Geht beides? Ziffernnote und Alternative?

17.02.20, 14:29 |Categories: Bildung|Tags: |

Konservative Kritiker der alternativen Leistungsbeurteilung bis hin zum Minister geben sich gerne großzügig und „erlauben“ zusätzlich zur verpflichtenden Ziffernnote in der Volksschule eine alternative Beurteilung. Völlig abgesehen davon, dass ich es für unzumutbar halte, dass Pädagog*innen genötigt werden, doppelte Arbeit zu leisten, habe ich eine interessante Zusendung quasi „aus der Praxis“ bekommen.

Johanna Aschbacher ist Lehrerin an der Volksschule Rankweil-Brederis und hat mir Folgendes geschrieben. Gerne drucke ich es – mit ihrer Erlaubnis – hier ab:

Mein Name ist Johanna Aschbacher und ich bin seit über 25 Jahre im Schuldienst in der Volksschule, heute Primarstufe, tätig. Seit über 15 Jahren arbeite ich an verschiedenen Standorten mit, eine alternative Beurteilung für Kinder bis 10 Jahre zu entwickeln. Von diversen Kompetenzrastern über „Pensenbuch“ und direkte Leistungsvorlage haben wir alles angeschaut, verglichen, ausgewählt und für den jeweiligen Standort adaptiert. Das Thema ist uns Pädagog_inn_en so wichtig, dass wir unsere Modelle immer wieder überarbeitet haben, um die Aussagekraft zu optimieren und Leistung sichtbar zu machen. In unzähligen Stunden ist es uns gelungen, die Eltern von den Vorteilen der alternativen Beurteilungsformen zu überzeugen.

In der Diskussion über Notenzwang bzw. Wiedereinführung der Ziffernnoten ab der zweiten Schulstufe im 2. Semester, vermisse ich ein grundlegendes Argument, nämlich jenes der Unvereinbarkeit der beiden Beurteilungsmodelle. Erlauben Sie mir, dazu Stellung zu beziehen:

Die Ziffernnote ist für mich ein defizitorientiertes Beurteilungsmodell, defizitär gegenüber von 100%. Dabei spielt auch der Zeitpunkt der Lernziel-Erreichung eine große Rolle. Im Jahreszeugnis findet sich ein Mittelwert der Leistungsbeurteilung für das ganze Schuljahr.

Eine alternative Leistungsbeurteilung hingegen schaut auf die positive Entwicklung der Kindes. Sie macht Erfolge sichtbar vom (Schul)Anfang bis zum Zeitpunkt z.B. des KEL- Gesprächs. Es werden auch Lehrstoff-Themen angesprochen, die vom Kind noch nicht ausreichend bearbeitet und geübt wurden und es wird motiviert, sich damit in den nächsten Tagen und Wochen zu befassen. Das Kind wird dabei unterstützt und begleitet, erfolgreich zu arbeiten. Bei der alternativen Leistungsbeurteilung spielt der Zeitpunkt der Lernziel-Erreichung eine untergeordnete bis gar keine Rolle. Am Ende steht ein Ist-Wert, dessen Entwicklung dokumentiert wurde.

Der Zugang zur Leistungsbeurteilung der beiden Systeme ist nicht kompatibel. Das ist der wirkliche Grund, warum Pädagog_inn_en, die die alternative Leistungsbeurteilung bevorzugen und leben, mit dem Notenzwang nichts anfangen können. Ganz sicher geht es dabei nicht um eine Überlastung der Pädagog_inn_en, beide Wege zu beschreiten. Nein, die Wege passen einfach nicht zusammen. Sie sind unvereinbar.

Ich bedanke mich, für Ihre Zeit und freue mich darauf, dass Sie in den einen oder anderen Diskussionen bzw. Kommentaren dieses grundlegende Argument auch öffentlich machen werden.

Anmerkung: Ich habe in den letzten Wochen viele Reaktionen von Lehrkräften aus der Volksschule erhalten, dabei ist durchaus auch die Überlastung wegen der doppelten Beurteilung angesprochen worden. Wichtiger aber ist mir jener Aspekt, den Kollegin Aschbacher hier in der Vordergrund stellt: Ziffernnote und alternative Beurteilung sind nicht kompatibel!

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“
15. Februar 2020

Ziffernnote ja oder nein?

15.02.20, 9:30 |Categories: Bildung|Tags: |

Lassen wir mal alle wissenschaftliche Forschung beiseite. Hier der Bericht eines Großvaters. Walter Fink – pensionierter Kulturchef des ORF – in den „Vorarlberger Nachrichten“:

„Mitten im Streit um die Ziffernnoten an Volksschulen hatte ich ein wunderbares Erlebnis. Meine Enkeltochter, Schülerin in der vierten Montessori-Klasse in der Volksschule Augasse, lud mich ein, an ihrem „Schatzkistentag“ dabei zu sein. Unter diesem Begriff versteht man, dass die Schüler all das, was sie im vergangenen Semester gelernt und geleistet haben, einem von ihnen ausgewählten Kreis präsentieren. Das Ergebnis ist ganz außerordentlich. Da steht ein zehnjähriges Mädchen und redet fast zwei Stunden über ihre Arbeit, erzählt, wie sie was gemacht und wie ihr das auch Freude gemacht hat. So kann man natürlich auch lernen, denke ich mir, ohne Stress und Druck von zu Hause. Denn die Schülerinnen und Schüler der ersten bis vierten Stufe sind in einer Klasse zusammengefasst, die Jüngeren lernen von den Älteren, die Schwächeren von den Besseren. Sie sind den ganzen Tag in der Schule, um vier am Nachmittag kommen sie heim, niemand muss sich darum kümmern, ob die Hausaufgabe gemacht ist. Das alles wird in der Schule erledigt.

