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28. November 2017

Schule unter Schwarz-Blau: mit Vollgas in die Vergangenheit!

28.11.17, 14:41 |Categories: Bildung|

Werden alle zarten Reformpflänzchen unseres Schulsystems zertreten? Die Gefahr besteht, wenn sich das bewahrheiten sollte, was die Medien aus den Regierungsverhandlungen berichten: „Koalitionspläne: Schulnoten wieder Pflicht, Ausbau der Ganztagsschule

Während das Stichwort „Ausbau der Ganztagsschule“ zumindest gut klingt – wäre da nicht das Festhalten am Modell der Nachmittagsbetreuung statt einer modernen Schule mit verschränktem Unterricht –, schaut es im Bereich der Notengebung aus pädagogischer Sicht zappenduster aus.

In den letzten Jahren gab es zwei Trends. Einerseits wurde der Unterricht in den Schulen immer stärker „individualisiert“ beziehungsweise „personalisiert“. Das entspricht den Erkenntnissen der Hirnforschung, dass Lernen ein sehr persönlicher Vorgang ist, bei dem individuelle Vorkenntnisse und Interessen ebenso eine große Rolle spielen wie Talente. Kinder lernen, ihr eigenes „Lern-Tempo“ zu bestimmen und mit ihren Lernschwierigkeiten genauso fertig zu werden wie mit der Entwicklung ihrer besonderen Fähigkeiten. Ziffernnoten sind da nicht hilfreich und schon gar nicht aussagekräftig.

Andereseits braucht es – und da sind wir beim zweiten Trend – verbindliche Ziele: Im Verlauf der Schulkarriere muss gewährleistet sein, dass alle die (Aus-)Bildungs-Ziele erreichen. Dabei sollen die Bildungsstandards helfen. Unserer Schule muss dieser Spagat gelingen: einerseits personalisiertes Lernen und die Entfaltung der individuellen Potenziale, andereseits die verbindliche Erfüllung der Bildungsstandards.

Wir haben im Juli zum Abschluss der Verhandlungen um das Bildungsreformpaket erreicht, dass die bislang rund 2.000 Schulversuche zu einer alternativen Leistungsbeurteilung (bei etwa 3.000 Volksschulen insgesamt) künftig ohne das bisherige bürokratische Prozedere auskommen und Lehrkräfte gemeinsam mit den Eltern mit einem einfachen Beschluss das Aus für die Ziffernnote von der ersten bis zur dritten Klasse Volksschule beschließen können. Die angeblichen Vertreter der „direkten Demokratie“ möchten dieses Element demokratischer Selbstbestimmung jetzt wieder rückgängig machen.

Resümee: Die künftige schwarz-blaue Regierung steuert mit Vollgas in die Vergangenheit. Ich fürchte, das gilt nicht nur für die Bildungspolitik.

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“
24. November 2017

Für ein inklusives Bildungssystem in Österreich

24.11.17, 16:27 |Categories: Bildung|Tags: , |

Im September 2015 haben sich alle 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verpflichtet, die sogenannte Nachhaltigkeits-Agenda 2030 mit ihren 17 nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals – SDGs) bis zum Jahr 2030 umzusetzen.

Aus dem Ziel 4 der Agenda: „Bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherzustellen sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen zu fördern.“

Dazu hat sich auch Österreich verpflichtet. Der Satz aus den „Globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen“ harrt auf Verwirklichung: Die Umsetzung dieses Bildungsziels der Agenda muss nämlich bis zum Jahr 2030 abgeschlossen (!) sein.

Wie es damit weltweit und in Östereich ausschaut, wird derzeit erörtert. Der UNESCO-Weltbildungsbericht 2017/2018 mit dem Titel „Verantwortung für Bildung“ ist am 24. Oktober 2017 in Paris präsentiert worden, am 5. Dezember werden die Eckpunkte dieses brisanten Berichts und die Rolle Österreichs in Wien präsentiert.

Dienstag, 5. Dezember 2017 | 17:00 – 20:00 Uhr
BMWFW, Festsaal (3. Stock), Freyung 3, 1010 Wien

Podiumsdiskussion
Verantwortung für Bildung – Verbindlichkeit in der Umsetzung des SDG4. Herausforderungen für Österreich?

  • Mag. Andreas Thaller, Generalsekretär BM Bildung
  • Dr. Harald Walser, Bildungsexperte und ehem. Schuldirektor des BG Feldkirch (Vlbg.)
  • Martin Winkler, Rechnungshof
  • Dr.in Claudia Schreiner, BIFIE Salzburg (angefragt)
  • Dr.in Barbara Herzog-Punzenberger, Johannes Kepler  Universität Linz
  • Derai Al Nuaimi, Bundesjugendvertretung, SDG Watch Austria

    Moderation: Dr.in Margarita Langthaler, ÖFSE

Wir haben in Österreich großen Handlungsbedarf. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten bin ich eingeladen, auf dieser Veranstaltung über unser Bildungssystem in Hinblick auf Chancengerechtigkeit und Qualität zu diskutieren. Wo steht Österreich bei der Umsetzung? Ist das Bildungsziel der Vereinten Nationen bei uns überhaupt angekommen? Vor welchen Herausforderungen stehen wir?

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“
22. November 2017

Islam-Kindergärten: „Kronen Zeitung“ verurteilt, Sebastian Kurz noch nicht

22.11.17, 17:21 |Categories: Bildung, Integration|Tags: , |

Am 25. Juni berichtete die „Kronen Zeitung“: „Kopftuch, Radikalisierung Alltag in Kindergärten“.

Darin hieß es, die Redaktion habe Bilder aus „einem Islam-Kindergarten in Wien Liesing“ zugespielt bekommen. Die „Krone“ habe Belege dafür, was „in vielen der 150 islamischen Kindergärten in Wien“ falsch laufe: Schon kleinste Mädchen müssten das Kopftuch tragen.

Die Fotos stammten aber nicht aus einem Kindergarten in Liesing, sondern enstanden bei einem Jugendfest des Islamischen Zentrums in Floridsdorf, die vielen teilnehmenden Mädchen ohne Kopftuch wurden – wie „Der Standard“ („Islam-Kindergarten“: Presserat rügt „Krone“ für Kopftuchfotos) feststellt – „herausgeschnitten“.

Der Presserat verurteilt das und fordert die „Kronen Zeitung“ auf, das Urteil zu veröffentlichen. Das wird natürlich nicht geschehen.

Ich habe schon mehrfach darauf hingewiesen, wie sensibel dieses Thema ist. Dabei gibt es ein „(un-)Heilige Allianz“ zwischen dem österreichischen Boulevard, den „türkischblauen“ (© Armin Thurnher) künftigen Regierungsparteien und willfährigen „Wissenschaftlern“ (Studie zu islamischen Kindergärten: Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas), denen es – wie etwa Ednan Aslan – nichts ausmacht, wenn das Ministerium des Herrn Kurz als Auftraggeber an einer abgelieferten Studie zu „islamischen Kindergärten“ gleich 903 Änderungen vornimmt, darunter gravierende inhaltliche. Und die erzielte man durch die selbst (!) formulierten „Zuspitzungen“. Die Uni Wien hat ihr Gutachten über Aslans Kindergartenstudie bislang nicht veröffentlicht. Gibt’s dafür einen Grund?

Einen Presserat haben wir auf politischer Ebene leider nicht: Das Urteil über Sebastian Kurz und seine Truppe muss bei den nächsten Wahlen gesprochen werden. Hoffentlich fällt es ebenso deutlich aus.