In dieser Schatzkiste lag auch eine verbale Beurteilung meiner Enkeltochter. Einmal abgesehen davon, dass sie das Glück hat, eine gute Schülerin zu sein: Was hier auf einer Seite alles angesprochen wurde ist so gut beobachtet, zeigt die Stärken und Schwächen eines Kindes, redet auch über soziales Verhalten, über Entwicklungsmöglichkeiten in verschiedenen Fächern, in Mathematik, Deutsch, musischen Fächern, sportlichen Leistungen. Was ich sagen will: Diese von der Lehrerin großartig formulierte Seite sagt so viel mehr über meine Enkeltochter aus als das offizielle Zeugnis, das eine Woche später folgte, dass mir die Vorteile einer schriftlichen Beurteilung gegenüber einer Ziffernnote geradezu ins Auge sprang.

Zerstört die gute Arbeit

Durch diese Praxis hat sich mir gezeigt, wie weit unsere Schulpolitik von der schulischen Wahrheit entfernt ist. Denn wenn nun gefordert wird, dass ab der dritten Volksschule Ziffernnoten zu geben sind, dann sehen diese Herren Politiker nicht, was sie zerstören. Und in diesem Fall muss man den Bildungspolitikern der ÖVP die Rute ins Fenster stellen. Was sie hier fordern, zerstört die gute Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer. Und noch zum Ende: Wenn man sieht, wie viel Druck auf junge Menschen im Halbjahreszeugnis ausgeübt wird, weil davon der Übertritt ins Gymnasium abhängt, dann sieht man die Notwendigkeit einer ganztägigen Schulform bis 14 Jahre. Das würde den Druck von Eltern, Kindern und Lehrern nehmen – und wieder viel Freiraum für Bildung lassen.“

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“
13. Januar 2020

Nein zum Notenzwang!

13.01.20, 14:16 |Categories: Bildung|Tags: , |

Unter diesem Titel habe ich in meiner Kolumne in den „Vorarlberger Nachrichten“ ein Plädoyer gehalten für eine Rückkehr zur schulautonomen Entscheidung Für oder Wider die Ziffernnote. Hier mein Text:

Sehr gut! Der Lustenauer Verein „Gemeinsam Zukunft Lernen“ hat eine Petition unter dem Titel „Nein zum Notenzwang“ gestartet und fordert, dass an den Volksschulen eine alternative Leistungsbeurteilung möglich sein soll.

Derzeit ist das nicht so, weil die türkis-blauen Regierung die Rückkehr zur verpflichtenden Ziffernnote beschlossen hatte und diese pädagogisch widersinnige Regelung auch unter Türkis-Grün nicht rückgängig gemacht wird. Versprochen wurde damals eine angebliche „Notenwahrheit“. Die wäre ja zu begrüßen, aber Ziffernnote und „Notenwahrheit“ sind leider sehr weit voneinander entfernt.

Ungerechte Noten

Das haben sowohl die vielen praktischen Feldversuche als auch nationale und internationale Testungen mehrfach unter Beweis gestellt. Leistungen von Kindern und Jugendlichen in den einzelnen Fächern werden nämlich von den Lehrkräften sehr unterschiedlich bewertet. Selbst in Mathematik reicht das Benotungsspektrum für dieselbe Arbeit von „Sehr gut“ bis „Nicht genügend“.

In der vierten Klasse Volksschule haben 20 Prozent der Kinder mit einem „Sehr gut“ in Deutsch die gleichen Testleistungen (!) wie die besten Kinder mit „Nicht genügend“. Beurteilungsgerechtigkeit bei „benachbarten“ Noten ist noch schwerer auszumachen. Das belegt die internationale PIRLS-Studie.

Lehrkräfte haben ausreichend Erfahrung mit alternativen Leistungsbeurteilungen: verbale Beurteilungsformen, Eltern-Kind-Gespräche oder Pensenbücher sind Beispiele dafür. Das alles hat sich seit Jahrzehnten in 2000 Schulversuchen bei insgesamt 3000 Volksschulen bewährt.

Gut für welche Kinder?

Wem helfen Ziffernnoten eigentlich? Ein in einem Fach mit „Gut“ bewertetes und begabtes Kind aus einer Akademikerfamilie beispielsweise blieb eventuell weit unter seinen Möglichkeiten und hat wenig Fleiß und Engagement gezeigt. Verdient es daher wirklich eine bessere Note als das mit „Befriedigend“ benotete Kind aus einer bildungsfernen Familie, das sich die Note mit viel Fleiß und Einsatz erkämpft hat?

Künftig kann dieses „Befriedigend“ in der dritten Klasse den Übertritt in eine AHS verhindern, obwohl das Kind großes Entwicklungspotenzial aufweist. Akademikerkinder haben sogar bei gleicher (!) Lesekompetenz eine doppelt so hohe Chance auf ein „Sehr gut“ im Zeugnis wie Kinder aus bildungsfernen Schichten.

Das verstärkt die Ungerechtigkeit unseres Schulsystems. Seit über 40 Jahren rügt uns die OECD zurecht, weil durch die zu frühe Trennung der Kinder mit neuneinhalb Jahren Bildung viel stärker als in anderen Ländern „vererbt“ wird.

Wer wirklich für hohe pädagogische Qualität ist, mehr Leistung fordert und Gerechtigkeit will, ist gegen die ungerechte Ziffernnote. Der im Internet leicht zu findenden Lustenauer Initiative ist daher viel Erfolg zu wünschen!

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“